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Bürokratie

Ein mühevoller Weg für schnelleren Radverkehr

Im April 2014 stellte die Stadt Pläne für einen besseren Radweg von der Carl-Benz-Straße über die Bahnbrücke am Marbacher Weg vor. Kommendes Frühjahr könnte er dann tatsächlich fertig sein. Die Chronologie eines Projekts mit vielen Hürden.

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Der Radweg in der Carl-Benz-Straße sieht nur fertig aus – und endet derzeit noch an einem hohen Bordstein.Foto: Holm Wolschendorf

Bietigheim-Bissingen. Es war eigentlich Routine, als die Stadtverwaltung vor rund zweieinhalb Jahren in einer Mitteilung den Baustart für ein doch relativ kleines Projekt ankündigte. Doch da konnte sie noch nicht ahnen, dass es wohl – das ist die neueste Wasserstandsmeldung – drei Jahre dauern würde, bis es abgeschlossen sein wird. Dabei geht es um ein Projekt mit geschätzt nicht einmal 100 Metern.

Konkret geht es um den Radweg in der Carl-Benz-Straße, der von März 2015 an erweitert werden und dann über die Brücke führen sollte, die in der Verlängerung des Marbacher Wegs über den Eisenbahnschienen liegt. Gesamtkosten: knapp 300 000 Euro. Doch schon drei Monate später verschickte die Stadt eine weitere Pressemitteilung mit derselben Überschrift – diesmal allerdings erst, nachdem die Bauarbeiten auch tatsächlich begonnen hatten. Angesichts der ersten Verzögerungen war sie vorsichtig geworden.

Schuld war zunächst die Deutsche Bahn. Denn die hatte – für die Stadt unerwartet – just zu jenem Zeitpunkt die Gleise zwischen Bietigheim und Tamm saniert, als auch die Arbeiten für den nur wenige Meter daneben (aber deutlich höher gelegenen) Radweg starten sollten. Und wegen des Schienenersatzverkehrs mit Bussen, der über die Carl-Benz-Straße geführt wurde, hätte eine dortige halbseitige Sperrung zu Chaos geführt.

Doch auch nachdem die Gleise wieder frei waren, war das der Weg für das Straßenbauprojekt noch lange nicht. Denn nun wurde an einer Stelle des Bahndamms ein Fels festgestellt, der dort nicht sein sollte. Der Untergrund sei falsch berechnet worden, so die Stadtsprecherin Anette Hochmuth. Und im Verlauf der Bauarbeiten zeigten sich weitere Probleme. Denn die Stelle, auf der der später breitere Radweg geplant war, musste aufgrund der Nähe zu den Gleisen besonders abgestützt werden. Doch Teile der sogenannten Spundwand wurden zunächst falsch geliefert, dann hatte einer der Lastwagen einen Unfall. Und schließlich stellte man fest, dass manche Teile nicht passten. Sie ragten deshalb noch bei der Besichtigungsfahrt des Gemeinderats zum Pferdemarkt 2015 unterschiedlich hoch hinaus. „Eine Verkettung unglücklicher Zufälle“, hieß es aus dem Rathaus.

Immerhin: Ein Jahr später gab es für die Gemeinderatsmitglieder den fertigen Radweg zu sehen, leuchtend weiß strahlten die Fahrradsignets auf dem dunklen Asphalt. Doch etwas fehlte: der Anschluss entlang des Brückenkopfs zur Rampe.

Eigentlich, so könnte der Laie meinen, ebenfalls nur ein kleiner Eingriff. Schließlich müssten doch nur die Markierungen des Radwegs, der derzeit an einem hohen Bordstein endet, ein bisschen verschwenkt und etwa zwei Meter weiter auf die Rampe geführt werden. Doch dabei geht es über eine Fläche, die der Deutschen Bahn gehört. Bis Juli 2016 – laut Stadtverwaltung aber länger, bis September – verhandelten beide Partner über den Verkauf der paar Quadratmeter.

Loslegen konnten die Arbeiter danach aber immer noch nicht – denn es fehlte die Genehmigung durch das Eisenbahnbundesamt. Die kam erst in diesem Frühjahr, so Hochmuth. „Allerdings waren dann die Baupreise durch die hohe Auslastung der Firmen so hoch, dass wir beschlossen haben, die Arbeiten zu verschieben.“ Im Oktober sollen diese nun ausgeschrieben werden, „wenn zu erwarten ist, dass aufgrund rückläufiger Auftragszahlen im Herbst/Winter auch die Preise etwas sinken“. Im „zeitigen Frühjahr 2018“ könnte es wieder eine Ankündigung eines Baustarts geben – zu einem dann sogar noch kleineren Projekt als drei Jahre zuvor.