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Ein Fest für den Frieden

Mit Fronleichnam zelebrieren die katholischen Gläubigen das Abendmahl als Zentrum des Glaubens. Die Fronleichnamsprozession auf Burg Schaubeck lebt vom besonderen Ambiente, von etwas Prunk und von der friedlichen und feierlichen Stimmung einer Gemeinschaft, zu der auch andere Konfessionen stoßen.

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Steinheim. Ganz im Sinne des katholischen Pfarrers Pius Angstenberger, der in seiner Predigt Frieden fordert. Auch wenn tags zuvor manch banger Blick nach oben wanderte und das Legen des Blumenteppiches von Gewittern überschattet war, sollte Pius Angstenberger recht behalten. „Seit ich hier bin, war immer schönes Wetter“, sagte er noch am Mittwoch und ließ sich nicht beirren. „Es wird schön!“

Und so strahlte pünktlich zum Fronleichnamsgottesdienst auch die Sonne auf den von Cilly Magg entworfenen Blumenteppich mit der Friedenstaube. „Vom Abendmahl geht der Frieden für die Welt aus“, sagt Angstenberger, der in seiner Predigt diesen Frieden in den Mittelpunkt stellte. „Das ist ein wichtiger Auftrag der Kirche, den Frieden zu erhalten und am Frieden mitzuarbeiten“, sagt Angstenberger. Heute sei der Frieden aber im Großen und Kleinen bedroht. Das Böse besetze den Menschen, es herrsche ein gewalttätiges Klima, die Gewaltbereitschaft sei erschreckend. Mit dem Grundgesetz sei der soziale Friede fest in der Gesellschaft verankert worden, das 75-jährige Jubiläum der Landung der Alliierten in der Normandie sei eine Mahnung, nie wieder einem menschenverachtenden Politiker die Macht zu geben. Französische Christen hätten nach dem Krieg den Teufelskreis des Hasses zerbrochen. Aufgabe der Christen sei es, dem Frieden der Menschen zu dienen, weshalb auch die Spaltung des Glaubens eine Schande sei. „Jesus Christus ist unser Friede, er führt uns alle zusammen“, betonte Angstenberger. Und die Schar der rund 250 Gläubigen im Park, die gemeinsam sangen und die Hostie in Empfang nahmen, gab ihm recht: Hier standen nicht nur Katholiken.

Das Wort Fronleichnam bedeutete im Mittelhochdeutschen noch etwas anderes: Der Leichnam ist der lebendige Leib, und Fron steht für „des Herrn“. Wörtlich übersetzt heißt Fronleichnam also „der lebendige Leib des Herrn“. An diesem Tag wird der Leib Christi gefeiert, der für die Gläubigen lebt und lebendig zu erfahren ist. Im Mittelpunkt des katholischen Feiertags steht heute die Eucharistie, die Verwandlung von Brot und Wein in Leib und Blut Christi. Durch den Empfang der Kommunion, des Leibes Christi, wird die christliche Gemeinschaft, die auch als Leib Christi bezeichnet wird, gestärkt.

Etabliert wurde das Fronleichnamfest im 13. Jahrhundert aus der Tatsache, dass nicht jeder Christ regelmäßig in die Messe kam und meistens nur an Ostern die Kommunion, also die Hostie als Leib Christi, empfing. So war der Bezug zu Jesus und zum letzten Abendmahl immer mehr verschwunden. Zur Verehrung der Hostie wurde also das Fest kreiert. „Es wird die Verlebendigung des Abendmahls gefeiert. Man musste die Gemeinde wieder zur Kommunion bringen“, sagt Angstenberger. Im letzten Abendmahl habe Jesus sein Leben und Wirken gedeutet. Er nahm das Brot und sagte, das ist mein Leib für Euch, und brach es, den Kelch mit dem Wein bezeichnete er als sein vergossenes Blut als Zeichen des neuen Bundes. „Seinen Einsatz für andere hat er so zusammengefasst“, erklärt Angstenberger. Das Abendmahl wird also im Gedenken an ihn gefeiert. „Wir feiern seine Gegenwart, um gestärkt ins Leben zu gehen.“ Der Glaube wird öffentlich gezeigt, deshalb auch die Prozession, die in katholischen Gemeinden durch das ganze Dorf führt und als großes Fest gefeiert wird. Die Gemeinde mache deutlich, dass sie einen Auftrag habe, dass sie sich für andere einsetzen soll. „Dafür ist Jesus gestorben und wir gehen in seinen Spuren“, so Angstenberger.

Die Ausschmückung der Feier drücke aus, wie sehr man Jesus verehre. Die Monstranz mit der Hostie wird durch den Park und über den Blumenteppich getragen, um zu zeigen, dass man nur das Schönste für Jesus bereitet habe. „Ich mag es, weil Fronleichnam ein tolles Anschauungsbeispiel ist, wie Glaube lebendig sein kann“, verteidigt Angstenberger auch den Prunk, der diesen Feiertag begleitet.

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