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Planung

Autobahn für Radler rückt näher

Um Straße und Schiene zu entlasten, will die Landesregierung bis 2025 zehn Radschnellwege verwirklichen. Eine dieser Fahrradautobahnen könnte zwischen Ludwigsburg und Waiblingen entstehen und auch durch Remseck verlaufen. Im Ausschuss für Umwelt und Technik (AUT) des Gemeinderats stellte Baubürgermeisterin Birgit Priebe am Dienstagabend den aktuellen Planungsstand vor.

Die Landesstraße 1140 am Rathaus. Wo derzeit noch Autos fahren, könnte künftig ein Fahrradschnellweg verlaufen. Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Landesstraße 1140 am Rathaus. Wo derzeit noch Autos fahren, könnte künftig ein Fahrradschnellweg verlaufen. Foto: Holm Wolschendorf

Remseck. In Absprache mit den beteiligten Kommunen und dem Landkreis Ludwigsburg hat der federführende Rems-Murr-Kreis bereits erfolgreich Fördermittel für eine Machbarkeitsstudie beantragt, die nun vorliegt. Von drei untersuchten Trassen wird ein Streckenverlauf von Ludwigsburg über Oßweil und Neckargröningen favorisiert. Sollten dereinst Westrandstraße und -brücke Realität werden, könnte die jetzige Landesstraße.1140 am Rathaus zurückgebaut und Teil des Radschnellwegs nach Waiblingen werden.

Laut Baubürgermeisterin Priebe werden die weiteren Planungs- und Baukosten für die rund 14 Kilometer lange Verbindung nur gefördert, wenn auf rund 80 Prozent der Strecke bestimmte Standards erfüllt werden. So muss der Radschnellweg mindestens vier Meter breit, durchgehend beleuchtet und weitgehend kreuzungsfrei sein, eine hohe Reisegeschwindigkeit ermöglichen und täglich von mindestens 2000 Radlern genutzt werden. An Knotenpunkten muss der Fahrradverkehr Vorfahrt haben.

Die Gesamtkosten betragen nach aktueller Schätzung 31 Millionen Euro. In einem nächsten Schritt soll der Landkreis Rems-Murr, stellvertretend für alle beteiligten Kommunen und den Landkreis Ludwigsburg, noch im Jahr 2020 Fördermittel für die weiteren Planungskosten von zwei Millionen Euro beantragen. Die Förderquote durch den Bund liegt bei 75 Prozent. Das Land Baden-Württemberg hat einen weiteren Zuschuss von 12,5 Prozent in Aussicht gestellt, so dass die gesamte Förderquote am Ende 87,5 Prozent betragen könnte.

Für die späteren Baukosten gelten nach Angaben der Remsecker Stadtverwaltung im Fall eines positiven Entscheids die gleichen Förderquoten. Erfreulich für die Stadt am Hechtkopf: Verläuft die Trasse innerhalb geschlossener Siedlungsbereiche, müssen große Kreisstädte die Kosten für diese Abschnitte selbst tragen. Da Remseck aber weniger als 30.000 Einwohner hat, wäre die Stadt ohne Eigenbeteiligung mit im Boot und müsste nur die Unterhaltskosten für den künftigen Radschnellweg berappen.

Angesichts dieser Umstände stieß das Projekt im AUT grundsätzlich auf positive Resonanz, allerdings wurden im Gremium auch kritische Stimmen laut. „31 Millionen Euro für 14 Kilometer, das ist schon der Hammer“, sagte etwa FDP-Stadtrat Kai Buschmann. „Man muss sich klarmachen, dass es sich hierbei um politische Entscheidungen handelt.“ Baubürgermeisterin Priebe wollte dieser Aussage gar nicht widersprechen. Die Landesregierung habe nun mal beschlossen, Geld für den Radverkehr in die Hand zu nehmen. Hier gelte das gleiche Prinzip wie im öffentlichen Nahverkehr: „Wenn man Angebote zur Verfügung stellt, steigen die Leute vielleicht auch um“, meinte Priebe.

Auch der CDU-Fraktionsvorsitzende Steffen Kirsch zeigte sich skeptisch. Denn der Trassenverlauf sei an einer Stelle vorgesehen, „an der wir schon jetzt mit Infrastruktur dicht sind. Mir fehlt die Vorstellungskraft, wie das funktionieren soll“. Im weiteren Planungsprozess seien noch viele Detailfragen zu klären, entgegnete die Baubürgermeisterin, auch der exakte Trassenverlauf müsse noch festgezurrt werden. Ihre Einschätzung: „Eine Ideallösung für alle Verkehrsteilnehmer wird es nicht geben.“

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