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Gemüse

Die Spargelernte beginnt in diesem Jahr so früh wie nie

Nach einer unbefriedigenden Saison im vorigen Jahr hoffen die Spargelerzeuger auf eine gute Ernte 2019.

Spargelbauer Martin Schmid baut die weißen Stangen unterm Folientunnel an. Foto: Alfred Drossel
Spargelbauer Martin Schmid baut die weißen Stangen unterm Folientunnel an. Foto: Alfred Drossel

sachsenheim. Die ersten Spargelstangen gibt es in der Regel Mitte bis Ende April. Doch schon jetzt werden im Landkreis die ersten weißen Stangen gestochen. „Das ist so früh wie nie“, sagt Martin Schmid in Kleinsachsenheim. Die Qualität sei gut. Das königliche Gemüse reift dank der Sonneneinstrahlung unter einem Folientunnel, wird aber nicht beheizt.

Der Kleinsachsenheimer Familienbetrieb hat sich auf zwei Kulturen spezialisiert: Spargel und Erdbeeren. Die Spargel gedeihen auf einer Fläche von zehn Hektar. Sie werden auf dem Hof und an eigenen Verkaufsständen vermarktet.

Es fehlt an Erntehelfern

„Das Jahr 2018 zeigt sehr deutlich, wie vielfältig die Herausforderungen für die Erzeuger sind“, betonte Dr. Roman Glaser, Präsident des baden-württembergischen Genossenschaftsverbands, bei der Jahrespressekonferenz der baden-württembergischen Obst-, Gemüse- und Gartenbaugenossenschaften.

Ein Hauptproblem – und das betrifft auch die Spargelbauern im Landkreis – ist der Mangel an Erntehelfern. Mit großer Sorge sieht Glaser die zunehmenden Schwierigkeiten der Erzeuger, genügend Erntehelfer zu bekommen.

Intensiver Wettbewerb um Arbeitskräfte

„Das Jahr 2018 hat schonungslos vor Augen geführt, dass bei einer großen Ernte mitunter nicht mehr alles geerntet werden kann beziehungsweise, dass bei niedrigen Preisen gar nicht kostendeckend geerntet werden kann“, sagte Glaser und ergänzte: „Unseren Erdbeerbauern blieb gar nichts anderes übrig, als reife, aber nicht absetzbare Früchte dennoch zu ernten und so auch noch Geld in die Anlagen zu tragen.“

Die Problematik von weniger werdenden Erntehelfern ist seit Längerem bekannt und verschärft sich zunehmend: Der wirtschaftliche Aufschwung in Osteuropa sorgt dafür, dass viele bisherige Erntehelfer direkt in ihrer Heimat Arbeit finden und nicht mehr als Saisonkräfte ins Ausland gehen. Außerdem herrscht in ganz Europa ein intensiver Wettbewerb um saisonale Arbeitskräfte.

Auch Branchen wie die Bauwirtschaft oder Paketdienste haben Hochkonjunktur und verschärfen den Wettbewerb. Glaser: „Der Mangel an Erntehelfern und der zunehmende Kostendruck durch den Mindestlohn stellen viele Bauern im Südwesten vor existenzielle Herausforderungen. Als Folge drohen Flächenstilllegungen und vorzeitige Erntestopps bis hin zu Betriebsaufgaben.“ Die bisherige Vielfalt an regionalen, nachhaltig produzierten und gesunden Lebensmitteln könnten die Obst- und Gemüse-Genossenschaften sowie die dahinterstehenden Erzeugerbetriebe so nicht garantieren, befürchtet Roman Glaser. „Die Leidtragenden wären die Verbraucher.“

Auch die Spargelsaison des vorigen Jahres sei alles andere als zufriedenstellend gewesen, betont Glaser. Mit dem Temperaturanstieg im April 2018 seien innerhalb kurzer Zeit große Mengen an Spargel auf den Markt gekommen und hätten für einen Preisdruck gesorgt. Zu Pfingsten – Mitte Mai – habe sich die Spargelsaison mit großen Angebotsmengen und niedrigen Preisen auf dem Höhepunkt befunden. Wegen der hochsommerlichen Temperauren sei die Ernte aber mitunter Anfang Juni schon eingestellt worden.

Am 24. Juni ist „Spargelsilvester“

Die Spargelzeit endet traditionell am 24. Juni mit dem sogenannten „Spargelsilvester“. Aber auch nach dem 24. Juni könnten Bauern noch Spargel stechen. Doch die Ernte im Folgejahr fällt dann gewöhnlich deutlich geringer aus.

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