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Der MGV: 135 Jahre und kein bisschen leise

Traditionschor feiert Geburtstag – Verbandspräsidentin: Gemischter kommt nicht an Männerchor heran

Gesang von den Rathausstufen: Der MGV beging seinen Geburtstag musikalisch aktiv. Foto: Holm Wolschendorf
Gesang von den Rathausstufen: Der MGV beging seinen Geburtstag musikalisch aktiv. Foto: Holm Wolschendorf
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Kornwestheim. Traditionsreich, auf der Höhe der Zeit und mit einer kleinen Portion Schalk im Nacken: So hat sich der Männergesangverein Kornwestheim beim Konzert zu seinem 135-jährigen Bestehen präsentiert. Das Rathausfoyer verwandelte sich in einen Konzertsaal mit zahlreichen Geburtstagsgästen. Der musikalische Bogen reichte von Klassik bis Gegenwart, bediente fast alle musikalischen Genres und beinhaltete mit „Die Moorsoldaten“ sogar ein politisches Lied.

Dirigent Dieter Aisenbrey hatte die 20 Titel ausgewählt und miteinander zu einem bunten Mix verwoben. Als „Vater aller Dinge“ bezeichnete ihn Vorsitzender Wolfgang Stadelmaier. Aisenbrey hat auch den Text für die Jubiläumshymne nach der Melodie der „Ode an die Freude“ aus Beethovens Neunter verfasst, die gleich zu Beginn gemeinsam von Chor und Publikum gesungen wurde. Später schloss sich ein Geburtstagsständchen für Stadelmaier an, der sein 73. Lebensjahr vollendet hat.

Oberbürgermeisterin Ursula Keck hob hervor, dass der Männergesangsverein eine der tragenden Säulen des kulturellen Lebens in Kornwestheim sei. „Sie schaffen es, traditionelles mit modernem Liedgut zu verknüpfen“, sagte sie. Der MGV könne mit seinem Gesang gefühlvoll, berührend, ernst, freudig und herzerfrischend sein. „Sie sind eine tolle Truppe“, richtete Keck sich an die knapp 40 Sänger, die sich auf den Stufen im Rathausfoyer aufgestellt hatten. Bei ihr stehe eine Reise nach Villeneuve-St.-Georges, wo der Chor anlässlich des Städtepartnerschaftjubiläums aufgetreten ist, ganz oben auf der Erinnerungsliste. Sie hob auch das Engagement der Frauen heraus, die ihre singenden Männer unterstützen. Das galt an diesem Abend auch für die Frau am Klavier: die Konzertpianistin Elina Sorlanda.

„Wir nehmen jede Gelegenheit wahr, um zu feiern“, verriet Dieter Aisenbrey. So wolle man den 135. Jahrestag der Gründung dazu nutzen, Geselligkeit zu pflegen und sein Können zu zeigen. „Der MGV ist immer seiner Linie treu geblieben“, sagte Anita Gnann-Hass, Präsidentin des Chorverbandes Friedrich Schiller. Die Konzerte seien stets ein emotionales Erlebnis. Mit der Bemerkung, ein gemischter Chor komme nicht an einen Männerchor heran, machte sie sich allerdings keine Freunde bei den Sängerinnen im Publikum.

Mit geistlicher Musik eröffnete der Chor sein Programm: „Die Ehre Gottes für die Natur“ stammt von Ludwig van Beethoven, einen Kontrapunkt bildete Leonard Cohens „Hallelujah“ in deutscher Übersetzung. Gefühlvoll wurde der „Alpenländische Andachtsjodler“ interpretiert. Doch die Sänger können auch anders: Das 200 Jahre alte Schmählied „Die Leineweber“ boten sie ebenso frech dar wie „Mein kleiner grüner Kaktus“, das die Comedian Harmonists zum Kultsong gemacht haben. Dass den Chormitgliedern das Singen Freude bereitet, war deutlich zu spüren.

Zum MGV gehören hervorragende Solisten, die beim Konzert Gelegenheit erhielten, ihr Können zu zeigen. Mit Empathie und Inbrunst boten Chor und fünf Solisten „Die Moorsoldaten“ dar, das in einem Konzentrationslager entstanden ist. Die Mitglieder des MGV sind echte Frauenversteher, auch wenn sie zugeben mussten: „Das Studium der Weiber ist schwer“. Nach der Anleihe aus der Operette „Die lustige Witwe“ von Franz Lehar ging es zum legendären Udo Jürgens und seiner Hymne „Mit 66 Jahren“. Doch auch mit 76 und 86 Jahren ist noch lange nicht Schluss, wie die Sänger selbstbewusst behaupteten. Mit einer musikalischen Reise setzte der Chor den musikalischen Schlusspunkt: Der Spiritual „When the saints goes marching in“ sorgte für Gänsehaut, während sich die Sänger beim „Himalaya-Marsch“ als Wortakrobaten profilierten. Den Text für die Schwabenhymne hat Justinus Kerner im Jahr 1818 geschrieben. Wenn auch deutlich jünger, so ist auch „Mir im Süden“ von der A-Cappella-Band „Die Fuenf“ ein Bekenntnis zum Ländle.

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