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CastorTRansport

Die Polizei bleibt sich treu

Die bisherigen drei Castortransporte auf dem Neckar wurden von Polizisten unter anderem in Booten und am Ufer sowie in einem Hubschrauber begleitet. Trotzdem gelang es AKW-Gegnern, den Ablauf zu stören. Diese werten das als Lücke im Sicherheitskonzept.

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Der Transport der Castoren auf dem Neckar ist umstritten.Archivfoto: Alfred Drossel

Neckarwestheim. Bei den umstrittenen Atommülltransporten auf dem Neckar will die Polizei an ihrer bisherigen Sicherheitsstrategie festhalten. Das sagte der stellvertretende Leiter des Göppinger Polizeipräsidiums Einsatz, Thomas Berger, gestern in Heilbronn. Atomkraftgegner hatten der Polizei vorgeworfen, sie habe bei den drei bisher erfolgten Transporten auf dem Fluss zu wenig Kräfte im Einsatz gehabt, um mögliche Terrorangriffe zu verhindern.

„Wir halten an unserem Konzept fest. Die polizeiliche Lage wird vor jedem Transport neu bewertet. Danach richtet sich die Zahl der beteiligten Beamten“, sagte Berger. Er verwies darauf, dass nach Einschätzung von Verfassungsschutz sowie Landes- und Bundeskriminalamt aktuell keine akute Terrorgefahr für die Transporte ausgehe.

Der Energieversorger EnBW plant bis zum Jahresende noch zwei Transporte mit ausgedienten Brennelementen auf dem Neckar. Das Unternehmen bringt den hoch radioaktiven Atommüll in Spezialcontainern (Castoren) vom stillgelegten Kraftwerk Obrigheim ins etwa 50 Kilometer entfernte Zwischenlager Neckarwestheim. Umweltschützer protestieren gegen die Transporte.

In diesem Jahr organisierte EnBW schon drei solcher Transporte – gegen den Widerstand von AKW-Gegnern, die sich beispielsweise von einer Brücke abgeseilt hatten. Die Aktivisten werten das als Lücke im Sicherheitskonzept. Die Polizei sieht darin hingegen keine ernste Gefährdung des Transports.

„Zum einen müssen wir das Recht der EnBW auf den Transport durchsetzen, zum anderen das Demonstrationsrecht der Gegner schützen“, sagte Berger. Dabei hätten die Sicherheitskräfte auf Verhältnismäßigkeit zu achten. Berger räumte ein, es wäre besser gewesen, früher die Polizeistrategie in die Öffentlichkeit zu tragen.

Berger zufolge sind Fahrten bei Dunkelheit im Herbst und im Winter für die Beamten und die Schiffsbesatzung kein besonderes Risiko. Es sei es irritierend, dass Atomgegner eine Terrorgefahr herbeiredeten, die es momentan nicht akut gebe. (lsw)