Logo

Radverkehr

Ein nicht zu lösendes Problem

Ortsbesichtigung am Landesradweg mit dem Landes-ADFC – Rinnen bleiben und auch die Gatter kommen

Die Rinnen in der Sommerhalde sollen rasende Radfahrer ausbremsen.Archivfoto: Holm Wolschendorf
Die Rinnen in der Sommerhalde sollen rasende Radfahrer ausbremsen. Foto: Holm Wolschendorf

Steinheim. „Das ist ein gordischer Knoten. Das Problem ist eigentlich nicht zu lösen“, sagt Kathleen Lumma. Landesgeschäftsführerin des Landesverbandes des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC). Auch bei der gemeinsamen Besichtigung mit Vertretern der Stadt konnte die Kluft zwischen schnellfahrenden Fahrradfahrern und spielenden Kindern auf dem Landesradweg zwischen Steinheim und Kleinbottwar nicht gelöst werden. Ihr Vorschlag wäre eine Spielstraße einzurichten, aber dies ist nicht möglich. Eine Spielstraße kann laut Steinheims Ordnungsamtsleiter Rolf Englert nur eingerichtet werden, wenn es auf der Straße keinen Durchgangsverkehr gibt. Dieser ist aber durch den Landesradweg immer vorhanden.

Hintergrund des Ortstermins waren die vier Entwässerungsrinnen, die die Stadt in der Sommerhalde auf einer Länge von 200 Metern einbaute, um rasende Radfahrer auszubremsen. So sollten die spielenden Kinder dort geschützt werden. In der Sommerhalde sind die Häuser direkt an die Straße gebaut, so dass hier eine Gefahr erkannt worden war, auf die der Gemeinderat reagierte. Von Kleinbottwar her waren zudem Holzgitter eingerichtet worden, um die Radfahrer auszubremsen, von Steinheim her sollen auf Wunsch des Gemeinderats noch Absperrbügel eingerichtet werden, um auch hier eine Engstelle zur Geschwindigkeitsreduktion zu schaffen. Die Praxis hat gezeigt, dass die Rinnen nicht viel bringen, da geübte Radfahrer darüber hüpfen und die anderen außen vorbei.

„Die Interessen treffen hier aufeinander“, weiß auch Lumma. In erster Linie sei die Sommerhalde eine offizielle Straße, über die ein Radweg führt. So komme es zum Konflikt mit den Radfahrern. Die Geschwindigkeitsreduzierung bringt ihrer Meinung nach wenig, für einen zusätzlichen Radstreifen fehle der Platz. Auch die Absperrbügel dienten nur zur Geschwindigkeitsreduktion, was wenig bringe. Andererseits könne man es den Anwohnern auch nicht verbieten, die Straße als Spielstraße zu nutzen.

„Die Rinnen sind viel zu tief und somit gefährlich“, betont auch Waltraud Häfner vom Marbacher ADFC. Man könne entweder zackig drüber fahren oder extrem langsam, was die meisten aber nicht machten. Ihrer Meinung nach hätte es genügt, die Rinnen nur optisch auszuführen. Die meisten Radfahrer hätten aber ohnehin langsam getan, wenn Kinder auf der Straße waren, weiß sie aus eigener Beobachtung. Der Marbacher ADFC habe aber erst von den Plänen erfahren, als es schon beschlossene Sache war. Auch die geplanten Gitter seien nicht ideal und bergen Gefahren für die Radfahrer, zumindest müssten sie so weit voneinander entfernt angebracht werden, dass man mit einem Tandem oder einem Anhänger durchfahren kann. Ein Radweg an der Seite wäre ideal, aber offensichtlich nicht umsetzbar. Inzwischen führen viele Radfahrer nicht mehr auf dem Radweg, sondern auf der Straße nach Kleinbottwar, was aber auch gefährlich sei, so Häfner.

Der Steinheimer Ordnungsamtsleiter Rolf Englert hat die Kritik der Radfahrer an den Rinnen durchaus gehört, sieht aber keine Handhabe, sie zu entfernen. „Wir haben einen gültigen Gemeinderatsbeschluss“, sagt er. Dieser beinhalte auch die Gitter. Um die Gefahr für die Radfahrer zu minimieren, prüfe die Stadt aber noch, wie man die Stelle beleuchten könne. Die Straßenlaternen hören derzeit am Wohngebiet auf, zumindest eine zusätzliche Laterne sei sinnvoll.

Autor: