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Nahversorgung

Brandbrief vom Bürgermeister

Das Herz der Hohenstange steht seit Wochen still. Im Juli schloss der Markt „Treff 3000“. Und noch immer ist kein Schrittmacher gefunden. Das war Anlass für Bürgermeister Martin Bernhard, einen Brandbrief an die zuständige Immobiliengesellschaft zu schreiben. Der ist von allen Gemeinderäten unterzeichnet.

Ziemlich verödet präsentiert sich der ehemalige „Treff 3000“, der im Juli geschlossen hat. Foto: Holm Wolschendorf
Ziemlich verödet präsentiert sich der ehemalige „Treff 3000“, der im Juli geschlossen hat. Foto: Holm Wolschendorf

Tamm. Das kleine Einkaufszentrum der Edeka-Gruppe im Zentrum der Trabantenstadt war mehr als ein Laden, in dem das vergessene Päckchen Butter kurz vor Ladenschluss eingekauft wurde oder weil die Feinstrumpfhose eine Laufmasche hatte. „Das Geschäft lief“, beobachtete Bürgermeister Bernhard. 423 Quadratmeter Verkaufsfläche seien dem Vollsortimentsriesen aber wohl für die Zukunft zu klein, vermutet er. Außerdem sei der Treff auch ein sozialer Mittelpunkt gewesen, der nun verloren ist. Man hat sich hier zwischen den Regalen oder beim Tüten packen getroffen, dabei ein Schwätzle gehalten. Auch auf dem Platz vor dem Geschäft.

Das Wohngebiet wurde ab den 1970er Jahren bis in die 1990er hinein aufgesiedelt. Mit den Häusern sind auch die Bewohner in die Jahre gekommen. 6500 Menschen leben im größten Ortsteil der Gemeinde. Viele sind nicht mehr so gut zu Fuß, als dass sie es ohne Auto mit ihren Einkaufstaschen vom Lidl am Stadtrand zurück in ihre Wohnungen schaffen könnten. Und der Bus ist für sie auch keine echte Alternative, weil die nächste Haltestelle zum Discounter gut 300 Meter entfernt ist und der Rückweg bergauf führt. Und die Tammer Mitte ist weit.

Die Versorgung für den täglichen Bedarf in kurzer, fußläufiger Entfernung sei nicht mehr gegeben. Viele der Bürgerinnen und Bürger fühlten sich nicht mehr in der Lage, die nun weiten Wege in Kauf zu nehmen. Ältere Menschen seien von Einkaufsmöglichkeiten abgeschnitten. Weiter heißt es in dem offenen Brief: „Es ist unabdingbar, hier zeitnah eine adäquate Lösung zu finden.“

Es sei bei den Bewohnern der Hohenstange durch den Wegfall des „Treff 3000“ eine große Not entstanden, schreibt Bernhard an die TreMa Immobilien Managementgesellschaft mbH. Er und die Gemeinderäte bedauern, dass bis heute kein Nachfolger gefunden wurde. „Diese Situation ist nicht länger hinnehmbar. Unzufriedenheit und Unverständnis wachsen.“

Ein CAP-Markt wird vorgeschlagen. Dessen integratives Nachhaltigkeitskonzept sei überzeugend und könnte rasch realisiert werden, ohne dass die vorhandenen Flächen verändert werden müssten. Bereitschaft der Betreiber sei bereits signalisiert. Die Forderung von Gemeinderat und Bürgermeister: „Wir wollen mehr heute als morgen auf ‚unserer‘ Hohenstange wieder einen attraktiven Supermarkt.“ Deshalb wird gebeten, gemeinsam mit der Gemeindeverwaltung, die notwendigen Voraussetzungen dafür zu schaffen. Damit verbunden sei auch, eine Lösung für die Nutzung des gesamten Gebäudekomplexes zu finden. „Wir erwarten dringend eine Stellungnahme zur Situation und Informationen zu den nächsten Schritten, die hoffentlich im Sinne der Tammer erfolgen“, wurden die Verantwortlichen zu einem persönlichen Gespräch eingeladen.

Der Ortsteil verödet derweil zusehends. Der Drogist Schlecker ist weg, Metzger und Gemüsehändler haben lange schon dicht gemacht, wie auch die kleine Kneipe. Statt Bankschalter gibt es nur noch Automaten.

Die plötzliche Schließung des Treff-Markts hat alle überrascht: Kunden, Mitarbeiter, Lokalpolitik. Bernhard ist auf der Suche nach einem gemeinsamen Masterplan mit dem Immobilienmanager. „Wir sind auf der Suche nach einem geeigneten Mieter, was sich nicht einfach gestaltet. Es gibt aber Interessenten“, sagt TreMa-Geschäftsführerin Bettina Donhardt. Sie vertritt die Interessen der Anteilseigner am Fonds. Bis zum Jahresende sei Edeka Mieter des Objekts und die Fläche sei auch noch nicht vollständig geräumt.

Schnell eine Lösung zu finden, liege im Interesse aller. Es sei ja auch bereits ein Termin mit der Rathausspitze noch in diesem Jahr vereinbart. Von dem ist dort aber noch nichts bekannt. Alles müsse in so einem Verfahren auch seinen geregelten Gang gehen. „Schritt für, Schritt statt Hopplahopp“, sagt Bettina Donhardt.

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