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Ein Hochleistungssport ohne Regeln, aber mit Respekt

Breakdance-Workshop mit den Berliner Profis Snoop und Navid Savino in der Blankensteinhalle trifft auf rege Resonanz – Wiederholung ist denkbar

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Dynamisch und spektakulär: beim Breakdance-Workshop in Steinheim. Foto: Holm Wolschendorf

STEINHEIM. Bewegt geht es am Samstagmittag in der Blankensteinhalle zu. Dort findet zum ersten Mal der Breakdance-Workshop „Break in the Hall“ statt. „Eigentlich ein Projekt wie aus dem Schulbuch“, freut sich Bürgermeister Thomas Winterhalter. Den Anstoß für den Workshop lieferten Ralf und Sylvie Matthews. Das Steinheimer Ehepaar bat den Bürgermeister, Räume zur Verfügung zu stellen. Der spielte mit, holte den Jugendhausverein, das Bürgernetzwerk, engagierte Privatpersonen und Sponsoren ins Boot, und so konnte die Premiere steigen.

Der Bürgermeister selbst begibt sich nicht aufs Parkett. „Ich bin raus“, meint Winterhalter schmunzelnd. „Ich bin über 30, und ich hab‘ Knie.“ An Teilnehmern mangelt es dennoch nicht. 50 junge Leute haben sich schon im Vorfeld angemeldet, bei der Eröffnung sind es bereits 60 Tänzer. Auch einige Tanzschulen wollen vorbeischauen. „Ich denke, dass wir bis zum Ende 200 bis 250 Leute hier durchschleusen werden“, sagt Ralf Matthews. Die Teilnehmer werden von echten Profis in die Grundlagen des Breakdance eingewiesen. Bei einem Urlaub in der Türkei haben die Matthews die international bekannten Tänzer Snoop und Navid Savino von der Berliner Flying Steps Company kennengelernt. Eine Freundschaft entwickelte sich, und so konnten die Matthews die versierten Breakdancer aus der Hauptstadt für den Workshop gewinnen.

„Beim Breakdance gibt es keine Grenzen“, sagt Ralf Matthews. „Es ist egal, welche Nationalität jemand hat oder ob man seinen Namen nicht aussprechen kann.“ Die Breakdancer seien respektvolle Leute ohne Berührungsängste. „Mit Breakdance kann man den jungen Leuten zeigen, dass man auch vorankommt, wenn man sich respektvoll verhält.“

Zum Einstieg zeigen die Profis eine kleine Streetshow. Snoop und Navid haben drei Kollegen aus Berlin mitgebracht. Das biegsame Quintett geht in die Vollen, begeistert das Publikum mit Six-Steps, Airtwists, Windmills und andere artistische Einlagen aus dem Hip-Hop-ABC. Die Kinder und Jugendlichen sind beeindruckt. Stolz steht ein Junge vor Navid und zeigt ihm einen eigenen „Move“. Der Profi lacht, aber nicht über, sondern mit dem jungen Breakdancer.

Die Chemie stimmt, und so teilen sich die Teilnehmer nach dem schwungvollen Auftakt in fünf Gruppen auf. „Wir zeigen Euch erst mal ein paar Grundlagen“, sagt Trainer Snoop. Breakdance habe keine feste Regeln, betont er. „Es ist relativ frei, ihr dürft machen, was ihr wollt – der Spaß ist das Wichtigste.“

Breakdance ist Hochleistungssport. Wer den Profis zuschaut, wundert sich, dass sie sich nicht ständig den Hals und die Beine brechen. Der erste Eindruck täusche, sagt Snoop. Jeder könne Breakdancer werden. Nicht nur junge Leute, sondern auch fortgeschrittene Semester. „Wir haben alle bei Null angefangen“, meint der Berliner. Am Anfang stehe weniger die Akrobatik, sondern die Koordination im Zentrum. „Wir machen erst mal ein paar einfache Schritte, versuchen, Kopf und Körper zusammenzubringen.“

Viele Anfänger sind gekommen, andere Teilnehmer schon sehr geübt. Jessica, Zoe und Marija zum Beispiel. Sie tanzen in der Scream-Loud-Crew der Backnanger Dance Intense Factory – im Februar haben sie die Deutsche Meisterschaft in der Altersklasse U12 gewonnen. Die drei jungen Backnangerinnen investieren viel Zeit in ihr Hobby. Sie alle haben sich das Tanzen selbst beigebracht. „Ich habe mir Videos auf Youtube angeschaut, zum Beispiel von Michael Jackson“, erzählt Marija. Seit zwei Jahren ist sie Mitglied der Scream-Loud-Crew. Wie Jessica und Zoe trainiert Marija fast jeden Tag, vor Wettkämpfen auch an Wochenenden und in der Ferien. Im nächsten Jahr tanzen sie sogar bei der Europameisterschaft in Eindhoven und wollen auch bei der Weltmeisterschaft in Glasgow abräumen. Die Mädchen sind zuversichtlich: „Wir haben ja auch einen super Trainer“.

Der erste Steinheimer Workshop darf als voller Erfolg bezeichnet werden. Vielleicht wird es eine Neuauflage geben. Man werde sich jetzt mit den Sponsoren zusammensetzen und eine Bilanz ziehen, so Schultes Winterhalter. „Aber der Auftakt war auf jeden Fall vielversprechend.“