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Ein Großprojekt, das seinesgleichen sucht

Festakt zur Einweihung der Jungen Intensivpflege im Robert-Breuning-Stift – 30 Einzelzimmer für Wachkoma- und Beatmungspatienten

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Schlüsselübergabe (von links): Architekt Michael Kerker, Bürgermeister Steffen Bühler, Hauptgeschäftsführer Bernhard Schneider, Regionaldirektor Peter Hettig, Hausdirektorin Elke Eckert, Prokurist Ralf Oldendorf und Aufsichtsratsvorsitzender Helmut Mäule. Foto: Ramona Theiss

Besigheim. Der Begriff „Leuchtturmprojekt“ ist in der Vergangenheit häufig gefallen, wenn über den Neubau für Wachkoma- und Beatmungspatienten – der Jungen Intensivpflege – des Robert-Breuning-Stifts gesprochen wurde. Das war beim gestrigen Festakt zur Einweihung nicht anders. Es ist ein großes Wort – aber in diesem Fall durchaus berechtigt.

Denn nicht nur, dass auf zwei Etagen unter anderem 30 Einzelzimmer in zwei 15er Wohngruppen sowie Therapieräume untergebracht sind. Vielmehr sei der neue und von der Evangelischen Heimstiftung (EHS) maßgeblich verhandelte Rahmenvertrag für außerklinische Intensivpflege „wirklich beispiellos“, wie Bernhard Schneider, Hauptgeschäftsführer der EHS, sagte. Dieser sehe eine hundertprozentige Fachkraftquote vor und einen bedeutend höheren Personalschlüssel von 1:0,72 – in der stationären Pflege liege der durchschnittliche Schlüssel bei 1:2,3. Zudem bedeute der Vertrag eine wesentliche finanzielle Entlastung der Kunden durch geringere Eingenanteile. Es beteiligt sich nämlich nicht nur die Pflege-, sondern auch die Krankenkasse an den anfallenden Kosten. Auch Regionaldirektor Peter Hettig sprach über den „deutlich besseren Pflegeschlüssel“ und der damit verbundenen Personalaufstockung – „wir brauchen weitere Fachkräfte“.

Bürgermeister Steffen Bühler gratulierte zum innovativen Projekt. Er blickte auch in die Zukunft: „Kosten wir die Zeit aus, in der es jetzt vielleicht wieder etwas ruhiger und routinierter zugeht, denn die Neuausrichtung hier auf diesem Gelände ist für die Evangelische Heimstiftung und die Stadt noch nicht zu Ende.“ Wie berichtet, soll das Altenheim abgerissen und mehrere Häuser mit betreuten Wohnungen auf dem Areal errichtet werden.

Als einmaliges Angebot im Landkreis bezeichnete Sozialdezernent Heiner Pfrommer die Junge Intensivpflege. „Es ist ein Leuchtturmprojekt für den Landkreis und weit darüber hinaus.“ Schön wäre, wenn solch ein mutiger Schritt auch im Bereich der Kurzzeitpflege gegangen werden könnte. Er nutzte die Gelegenheit, um dem Pflegepersonal generell für sein Engagement zu danken. Dankesworte gab es an diesem Nachmittag ohnehin reichlich. Architekt Michael Kerker beispielsweise dankte der Heimstiftung und den Beteiligten für das gemeinsame Erleben und Bauen. Für ihn war es auch deswegen ein ganz besonderes Projekt, weil sein Vater vor 30 Jahren verunglückte, ins Koma fiel und künstlich beatmet werden musste. Er kennt die Ohnmacht Angehöriger, wenn sie plötzlich mit so einem Schicksalsschlag konfrontiert werden.

Die Angehörigen der jetzigen Wachkoma- und Beatmungspatienten hätten beim Umzug viel Unterstützung geleistet, betonte Hausdirektorin Elke Eckert. Seit Anfang Oktober ist eine Wohngruppe bezogen, „die Bewohner des Beatmungsbereichs folgen nächste Woche“. Mit dem Umzug sei die Seele ins Haus gezogen.

Der Neubau selbst hat rund vier Millionen Euro gekostet, die Robert-Breuning-Stiftung unterstützte das Projekt mit einer halben Million Euro. „Die Funktionalität ist gegeben. Die Architektur zeichnet sich durch Großzügigkeit und eine wohnliche Atmosphäre aus“, betonte Peter Hettig. Auch Dekan Eberhard Feucht hob vor seinem geistlichen Wort die hellen und freundlichen Räume hervor. Er gratulierte im Namen des Kirchenbezirks zur Einweihung.

Dem Generalunternehmer hat es ebenfalls gefallen: „Die Arbeit hat uns sehr große Freude bereitet“, sagte Andy Vonderlind, Geschäftsführer der Firma Rommel. Spaß hatten gestern auch die Gäste des Festakts. Denn die beiden Musiker Axel Bayer und Robert Haußer sorgten mit ihren Einlagen für Stimmung – und animierten sogar zum Mitsingen.