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Berufsorientierung

Bauen, löten und montieren

Girls’ Day Akademie: 14 Realschülerinnen aus Besigheim tauchen in die Welt der Technik ein

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Bosch-Mitarbeiter Dennis Lehmann zeigt den Schülerinnen, worauf es beim Löten ankommt. Fotos: Holm Wolschendorf
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Schwieberdingen. Schnell noch einen Blick in den Spiegel werfen, bevor man das Haus verlässt – Das gehört wohl nicht nur für besonders eitle Menschen zur morgendlichen Routine. 14 Mädchen der Maximilian-Lutz-Realschule werden in Zukunft aber wohl vor allem mit Stolz in den Spiegel schauen. Und zwar in einen ganz besonderen: Im Rahmen der Girls’ Day Akademie – einem Programm, das Mädchen über ein Schuljahr hinweg die Möglichkeit bietet, technische Berufe kennenzulernen – haben die Schülerinnen bei Bosch in Schwieberdingen ihren eigenen Schminkspiegel mit Beleuchtung gebaut. Bosch ist dabei nur eine von vielen Stationen, die die Mädchen während des Semesters besuchen.

Die Veranstaltungsreihe findet im Rahmen einer AG statt. Neben einem Einblick in die Welt der Technik erhalten die Mädchen zudem ein Bewerbungstraining, erlernen verschiedene Präsentationstechniken oder stärken ihr Selbstbewusstsein. „Die Girls’ Day Akademie ist für alle Seiten ein Gewinn“, findet Stefan Ziegler, Ausbildungsleiter bei Bosch in Schwieberdingen. „Wir wollen Mädchen für die Technik begeistern.“ In diesem Jahr führt erstmalig die BBQ Berufliche Bildung gGmbH das Projekt aus, welches in den letzten mehr als zehn Jahren vom Verein Furiosa organisiert wurde. Finanziert wird es von der Agentur für Arbeit und Südwestmetall.

Für Sozialpädagogin Sarah Geist-Gröll vom BBQ steht vor allem im Vordergrund, den Mädchen die Angst vor den sogenannten Männerdomänen zu nehmen. „Sie sollen Spaß und Freude an der Technik haben und diese in einem geschützten Rahmen testen.“ Im Mittelpunkt stehen die Mint-Berufe (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Neben Bosch in Schwieberdingen wurden beispielsweise auch das Kinderfilmhaus der Filmakademie in Ludwigsburg oder das Science Center Technorama Winterthur in der Schweiz besucht.

Für Mathematik- und Physiklehrer Ludwig Sterz, der die Mädchen als Betreuer begleitet, macht sich in den letzten Jahren ein deutlicher Wandel bemerkbar. „Die Mädchen holen in den Naturwissenschaften immer mehr auf“, sagt er.

Laut Ziegler ist das Interesse der Mädchen an Berufsausbildungen bei Bosch in den letzten Jahren deutlich gestiegen. „Hätten wir Programme wie die Girls’ Day Akademie nicht, dann würde es ganz anders aussehen“, sagt er. Der Frauenanteil der Studenten und Azubis bei Bosch in Schwieberdingen liege bei rund 20 Prozent. „Unser Ziel ist es, den Anteil in Zukunft deutlich zu erhöhen“, so der Ausbildungsleiter.

Die 14-jährige Annika Veigel hat durch die Akademie viel dazugelernt. „Gerade bei Bosch hat es mir super viel Spaß gemacht“, sagt sie. Dennoch könne sie sich eher weniger vorstellen, später in einem technischen Beruf zu arbeiten. Anders sieht es bei der 15-jährigen Endrina Sertollaj aus. „Ich wurde später gerne einen technischen Beruf lernen. Durch die Akademie habe ich gemerkt, dass mir solche Arbeiten liegen.“

Als Vorbild für die Schülerinnen könnte Stephanie Dürr dienen. Die 19-Jährige ist Teilnehmerin des kooperativen Studienmodells Fahrzeugmechatronik eMobilität plus bei Bosch. „Mir gefällt es super. Wir arbeiten gut zusammen und es macht keinen Unterschied, ob wir nun männlich oder weiblich sind.“ Die Akademie helfe dabei, den Mädchen zu zeigen, „dass Technik nicht unschön ist“.