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Fest

Ein Kultevent mit Heißgetränk

Auf das Steinheimer Festleswetter ist Verlass: Zu Beginn der Feuerzangenbowle hört der Regen auf

Hans-Christoph Lenk ist der Herr über die Bowle, in der unter anderem rund 60 Flaschen Rum verarbeitet sind. Fotos: Holm Wolschendorf
Hans-Christoph Lenk ist der Herr über die Bowle, in der unter anderem rund 60 Flaschen Rum verarbeitet sind. Foto: Holm Wolschendorf
Die Feuerzangenbowle zieht die Massen an.
Die Feuerzangenbowle zieht die Massen an.

Steinheim. „Nor deesen wentzigen Schlock!“, hieß es am Samstagabend wieder auf dem Marktplatz in Steinheim. Zum mittlerweile 19. Mal wurde dort der Filmklassiker „Die Feuerzangenbowle“ gezeigt und das dazu passende Heißgetränk kredenzt.

Sogar das Wetter spielte mit: Zumindest zu Beginn der Veranstaltung hörte der Regen auf. „Wir haben schon alles erlebt: Minusgrade von 20 Grad, Regen, aber auch frühlingshafte Temperaturen. Egal wie das Wetter ist, das Event ist beliebt“, gab sich Norbert Gundelsweiler, der Erste Beigeordnete der Stadt Steinheim, gelassen. Und das gilt nicht nur für die Menschen aus Steinheim, sondern auch für die aus den Nachbarstädten. Viele nutzten den festen Termin am letzten Samstag vor Heiligabend, um sich vor der schönen Kulisse des historischen Rathauses mit Freunden und Bekannten zu treffen. Sax Q und Mitglieder des Musikvereins sorgten für die passende musikalische Untermalung, der Platz war schön illuminiert. Perfekte Bedingungen also, um das Weihnachtsfest mit einem Glas oder zwei Gläsern dieser leckeren Bowle einzuläuten.

Norbert Gundelsweiler gehört seit Anfang an zum Organisationsteam dazu, ebenso wie Martin Daunquart und Sabine Meichelbeck. „Aus der Taufe gehoben wurde diese Veranstaltung vor mittlerweile fast 20 Jahren im Rahmen des Stadtmarketingprozesses“, erinnerte sich Gundelsweiler, der damals noch Leiter des Hauptamtes war. Mit diesem Angebot traf man voll ins Schwarze und legte somit den Grundstein für eine bis heute beliebte Traditionsveranstaltung.

Wie in den Jahren zuvor waren auch am Samstag Verwaltungsmitarbeiter und Gemeinderäte im Einsatz, um die heiße Feuerzangenbowle auszuschenken. Doch bevor es soweit war, schritt Hans-Christoph Lenk zur Tat. Der Eventmanager bereitete in einem riesigen Kupferkessel die Bowle aus mehr als 300 Litern Rotwein, 90 Litern Orangensaft und rund 100 Zuckerhüten, rund 60 Flaschen Rum, sowie Gewürzen wie Zimt und Nelken zu. Immer wieder übergoss er mit Hilfe einer großen Kelle die flambierten Zuckerhüte mit dem Rum, bis sich diese aufgelöst hatten. Das Spiel der Flammen bot einen stimmungsvollen Anblick. Um Punkt 18 Uhr und keine Sekunde früher, startete auf der Großleinwand die Vorführung des Filmklassikers aus dem Jahr 1944 mit dem legendären Heinz Rühmann in der Hauptrolle. Der verwandelt sich in dem Kultfilm vom erfolgreichen Schriftsteller Dr. Johannes Pfeiffer in den Oberprimaner Hans Pfeiffer, der durch seine Streiche an einem Gymnasium mächtig aufmischt. Viele Fans kennen den Film quasi in- und auswendig. Sich den Film anzuschauen und gleichzeitig eine Feuerzangenbowle zuzubereiten, ist an vielen Universitäten in der Vorweihnachtszeit Kult. Viele Teilnehmer tragen analog zum Filmoriginal das passende Outfit. Das war in Steinheim allerdings weniger der Fall. Angesichts der Witterung war vor allem wärmende Kleidung angesagt.

„Jetzt sind sie bald nicht mehr da“, kommentierte eine ältere Dame den Anblick der sich auflösenden Zuckerhüte. Wie viele andere Besucher hatte sie einen eigenen Becher mitgebracht und konnte es nicht erwarten, von dem köstlichen Heißgetränk zu probieren. Es dampfte, als das Getränk in die Warmhaltegefäße gefüllt wurden. 3,50 Euro kostete ein Glas Bowle, mit Becher 6 Euro. Auch für das leibliche Wohl der Besucher war gesorgt: Ob deftige Gulaschsuppe, die klassische Rote oder gebrannte Mandeln: An den Ständen ringsum wurden kleine Speisen angeboten, mit denen die Besucher die nötige Grundlage schaffen konnten. „Vorsicht, jeder nur einen wenzigen Schlock, sonst steigt er in den Kopf“, heißt es schließlich nicht ohne Grund in dem Film.

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