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Ein gutes, aber wohl kein Rekordjahr

Streuobst-Initiativen und Stücklesbesitzer wappnen sich für die Apfelernte – Tanks der Keltereien sind nahezu leer

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Äpfel von Streuobstwiesen sind die Grundlage für leckeren Apfelsaft; in diesem Jahr wird eine besonders gute Ernte erwartet.Archivfoto: Wolschendorf

Bottwartal. 2017 war kein gutes Jahr für die Besitzer von Apfel- und anderen Obstbäumen: Der Spätfrost Ende April machte einen großen Teil der Erträge zunichte, sowohl in den Apfelplantagen als auch auf den Streuobstwiesen. 2018 scheinen jedoch die Apfelbäume nachholen zu wollen, was die Witterung vergangenes Jahr zunichte- machte: Fast überall hängen sie voller Früchte, und selbst das Statistische Landesamt Baden-Württemberg spricht schon jetzt von einem guten Apfeljahr. Die Prognosen lägen im Erwerbsobstbau bei den wichtigsten Apfelsorten deutlich über dem langjährigen Mittel aus den Jahren 2012 bis 2017.

Auch im Bottwartal, wo die Streuobstwiesen eher im Fokus stehen als der professionelle Anbau in Plantagen, bereitet man sich auf eine eher überdurchschnittliche Ernte vor. Jens Fränznick, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Streuobstwiesen Steinheim (ASS), geht davon aus, dass der Verein das Kontingent zum Pressen, das er bei der Mosterei Schütz in Mundelsheim hat, weitgehend ausschöpfen wird – und das sind immerhin 100 Tonnen. „In einem durchschnittlichen Jahr lassen wir 40 bis 50 Tonnen pressen“, so Fränznick. Und im ganz schlechten Jahr 2017 waren es nur ganze vier Tonnen.

Die ASS arbeitet wie die Kollegen von der Steinkauz-Initiative im Oberen Bottwartal nach einem klar ökologischen Prinzip: Es werden nur ohne chemische Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger behandelte Äpfel von Streuobstwiesen der Mitglieder angenommen. Daraus wird der „Steinheimer Apfelsaft“ als Direktsaft hergestellt. Die Anlieferer erhalten als Ausgleich für ihren Verzicht auf die chemische Keule einen höheren als den ortsüblichen Preis für ihr Obst. Aus dem Verkaufserlös des Saftes werden dann Naturschutzprojekte und Maßnahmen zum Erhalt von Streuobstwiesen in Steinheim finanziert.

Obwohl durch die warme Witterung auch bei den Äpfeln die Reife schon weit vorangeschritten ist, wird die ASS laut Fränznick das Obst erst ab Ende September annehmen. „Wir wollen Qualität und voll ausgereifte Früchte“, sagt er.

Das Steinkauz-Projekt im Oberen Bottwartal verfährt seit mittlerweile 30 Jahren nach einem ähnlichen Muster und hat in diesem Zeitraum fast 15 000 Tonnen Mostobst angenommen und dafür mehr als zwei Millionen Euro an die Streuobstwiesenbesitzer ausbezahlt. Geschäftsführer Thomas Wick geht von einer durchschnittlichen bis großen Ernte aus, dämpft aber überzogene Erwartungen: „Die Bäume hängen zwar voll, aber die Äpfel sind relativ klein. Eine Rekordernte wird es nicht geben.“ Eine durchschnittliche Ernte brächte um die 600, eine große um die 1000 Tonnen. Baumbesitzern rät der Steinkauz-Geschäftsführer, die Bäume abzustützen und/oder jetzt schon zu schütteln. „Äpfel, die angebissen oder angestochen sind und sowieso faulen würden, fallen dann herunter, die restlichen Früchte werden größer.“

Angesichts der „leeren Tanks in den Saftkeltereien“ rechnet Wick mit einem Preis von acht bis zehn Euro pro 100 Kilo Obst aus konventionellem Anbau. Die Mitglieder des Steinkauz-Projektes können vom Doppelten ausgehen. Wie bei der ASS, so soll auch beim Steinkauzprojekt der höhere Preis für das Obst Anreiz für die Besitzer sein, ihre ökologisch wertvollen Streuobstwiesen weiter zu bewirtschaften und als wichtige Lebensräume zu erhalten.

In Erwartung einer üppigen Apfelernte auch in kleineren privaten Gärten kündigt der Obst- und Gartenbauverein Großbottwar schon jetzt zwei Presstage in Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung an. Am Samstag, 15. September, und am Dienstag, 2. Oktober, kommt die mobile Obstpresse auf den städtischen Bauhof in der Hoftalstraße.

Wie der OGV-Vorsitzende Willi Knorr mitteilt, hat jeder Obstbesitzer dann die Möglichkeit, eigene Äpfel anzuliefern und den Saft in sogenannte Bag-in-Box-Behälter mit jeweils fünf Litern Inhalt abfüllen zu lassen. Der Saft ist in diesen Behältern bis zu zwei Jahre haltbar. Die Mindestmenge an Äpfeln und Birnen beträgt 50 Kilo, die zu verarbeitende Obstmenge sollte 400 Kilo nicht übersteigen, damit möglichst viele Baumbesitzer die Möglichkeit haben, Saft pressen zu lassen.

Auf Wunsch wird das Obst nur gepresst und der Saft unerhitzt abgefüllt. Er kann so weiter zu Most vergoren werden. Aus 150 Kilo Äpfeln erhält man laut Knorr je nach Sorte rund 100 Liter Apfelsaft. Die Kosten je Liter liegen zwischen 35 und 80 Cent. Fragen zu den Presstagen beantwortet Willi Knorr unter Telefon (0 71 48) 61 18 oder per E-Mail an williknorr@t-online.de.