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Blick über den Gartenzaun und ins Dorfmuseum

Viele Interessierte haben gestern beim Tag der offenen Gartentür das Dorfmuseum in Poppenweiler besucht. Durch zahlreiche Exponate schien die Vergangenheit zum Greifen nahe.

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Die Vorsitzende des Poppenweiler Heimatvereins Hilde Klotz (rechts) zeigt den Besuchern am Tag der offenen Gartentür die Pflanzenpracht hinter dem Dorfmuseum. Echte Raritäten sind die historischen Grenzsteine, die mittendrin aufgestellt worden sind.Fotos: Ramona Theiss
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Dass der Garten hinter dem ehemaligen Wohnhaus und der angrenzenden Scheune vor wenigen Jahren noch eine Brachfläche mit einem großen Schutthaufen darauf war, mag man heute kaum glauben. Die aktiven Mitglieder des Heimatvereins, allen voran die Vorsitzende Hilde Klotz, haben dort Wege und Beete angelegt und bepflanzt. Auf diese Weise ist eine grüne Oase entstanden. Rosenbüsche, Lavendel- und Hortensiensträucher sowie Stauden wie die Fette Henne, Herbstanemone oder Sonnenhut zeigten sich trotz der zurückliegenden Hitzeperiode in voller Pracht. „Ich habe hier auch regelmäßig gegossen“, sagte Hilde Klotz. Vor allem pflegeleicht soll der Garten sein und nach Möglichkeit zu jeder Jahreszeit etwas blühen. „Hier darf auch das ein oder andere Unkraut wachsen“, verriet sie. Für den Tag der offenen Gartentür waren die Pflanzen beschnitten und in Form gebracht worden. Kein Wunder, dass die Sitzplätze draußen unter freiem Himmel bei den Besuchern hoch im Kurs standen. Sie ließen sich dort Kaffee und Hefezopf schmecken.

Was wäre der Garten hinter dem Dorfmuseum ohne Relikte aus der Vergangenheit? Alte Gießkannen aus Zink, Backformen und viele andere Utensilien sorgen dort für nostalgisches Flair. Auch ein Futtertrog für Hühner dient heute als Pflanzgefäß. Echte Raritäten sind die historischen Grenzsteine, die inmitten der Pflanzenpracht aufgestellt worden sind. Ein barockes L auf der einen und eine Bündel Ähren auf der anderen Seite zieren den Stein, der Anfang des 18. Jahrhunderts zwischen Ludwigsburg und Kornwestheim aufgestellt war. Feldkreuz und Hufeneisen stellen bei einem anderen Grenzstein den Bezug zu Poppenweiler her. So unterschiedlich die Steine auch gestaltet sind: Bei ihnen handelt es sich wie bei den meisten Exponaten um Schenkungen an den Heimatverein. Unter einer Remise draußen waren ein rund 150 Jahre altes Jauchefaß auf einem Fuhrwerk und anderes landwirtschaftliches Gerät zu bestaunen.

Einblicke in Alltag früherer Zeit

Das Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das bis Mitte der 70er Jahre bewohnt war und heute als Dorfmuseum genutzt wird, ist baulich kaum verändert worden. So bietet es Einblicke in das Alltagsleben früherer Zeiten. Historisches Mobiliar und Alltagsgegenstände schlagen einen Bogen zur Vergangenheit. In dem recht kleinen Schlafzimmer nächtigten einst sechs Personen. Von dem heutigen Überfluss, der heute herrscht, waren die Menschen vor einigen Jahrzehnten noch weit entfernt. Das zeigt auch der Blick auf die ausgestellten Kleidungsstücke. Die handgestrickten Socken sollten möglichst lange halten und wurden gleich mehrmals gestopft. Von vorne konnte sich das Hemd des Familienoberhauptes noch sehen lassen, doch auf der Rückseite sind zahlreiche Löcher zu sehen. „Das Hemd wurde vom Flickwerk zusammen gehalten“, sagte die Vorsitzende des Heimatvereins, während sie das Kleidungsstück in die Höhe hielt.

Ein besonderes Bonbon ist der Besuch der Puppenstubenausstellung, das älteste Exemplar stammt aus dem Jahr 1830. Ein Kaufladen, der samt Inventar noch im Original erhalten ist, stand einst in der Königlichen Hofbäckerei. Sehen lassen kann sich auch die Sammlung an Figuren aus Elastolin, die bis Mitte der 50er Jahre von der Firma Hausser in Ludwigsburg gefertigt und in Heimarbeit von Hand bemalt wurden.

Weitere Scheune für Ausstellung

Zum 40-jährigen Bestehen will der Heimatverein eine weitere Scheune, die von der Stadtverwaltung gepachtet worden ist, als Ausstellungsfläche nutzen. Highlights sind ein Pferdeschlitten und ein Pferdekarren, mit dem eine Familie in den Wirren des Zweiten Weltkrieges von Rumänien nach Deutschland flüchtete.

Wer die interessanten Exponate im Dorfmuseum bewundern will, muss sich aber etwas gedulden. Erst zur Advents- und Weihnachtsausstellung am 16. Dezember von 11 bis 17 Uhr ist es wieder für die breite Öffentlichkeit geöffnet. Ansonsten bietet der Heimatverein Führungen für Gruppen oder Schulklassen an.