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Notfallübung

Bis Hilfe kommt, vergeht viel Zeit

Szenario von „Consilium“: Auf der Schnellbahntrasse verunglückt ein ICE – 750 Beteiligte arbeiten sich durch die Dunkelheit

Verletzte werden von der Feuerwehr aus dem ICE geborgen und auf dem Gegengleis mit Wagen abtransportiert.Fotos: Alfred Drossel
Verletzte werden von der Feuerwehr aus dem ICE geborgen und auf dem Gegengleis mit Wagen abtransportiert. Foto: Alfred Drossel

Schwieberdingen. Bei einer der größten Notfallübungen der letzten Jahre haben in der Nacht zum Sonntag rund 750 Einsatzkräfte der Blaulichtorganisationen und Darsteller von Verletzten auf der Schnellbahnstrecke Stuttgart-Mannheim bei Schwieberdingen bei der Übung „Consilium“ den Ernstfall geprobt. Während sich die Einsatzkräfte durch die Nacht kämpften, brauchten die „Verletzten“ viel Geduld.

Der THW-Oldtimer „Schuffi“ spendet am Schauplatz des Geschehens gleißendes Licht. Doch kurz vor dem Auslösen des Alarms schaltet das THW die Scheinwerfer ab. Bei völliger Dunkelheit wird unter realistischen Bedingungen geübt. Bahn-Notfallmanager Uwe Geiger gibt die Strecke um 1.01 Uhr frei, nachdem die Oberleitung geerdet ist.

Zuvor ist der 30 Jahre alte ICE 1 von Vaihingen her kommend auf den Bahnabschnitt gefahren. Raimund Räder aus Tamm steuert den 360 Meter langen Triebzug. Seine Rolle übernimmt der Sersheimer Feuerwehrmann Bernd Mozer als Alois Häberle. Mit ihm sind knapp 90 Statisten im Zug. Einige davon mimen Schwerverletzte. Bis jedoch die Retter der Feuerwehr Markgröningen unter Klaus Decker den in völliger Dunkelheit stehenden Zug als Erste erreichen, dauert es noch knapp zwei Stunden.

Dagegen kommen die Einsatzkräfte schon 45 Minuten nach dem Alarm zu einen Gelenkbus. Der Bus stellt einen Eisenbahnwaggon dar, in dem mehr als 50 Verletzte sitzen und schreiend um Hilfe flehten. Unter ihnen ist auch die 24-jährige Vivien Kurz, die normalerweise in der Führerscheinstelle des Landratsamtes arbeitet. Sie hat sich zusammen mit weiteren 150 Verletzten-Darstellern freiwillig gemeldet.

Währenddessen kommt die Rettungskette ins Rollen. Am dunklen Himmel surren die Aufklärungsdrohnen der Feuerwehren Walheim und Oberriexingen. Sie liefern eindrucksvolle Bilder zur Einsatz- und Übungsleitung, die etwa 1,5 Kilometer vom angenommenen Unglücksort entfernt aufgebaut wurde.

Während der ICE lange Zeit nicht in das Geschehen einbezogen ist, läuft am Bus das volle Programm ab. Menschen werden geborgen, registriert, erstversorgt und später von einer ganzen Armada Krankenwagen des DRK-und Katastrophenschutzes mit Blaulicht zum Behandlungsplatz bei der Felsenberghalle nach Schwieberdingen gebracht.

Die Fahrer der in Bietigheim stationierten Feuerwehrmotorräder übernehmen Melderfunktionen. Von Möglingen her wird eine 1,6 Kilometer lange Löschwasserleitung verlegt. In Schwieberdingen treffen ab 2.30 Uhr die ersten „Verletzten“ ein. Das Ludwigsburger DRK bekommt, wie bei Katastrophen vorgesehen, Unterstützung aus Pforzheim. Der „Behandlungsplatz 25“ steht für die Kapazität der Verletzten, die in einer Stunde behandelt werden könnten, erklärt Einsatzsatzleiter Markus Mannus. Ärzte werden tätig, Notfallseelsorger sind vor Ort.

Unterdessen rückt der ICE in den Mittelpunkt des nächtlichen Geschehens. Um 2.45 Uhr beginnt die Evakuierung des Zuges. Scheinwerfer auf Feuerwehr-Drehleitern und LED-Lichter des Technischen Hilfswerks erhellen die Szene. Unverletzte Betroffene gehen zu Fuß durch die Nacht. Verletzte werden von Feuerwehrleuten aus dem Zug geholt und dem Rettungsdienst übergeben. Schwerverletzte werden mit Schienenwagen transportiert.

Die Übungsziele seien weitgehend erreicht worden, stellt Kreisbrandmeister Andy Dorroch am frühen Sonntagmorgen fest. Allerdings müsse die Kommunikation unter den Organisationen noch verbessert werden. Kommunikationsstörungen hätten den zeitlichen Ablauf der Übung negativ beeinträchtigt.

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