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Sport

Ein Lauf nur für die Harten

Asphalt, Schotter, Kopfsteinpflaster: Der Marbacher Gassenlauf verlangt den Gelenken der Teilnehmer einiges ab. Und auch deren Kondition. Denn es ist ein ständiges Auf und Ab durch die Stadt. 129 Läufer kamen nach 10,5 Kilometern ins Ziel.

Das Kopfsteinpflaster in der Altstadt bringt den Laufrhythmus durcheinander.Fotos: Ramona Theiss
Das Kopfsteinpflaster in der Altstadt bringt den Laufrhythmus durcheinander. Foto: Ramona Theiss
Die Wasserbecher werden gerne angenommen.
Die Wasserbecher werden gerne angenommen.
Noch geht es den Berg hinunter.
Noch geht es den Berg hinunter.

Marbach. Die Hauptläufe startete Birgitt Schrode, die selbst bisher noch keinen Gassenlauf verpasst hat. Die mehrfache Siegerin musste jedoch an diesem Samstag passen. Nach einem Fahrradsturz ist sie verletzt.

Wer die drei Runden packen will, muss seinen Körper kennen und sich sein Rennen strategisch einteilen. Erst kommt von der Schillerhöhe der leichte Anstieg hoch zum Sportplatz. Von dort aus geht es ständig hinunter in die Altstadt mit dem unebenen Kopfsteinpflaster. Die Sportler werden entlang der Strecke angefeuert. Auf dem Rückweg geht es fast immer bergauf. Vor allem die mächtigen Steigungen in der Krähbergstraße mit elf Höhenmetern und die vorbei am Kollegienhaus mit 18 Höhenmetern haben es in sich.

Zusammen mit den Kindern und Schülern, die kürzere Distanzen absolvierten, machten sich am Samstag insgesamt 377 Läufer auf die Strecke. Unter ihnen auch 97 „Entdecker“, die „nur“ eine der 3,5 Kilometer langen Runde absolvierten, sowie die Gassenläufer, die die Runde gleich drei Mal bewältigten. Von diesen beiden Gruppen überquerten 223 Läufer die Ziellinie. Denn wer nach 17 Uhr noch nicht mit seiner Schlussrunde begonnen hatte, flog aus der Wertung. Alle kamen an, nur einer überschritt das Zeitlimit. Bei den Männern siegte über die volle Distanz Sven Kratochwil vom Team AR Sport in 39:20. Ihm folgten Christian Hahn von den Kegelfreunden Bontrup in 41:50 mit nur drei Sekunden Abstand dicht gefolgt vom Teamkollegen Thilo Pfisterer. Nicole Jäckel hatt mit 46:03 bei den Frauen die Nase vorn. Auf Platz zwei landete Gritt Schaller (Team AR Sport) mit 49.42. Dritte wurde Jennifer Schöllkopf in 51:46 für das Landratsamt Ludwigsburg.

An Start und Ziel jubelten Cheerleader mit weiß-lila Pompons. Die Streckensprecher Achim Seiter und Andreas Seiberling – im Hauptberuf Ordnungsamtsleiter der Stadt – moderierten und motivierten. Wer über die Ziellinie geht, schnauft, hat einen hochroten Kopf, macht aber ein glückliches Gesicht.

Locker hat es Manfred Kramer aus Erdmannhausen angehen lassen, um „Körner für die Anstiege“ zu haben. Auch sonst joggt der Gassenlauf-Debütant gerne. „Es geht mir rein um den Spaß“. Früher bestritt der 57-jährige Andreas Hientzsch Bergläufe als Wettkampf. „Die Anstiege schrecken mich also nicht“, sagt er. Unangenehmer empfindet er das Kopfsteinpflaster in den Holdergassen. Das unterbreche permanent den Laufrhythmus. Grit Schaller aus Kirchheim am Neckar fragt sich auch, warum sie sich regelmäßig diese Schinderei antut. „Aber es ist doch immer witzig und man trifft bekannte Leidensgenossen.“ Der Berg, das Ziel schon vor Augen, sei „böse“. Extra aus der französischen Partnerstadt ist Francois Delais angereist, Der 52-Jährige ist zum vierten Mal dabei und ist am Freitag extra früh ins Bett. Der Lohn: Erster in seiner Altersklasse.

Und dann ist da noch das kleine Wunder, Lynn aus Freiberg. Die Siebenjährige läuft die 700-Meter-Distanz mit fremden Herzen. Das wurde ihr vor vier Jahren eingepflanzt. Gleich nach der Operation erlitt das Mädchen auch noch einen Schlaganfall und musste Laufen, Sitzen, Sprechen, alles wieder neu lernen. Aber sie hat sich zurückgekämpft und rennt, obwohl das Zwerchfell nur auf einer Seite funktioniert, ihr das Atmen schwerer fällt als anderen Kindern. Auf ihrem Shirt trägt sie ein rosa Herz mit Glitter. „Mit der Teilnahme wollen wir anderen mit ähnlichen Schicksalsschläge Mut machen“, erklären die Eltern. Denn bald ist Lynn Erstklässlerin, die turnt, Rad fährt und Schwimmen lernt.

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