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Lebensmittel

Eier und Milch rund um die Uhr

Immer mehr Landwirte setzen auf Automaten bei der Direktvermarktung – Betreuung arbeitsintensiv

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Landwirt Alexander Renz mit seinem Milchautomaten auf dem Häslachhof in Höpfigheim.Foto: Oliver Bürkle

Steinheim/remseck/Kornwestheim. „Frische Kuhmilch rund um die Uhr selber zapfen“ – so wirbt Alexander Renz für seinen Milchautomaten. Seither konnten die Kunden nur zu den Melkzeiten direkt in den Häslachhof beim Höpfigheimer Sportplatz kommen. Von fünf bis halb sieben Uhr nachmittags war geöffnet – während die Kühe gemolken wurden. „Das waren immer dieselben, die da gekommen sind“, erzählt Renz. Viele Familien holten zwei, drei Liter auf einmal, auch Flüchtlinge kamen und nahmen mehrere Liter auf einmal mit. Vielleicht ließen sich aber noch mehr Kunden gewinnen, wenn man längere Öffnungszeiten anböte, überlegte sich Renz. Der Milchpreis lässt schließlich zu wünschen übrig, der Direktverkauf ist noch etwas lohnenswerter. „Da habe ich keine Verpackung und keinen Transport.“ Über andere Betriebe wurde er auf die Automaten aufmerksam. Er investierte in den Automaten, der rund 15 000 Euro kostet, seit kurzem ist er in Betrieb. Immer morgens wird er befüllt, 50 Liter fasst der Tank. Pro Liter verlangt Renz 70 Cent, eine Flasche muss man selbst mitbringen. Von den 40 Litern, die er seither immer einfüllte, ist abends kaum noch etwas übrig – wenn doch, bekommen die Kälber die Reste.

Lohnt sich ein Hofladen mit Personaleinsatz oder setzen wir lieber auf Selbstbedienung? Diese Frage stellte sich auch Simon Sperling, dessen Hof zwischen Mühlhausen und Kornwestheim liegt. In einem ersten Schritt baute er ein Holzhäuschen, stellte Gemüse, Eier und eine Kasse auf. Die Hälfte der Waren wurde gestohlen. Also stellte er um auf Automaten. Zunächst einen mit Eiern, Gemüse und Kartoffeln. Die Kapazität reichte aber nicht aus, so dass er einen zweiten anschaffte, den er zudem mit Honig und Joghurt von einem Kollegen bestückte. Zu Weihnachten hatte er Weinkartons im Automaten. Jeden Tag befüllt Sperling die Fächer, die Haupttage sind von Freitagmittag bis Sonntag. „Sonntags muss ich den Automaten auch drei- bis viermal täglich befüllen. Zur Erdbeerzeit gehen an einem Tag rund 40 Schalen weg“, erzählt er. Auch Tomaten und Kartoffeln gehen gut und natürlich seit dem Eierskandal die Eier vom heimischen Bauernhof. „Bei uns ist der Hühnerstall direkt neben dem Automaten und man sieht, wie die Hühner herumlaufen.“ Was er unterschätzt habe, sei die Betreuung. Vor allem sonntags müsse man die Automaten mehrmals kontrollieren und auffüllen. „Wenn die Leute an der Haustür klingeln, weil der Automat leer ist, ist das manchmal schon nervig“, sagt er. Ein Hofladen sei sonntags einfach geschlossen. Dennoch sei er auf die Direktvermarktung neben der Beschickung der Märkte in Stuttgart und Kornwestheim angewiesen. „Ohne die könnten wir nicht leben.“

Alte Hasen im Blick auf Automaten sind Jörg und Melanie Eppinger aus Remseck. Auch sie fingen mit einem Milchautomaten an, weil die Kunden sich nicht an die Melkzeiten halten wollten. In ein Regal daneben stellten sie Kartoffeln, Äpfel und Honig mit einer Kasse. Doch auch hier wurde immer mehr geklaut. „Nach einer Weile spricht sich so etwas in den falschen Kreisen herum“, sagt Melanie Eppinger. Also schaffte die Familie einen weiteren Automaten an, inzwischen sind es drei. Milch, Joghurt, Eier, Nudeln, Frischkäse, Sahne, Butter, Käse, Marmelade, Wurstdosen und Kekse kann man erwerben. Da der Bauernhof auch wegen des extra angelegten Spielplatzes ein beliebtes Ausflugsziel für Familien geworden ist, gibt es inzwischen auch einen Kaffeeautomaten. Vor allem samstags und sonntags ist viel los, gefragt sind vor allem die eigenen Produkte Eier, Milch und Joghurt. „Wir haben viele Stammkunden“, berichtet Melanie Eppinger. Sie hat sich daran gewöhnt, dass Leute sonntagmittags an der Tür klingeln. „Wir müssen ohnehin wegen des Stalls immer da sein, einer von uns muss halt immer auf dem Hof sein.“ Der Aufwand sei dennoch nicht so groß wie in einem Hofladen.