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NATURSCHUTZGEBIET WIESENTAL

Die Weißstörche sind umgezogen

Das Storchenpaar im Pleidelsheimer Wiesental gibt dem Ludwigsburger Ornithologen und Naturschutzwart Claus König Rätsel auf. Es hat sich eine neue Bleibe gesucht. Warum, ist unklar.

Das Storchenpaar baut jetzt auf einem gut fünf Meter hohen Baumstumpf sein Nest.Fotos: Claus König
Das Storchenpaar baut jetzt auf einem gut fünf Meter hohen Baumstumpf sein Nest. Foto: Claus König
Das Storchenmännchen im alten Horst.
Das Storchenmännchen im alten Horst.

Pleidelsheim. Das Storchenpaar hat sich vor zwei Jahren auf der Insel im Baggersee des Naturschutzgebietes angesiedelt, weiß Claus König. Anfang Februar kehrte zunächst das Männchen an den Brutplatz zurück und begann damit, das Nest in einem Baumwipfel in der Graureiher- und Kormorankolonie auszubessern. Etwas später gesellte sich das Weibchen dazu. „Dann waren die beiden immer mal wieder weg. Es kam ein Reiher, auch mal ein Kormoran“, berichtet der Naturschutzwart im Gespräch mit unserer Zeitung. Schließlich habe er das Storchenpaar bei einem seiner zahlreichen Rundgänge durchs Wiesental etwa zehn Meter entfernt in einem neuen Domizil entdeckt. Auf einem breiten, gut fünf Meter hohen Baumstumpf bauen sich die Weißstörche jetzt ein neues Nest. Es sei schon fast fertig, berichtet Claus König. Der alte Horst des Paares steht übrigens nicht leer: Ein Kormoran hat es sich dort gemütlich gemacht.

Dass er die Störche vertrieben hat, kann sich der Ludwigsburger Vogelexperte nicht vorstellen. Störche seien stärker als Kormorane, weiß er. Möglicherweise habe das Paar aus Sicherheitsgründen den angestammten Platz verlassen. Der Baum sei schon ziemlich wackelig, so König. Das neue Nest befindet sich an einem geschützten, schwer einsehbaren Platz.

Die beiden Weißstörche seien dieselben Vögel, die 2016 im Blühenden Barock und 2017 und 2018 im Wiesental erfolgreich gebrütet haben, weiß der Naturschutzwart. Das kann er so sicher sagen, weil sie durch Ringe zu erkennen sind. Das Weibchen, das 2014 im Heidelberger Zoo geboren wurde, trägt einen offiziellen Vogelwartering mit der Nummer AB 510 am rechten Fuß. „Mit dem Fernglas kann man die Nummer gut ablesen“, so König. Das Männchen trage einen „nicht offiziellen“ schmalen Ring an der rechten Fußwurzel. Auf dem Foto oben kann man die Ringe erkennen. Auch das Männchen dürfte aus einer Zucht stammen, vermutet König. „Eventuell aus Tripsdrill, wo ja auch Störche gezüchtet werden.“

Die beiden Pleidelsheimer Weißstörche sind im Winter nicht in den Süden gezogen. Sie seien nur umhergestreift und deshalb auch schon Anfang Februar am Brutplatz gewesen, hat König beobachtet. Echte Wildstörche kehrten normalerweise erst ab Mitte März aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück.

Die Pleidelsheimer Störche haben nach Informationen des Naturschutzwartes in den Jahren 2017 und 2018 jeweils vier Junge aufgezogen. Im Pleidelsheimer Wiesental sei das Nahrungsangebot für sechs Störche während einer Brutsaison allerdings ziemlich knapp. „Deshalb sind die Vögel häufig nach Ludwigsburg ins Blühende Barock geflogen, wo sie Futter bekamen“, berichtet Claus König. In diesem Jahr werde es wohl nicht anders sein, sofern das Storchenpaar wieder erfolgreich im Naturschutzgebiet im Wiesental brüte.

Der Ornithologe weist noch darauf hin, dass Weißstörche bei uns in der Gegend meist auf großen Gebäuden ihre Nester bauen oder dort einfach künstlich errichtete Nester annehmen. „Baumnester sind in unserem Raum eine große Seltenheit“, so König.

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