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Stadtticket

Busfahren soll günstiger werden

Das Konzept kommt gut an und könnte von April 2020 an auch in Besigheim umgesetzt werden: das Stadtticket für den Bus. Der Gemeinderatsausschuss für Umwelt und Technik hat den Plänen gestern Abend zugestimmt, die Entscheidung liegt jedoch beim Gemeinderat.

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Besigheim. Martin Schugt vom Verkehrs- und Tarifverbund Stuttgart (VVS) war vor ziemlich genau einem Jahr schon einmal in Besigheim, um mit den Stadträten über ein Stadtticket zu reden. Gerade einmal 3 Euro würde die Fahrkarte kosten, mit der beliebig oft den ganzen Tag – und bis zum Folgetag um 7 Uhr – die Busse in Besigheim, Ottmarsheim und Husarenhof genutzt werden können. Für ein Gruppenticket (maximal fünf Personen) werden 6 Euro fällig. Eine Entscheidung ist damals allerdings nicht gefallen. Vielmehr wollte der VVS abwarten, wie die Pilotphase in Ludwigsburg läuft. Und diese läuft so gut, dass über eine Verlängerung nachgedacht wird (unsere Zeitung berichtete). Die Vorteile eines solchen Tickets sind laut Schugt: Busfahrer werden entlastet, weil sie weniger Tickets verkaufen müssen; die Nutzer können mit nur einem Ticket so oft am Tag fahren wie sie wollen und das eigene Auto wird weniger genutzt.

Gerade die mögliche Entlastung der Straßen ist etwas, das viele Kommunen aufhorchen lässt. Je mehr Autofahrer auf Busse umsteigen, desto weniger verstopfte Straßen dürfte es geben. Beispielsweise in Asperg, Ditzingen, Kornwestheim, Remseck und Tamm wird das Stadtticket Anfang 2020 eingeführt; Markgröningen hat jüngst beschlossen, das Ticket spätestens im Januar 2021 anzubieten.

Der VVS stellt für Besigheim in Aussicht, im April 2020 mit dem Stadtticket beginnen zu können. Nächstmöglicher Einstieg wäre dann erst wieder Anfang 2021. Wie Martin Schugt sagte, sei es sinnvoll, das Angebot für mindestens zwei Jahre laufen zu lassen, so erhalte man eine verlässliche Nachfrageentwicklung, die als Entscheidungsgrundlage für eine Fortführung diene.

Bislang kostet ein Einzelticket für eine Zone 2,50 Euro, für Hin- und Rückfahrt werden somit 5 Euro fällig. Das Einzeltagesticket für eine Zone kostet 5,20 Euro und ein Gruppentagesticket für eine Zone 10,40 Euro. Das Stadtticket ersetze Fahrten mit Einzel- oder Vierer-Tickets in einer Zone und in gewissem Umfang auch Zeittickets, wie etwa Firmen-Abo oder „Monatsticket jedermann“. Wird das Stadtticket eingeführt, nimmt der VVS weniger Geld ein – und holt sich das an anderer Stelle zurück. Denn hier müssen die Kommunen in die Bresche springen. Für Besigheim kalkuliert der VVS mit Mindereinnahmen von etwa 25.000 Euro im Jahr, die von der Stadt zu zahlen wären. Er schaut nach einem gewissen Zeitraum, wie viele Stadttickets verkauft wurden, und rechnet die jeweiligen Mindereinnahmen aus.

Grundsätzlich kam das Stadtticket gestern Abend bei allen Fraktionen gut an. Sibylle Reustle (SPD) fand die 3 Euro pro Ticket allerdings etwas hoch – gerade, weil hier Ludwigsburg als Vergleich herangezogen werde. „Beim Preis kann man nach unten hin gar nichts mehr machen“, sagte Martin Schugt. Das sei das untere Limit. Friedrich Köhler (FWV) sprach, wie bereits 2018, die Reichweite des Tickets an: „Das ist zu kurz gedacht. Wir müssten auch die anderen Kommunen mitabdecken können, wenigstens die im Verwaltungsbezirk.“ Das sahen auch Hansjörg Kollar (BMU) und Ulrich Gerstetter (CDU) so. Es gehe ja darum, das Angebot attraktiver zu machen und den Autoverkehr zu reduzieren. „Das höre ich jetzt nicht zum ersten Mal“, sagte Schugt über die Ausdehnung auf ein größeres Gebiet. Doch im VVS sei der Beschluss gefasst worden, zunächst mit jeweils einer Kommune zu starten. „Dann müssen wir uns einfach mal anschauen, was passiert.“ Wenn man merke, das Konzept funktioniere in kleineren Kommunen nicht, dann habe man ja immer noch die Option, etwas zu ändern beziehungsweise zusammenzulegen.

Gremium wünscht größeres Gebiet

Ulrich Gerstetter sprach dann noch ein generelles Problem an: dass man nach Abendveranstaltungen nicht mehr mit dem Bus in die Wohngebiete kommt – einfach, weil kein Bus mehr fährt. Hier war der VVS-Vertreter der falsche Ansprechpartner. Wie Bürgermeister Steffen Bühler sagte, sei es Sache des Gemeinderats, ob er bei der Haushaltsberatung beschließt, den Umlauf abends um eine Stunde zu verlängern. Das würde bis zu 15.000 Euro im Jahr kosten. Davon, die Busfahrten samstags kostenfrei anzubieten, wie von Gerstetter ins Spiel gebracht, hält Schugt nichts: „Wir im VVS haben uns dagegen entschieden, das permanent an festen Tagen anzubieten.“ Aber anlassbezogen, bei vier bis sechs Terminen im Jahr, sei das durchaus möglich. Vorstellbar ist das etwa beim Weihnachtsmarkt.

Die Stadträte haben gestern Abend mehrheitlich empfohlen, das Stadtticket für zunächst drei Jahre einzuführen. Der Gemeinderat wird darüber in seiner Sitzung am Dienstag, 19. November, beschließen. Zudem solle der VVS eine interkommunale Ticketvariante prüfen und mit den Kommunen der Gemeindeverwaltungsverbände Besigheim und Bönnigheim sprechen.

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