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Ein kultureller Stempel für die Ewigkeit

Jürgen Heinritz spricht beim Geschichtsverein über die Alamannen – Ausflug im April nach Ellwangen

Experte: Jürgen Heinritz, hier mit seiner Frau Doris. Foto: Theiss
Experte: Jürgen Heinritz, hier mit seiner Frau Doris. Foto: Theiss

Besigheim. Das Jahresthema beim Geschichtsverein Besigheim ist der Stamm der Alamannen. Dass dieser nicht deckungsgleich mit dem heutigen Baden-Württemberg ist und gar nicht auf eine Region festgelegt werden kann, erläuterte Jürgen Heinritz. Er ist Experte, wenn es um die Alamannen geht, und zeigte am Mittwochabend deren Welt bei einem Vortrag im Steinhaus.

Die erste Erwähnung der Alamannen entspringt einer römischen Quelle. 289 nach Christus ist von dem mysteriösen Volk, das zahlreiche Stämme umfasste, zum ersten Mal die Rede. Bis sie 746 beim sogenannten Blutgericht von Cannstatt von den verfeindeten Franken in deren Reich integriert wurden, hat das Volk mit seiner Kultur dem Südwesten einen ewigen Stempel aufgedrückt. Welcher das war, zeigte Jürgen Heinritz aus Pleidelsheim nun den rund 60 Gästen.

Schon als Jugendlicher interessierte sich Heinritz für die Alamannen. Er wollte Geschichte studieren, doch seine Eltern drängten ihn in eine Ingenieurslaufbahn. Über den Umweg der Erwachsenenbildung landete er schließlich doch im Bereich der Geschichtsvorträge. Um sein Expertenwissen auch äußerlich zu demonstrieren, erschien er in einem Gewand, das die Alamannen so ähnlich getragen haben. Seine Frau Doris war ebenfalls mit dabei und hatte ein Kleid aus chinesischer Maulbeerseide an. Der Kittel darüber war indigofarben. „Die Alamannen hatten offensichtlich schon Kontakte bis nach Asien“, so Heinritz. Über Zwischenstationen landeten die Luxusgüter in Mitteleuropa. Allerdings, so sagte der Referent, sei das Reich der Alamannen geografisch nicht wirklich einzuordnen. Konsens besteht darüber, dass es sich vom Elsass im Westen, der Schweiz im Süden, Heidelberg im Norden und Augsburg im Osten bewegte und durch Migration aus Norden entstand. „Die kleine Eiszeit trieb die Stämme als Wirtschaftsflüchtlinge nach Süden.“ Dank permanenter Reibungen mit den Römern variierten die Grenzen. Dennoch war das Zusammenleben mit den Römern recht friedlich. Sie bezeichneten die Alamannen zwar als Barbaren, doch Koexistenz war gesichert.

Weniger friedlich ging es mit den Franken zu. Als diese die Römer beerbten, begann der Abstieg der Alamannen. 746 war es in Cannstatt so weit: Das sogenannte Blutgericht fand statt und zahlreiche Adlige der Alamannen wurden ermordet. Ihre Stämme mussten sich in das Frankenreich integrieren. Ein Wiederaufleben der Alamannen gab es nach der Gründung des Herzogtums Schwaben vom 10. bis ins 13. Jahrhundert. Doch der kulturelle Stempel, den die Alamannen dem Südwesten aufgedrückt hatten, war unwiderruflich. Heinritz verwies auf Ausgrabungen bei Lauchheim und Niederstotzingen. Dort konnte ein Alamannendorf rekonstruiert werden. Die Häuser waren aus Holz. Bis zu 15 Personen lebten im Haus direkt neben dem Vieh. Klare Abgrenzung zum Nachbarn war gewährleistet: „Da hat der Gartenzaun seinen Ursprung bei uns“, sagte Heinritz schmunzelnd.

Den Mitgliedern des Geschichtsvereins machte der Referent viel Appetit auf ihre Jahresexkursion nach Ellwangen. Mitte April wollen sie ins Alamannen-Museum fahren.

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