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Atomtransport

Castor-Start bei Nacht und Nebel

Zur bisher größten Störung durch Atomkraftgegner kam es gestern beim vierten Castor-Transport auf dem Neckar. Zehn Schwimmer versuchten, den Schiffsverband bei Sontheim zu stoppen. Erstmals war der Transport mitten in der Nacht gestartet. Gegen 13 Uhr kam er am Zwischenlager Neckarwestheim an.

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Aktivisten steigen mit Schwimmenten und Plastikfässern in den Neckar. Doch das Castor-Schiff, hier beim Zwischenstopp an der Schleuse, fährt ungehindert weiter. Fotos: Alfred Drossel
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Polizisten ziehen die Schwimmer aus dem Wasser.
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Aktivisten steigen mit Schwimmenten und Plastikfässern in den Neckar. Doch das Castor-Schiff, hier beim Zwischenstopp an der Schleuse, fährt ungehindert weiter. Fotos: Alfred Drossel
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Der Atomtransport hat vor der Schleuse angelegt.

Neckarwestheim. Start bei Nacht und Nebel, um bei Tag am Ziel anzukommen: Kurz nach 2 Uhr in der Nacht hatte der Atomtransport am stillgelegten Kernkraftwerk Obrigheim abgelegt, um drei weitere Castoren mit abgebrannten Brennelementen ins Zwischenlager Neckarwestheim zu bringen. „Das ist unsere Einsatztaktik“, begründete Roland Fleischer, Sprecher der Einsatzleitung des Bereitschaftspolizeipräsidiums in Göppingen, den Start des Transports mitten in der Nacht. Die Genehmigung für den Transport umfasse 24 Stunden. Auch die vierte Fahrt habe man „sehr akribisch“ vorbereitet und „sorgfältig geprüft“. Die Polizeigewerkschaft hatte im Vorfeld von Transporten in der Dunkelheit abgeraten (wir berichteten).

Die Panik der Polizei vor Protesten sei so groß, dass sie zum „allerdümmsten Mittel“ greife, mitten in der Nacht mit der gefährlichen Fracht zu starten, kommentierten die Atomkraftgegner das Vorgehen. Die Fahrt verlief bis Heilbronn ohne Zwischenfälle. Dort war der Schubverband, der diesmal nicht vom Schubschiff „Edda“, sondern vom Ersatzschiff „Ronja“ geschoben wurde, gegen 9 Uhr angekommen. Die Polizei hatte den Transport wieder mit vielen Beamten gesichert – in Booten, Schiffen und in Fahrzeugen an Land. Der Hubschrauber dagegen konnte erst später bei besserer Sicht eingesetzt werden. Gegner der Atommüll-Transporte versammelten sich in Heilbronn zu einer Mahnwache. An der Otto-Konz-Brücke zählte die Polizei kurz nach 8 Uhr nur wenige Teilnehmer.

Trotz aller Sicherheitsmaßnahmen ist es Aktivisten von Robin Wood, dem Bündnis „Neckar castorfrei“ und der Anti-Atom-Initiative Karlsruhe gelungen, bei Sontheim zehn blaue Plastikfässer und ein halbes Dutzend großer, gelber Schwimmenten in den Fluss zu lassen. Zehn Schwimmer trieben mehr als eine halbe Stunde lang im nur sieben Grad kalten Wasser, bis sie von der Polizei herausgeholt und kurzfristig in Gewahrsam genommen wurden. Auch die Fässer und Schwimmenten wurden von den Beamten herausgefischt und beschlagnahmt. Einige Schwimmer mussten wegen Unterkühlung behandelt werden. Den Schiffskonvoi konnten die Aktivisten zwar abbremsen, aber nicht stoppen. Das Spezialschiff fuhr langsam an ihnen vorbei. Der Schubverband erreichte Neckarwestheim gegen 13 Uhr. Während des Transports hat die Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg die Strahlenbelastung gemessen. Die Ergebnisse seien unauffällig gewesen.

Nach bisherigen Planungen der EnBW war es das vorletzte Mal, dass Castoren auf dem Neckar verschifft wurden. Insgesamt sollen in Neckarwestheim 15 dieser Behälter mit Brennelementen aus Obrigheim zwischengelagert werden. Zwölf davon sind jetzt seit gestern dort.