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Kulturpolitik

Bürgersaal chronisch im Defizit

Es knirscht offenbar gewaltig im Tammer Kulturbetrieb. „Ich bin es leid, jedes Jahr so ein hohes Defizit zu akzeptieren“, wurde die Grünen-Rätin Karin Vogt in der letzten Gemeinderatssitzung des Jahres überaus deutlich.

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Sorgenkind: Der Bürgersaal beschert der Gemeinde Jahr für Jahr ein hohes Defizit. Archivfoto: Alfred Drossel

Tamm. Vor allem der Bürgersaal schreibt seit seiner Einweihung im Jahr 2007 tiefrote Zahlen. Das Minus beläuft sich jährlich auf zwischen 600 000 und 850 000 Euro. In den vergangenen neun Jahren summierte sich das auf 5,9 Millionen (wir berichteten).

Die Einnahmen schwanken lediglich zwischen 35 000 und 56 000 Euro. Der Deckungsgrad liegt damit bei maximal 7,75 Prozent. In einem Jahr waren es sogar nur fünf Prozent. Jetzt wurden Mieterhöhungen beschlossen, die mehr Geld bringen sollen. Dennoch wird das Kulturzentrum weiter mit über 90 Prozent vom Steuerzahler subventioniert werden müssen, so die Schätzungen fürs neue Jahr. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“, waren sich alle Fraktionen im Blick auf die höheren Mieten einig. Und auch darin, dass kommunale Kulturveranstaltungen, die sich nie selbst trügen, immer ein Zuschussgeschäft seien. Ein Defizit in dieser Größenordnung aber sei angesichts der prekären Finanzlage der Gemeinde inakzeptabel.

Die lokalen Vereine, Organisationen und Parteien sollen von den deftigen Gebührenanhebungen teilweise verschont bleiben. Auf Antrag der Freien Wähler wird ihnen ein Rabatt von 35 Prozent eingeräumt – statt 30 Prozent, wie sie die Verwaltung vorgeschlagen hatte. Jürgen Hottmann von der AWV und Sonja Hanselmann-Jüttner (SPD) warnten beide aber auch vor „Abschreckungsgebühren“. Man müsse die Mitbewerber im Blick halten, um Abwanderungstendenzen potenzieller Kunden zu vermeiden. Denn das Konkurrenzangebot im Raum Ludwigsburg sei so groß wie hochwertig. „Unser Saal ist gut, aber teuer“, meinte Hanselmann-Jüttner. In guten Zeiten sei das auch kein Problem gewesen. Die aber sind gerade vorbei.

Wolfgang Fröhlich von der CDU meinte, angesichts des „unvertretbar hohen Abmangels“ sei die leichte Gebührenanhebung richtig. Die LLT bleibt bei ihrem Kontra, solange die Verwaltung dem Gemeinderat kein strukturelles Konsolidierungspaket vorlege, in dem aufgezeigt werde, wo die Kommune gerade finanziell stehe, und wo gegenübergestellt werde, wie und wo überall gespart werden könne. Die Erhöhung sei Heuchelei, weil damit der große Wurf nicht gelinge, so Sandra Weber.

Gebühren allein bringen’s nicht, forderte Karin Vogt eine deutlich bessere Auslastung des Bürgersaals. 2016 wurde der an nur 151 Tagen – knapp 30 davon gingen aufs Konto der Gemeinde – für durchschnittlich elf Stunden genutzt, sonst stand er leer und kostete Geld. „Kultur ist ein schweres Geschäft“, gestand die Grünen-Chefin zu. Aber eine Frage müsse gestattet sein: „Wohin galoppieren wir eigentlich?“ Vogt erwartet deutlich mehr Initiative, „um den Karren aus dem Dreck zu fahren“.

Es müsse endlich Schluss sein mit den Querelen zwischen Hallenmanagement und Kulturamt, so Vogt. Die gingen letztlich auf Kosten der Kunden, die mit unprofessionellem Verhalten verprellt würden. Jüngst habe es Pannen gegeben, die von massiven Beschwerden bis hin zum Beinaheabbruch kompletter Veranstaltungen geführt hätten. „Es kann nicht sein, dass die Schwarzen Peter zwischen den Schreibtischen hin- und hergeschoben werden.“ Vogt forderte offene Gespräche mit den Beteiligten. „Es hilft kein Kuschelkurs mehr, wo dringend Änderungen erforderlich sind.“ Es müssten Aufgaben klar definiert und zugeordnet werden. Bezeichnend für das Betriebsklima sei, dass der Veranstaltungstechniker gekündigt und sich um eine neue Stelle in größerer Halle beworben habe.

„Es wird sich im nächsten Jahr etwas ändern müssen“, so der stellvertretende Bürgermeister Dr. Andreas Richter, der anstelle des erkrankten hauptamtlichen Schultes Martin Bernhard die Sitzung leitete. Nicht ganz so dramatisch, aber doch ebenfalls bedenklich ist auch die Lage bei der alten Kelter. Das Thema wurde allerdings am Montagabend von der Agenda genommen. Hier erwartet der Gemeinderat Nachbesserungen in den Berechnungen der Sitzungsvorlage.