Logo

veranstaltung

Ein Schaf ist viel mehr als nur Wolle

Rund ums Schaf hat sich am Wochenende alles in Gronau gedreht: Zum 17. Mal hatte die Familie Theiss das Schafwollfestival auf die Beine gestellt, das den Besuchern ebenso interessante wie unterhaltsame Einblicke in die Schafhaltung bot.

350_0900_16908_COKRSchaf_4.jpg
Aus Wolle lassen sich wunderbare Kleidungsstücke und modische Accessoires machen.Fotos: Oliver Bürkle
350_0900_16909_COKRSchaf_1.jpg
Schäfer Tobias Dasselberger zeigt, wie schnell er arbeiten kann.

oberstenfeld. Auf dem idyllischen Gelände am Ortsrand waren zahlreiche Stände aufgebaut, an denen Wolle sowie Produkte aus Schafsmilch und -fleisch ebenso angeboten wurden wie Dekoratives für Zuhause, den Garten oder Schmuck. Wilfried Schuster aus Perouse im Landkreis Böblingen verkaufte alles, was ein Schäfer benötigt – von Hüten über lange Hemden bis zur Schäferschippe. „Im Sommer schützt der Filzhut vor der Sonne, im Winter vor Schnee“, erklärte Schuster, der eine große Auswahl an breitkrempigen Filzhüten mitgebracht hatte. Denn anders als die Schafe, die durch ihr dickes Fell vor Sonne und Wärme geschützt sind, verfügt der Mensch nicht über einen natürlichen Schutz.

Apropos: Ein langes Hemd, das fast bis zum Boden reicht, schützt die Kleidung ebenfalls, vor allem vor Tierhaaren und Schmutz. „Viele junge Schäfer tragen kurze Hemden, das ist nicht so praktisch“, so der Experte. Tobias Dasselberger, Schäfer aus Löwenstein, hatte beim Scheren der Tiere ganz auf dieses traditionelle Outfit verzichtet. Mit beherztem Griff schnappte er sich für seine Vorführung eines der Schafe, um es mit routinierten Bewegungen von seinem dicken Fell zu befreien. „Sobald das Schaf auf seinem Hinterteil sitzt, verfällt es in eine Art Schockstarre und bewegt sich nicht mehr“, erfuhren die Zuschauer. Das Werkzeug gleicht einer Heckenschere. Es dauerte nur wenige Minuten, bis das Tier ohne Fell da stand.

War es Erleichterung über die überstandene Schur? Auf jeden Fall mähte das Schaf mehrere Male laut in die Menge. „Es ruft nach seinen Artgenossen“, interpretierte Schäfer Dasselberger das laute „mäh“ und brachte das Tier schnell zu seiner kleinen Herde zurück.

Ein Hirte sollte auf jeden Fall über Kraft verfügen, schließlich wiegt ein Schaf 40 bis 50 Kilogramm. Auf das Wort parierten die Hütehunde, die ihr Können beim Zusammentreiben der Schafe zeigten. Von den kleinen Besuchern dicht umringt war das Gehege, in denen Tiere verschiedener Rassen zu bestaunen waren – vom Coburger Fuchs und das Shetlandschaf über Skudde bis zum Schwarzköpfigen Fleischschaf und zum Mufflon.

An vielen Ständen konnte gekauft werden, was sich aus Wolle anfertigen lässt. Mützen, Handschuhe, Schals und Socken zum Beispiel. Brigitte Drechsler aus Neckarweihingen strickt in ihrer Freizeit, was die Nadeln hergeben. An ihrem Stand präsentierte sie eine große Auswahl an Wärmendem in vielen verschiedenen Farben.

Das Ehepaar Billes aus Abstatt hatte sogar seinen Webstuhl mitgebracht. „Uns ist es wichtig zu zeigen, dass wir die Sachen selber machen“, sagte Edith Billes. Die Sachen, das sind wunderbare Stoffe aus Leinen, Baumwolle, Bambus und reiner Wolle, die zu Tischläufern, Kissenbezügen und Decken verarbeitet werden. Vor allem Kinderaugen begannen am Stand von Andrea Hunger-Ebenhöch zu leuchten. Die Filzkünstlerin hatte eine fantasievolle Landschaft aufgebaut. Ob ein Bauernhof mit den vielen Tieren oder ein Wald: Alles hat sie selbst gefilzt.

Zufrieden mit dem bunten Treiben konnte Franz Theiss sein. Er ist der Erfinder des Schafwollfestivals und bekannte mit der Aufschrift „Määääh“ auf seinen T-Shirt, wofür sein Herz schlägt. „Wir haben mit sieben Ständen angefangen“, erinnerte er sich an das erste Festival vor 17 Jahren. Damals sei er Vorsitzender des Milchschafverbandes Baden-Württemberg gewesen und habe sich um die Absatzmöglichkeiten von Wolle, Milch und Fleisch gesorgt, erzählte er. Bei den Vorbereitungen ist er auch in diesem Jahr tatkräftig von Ehefrau Waltraud und seinen Kindern unterstützt worden. Außerdem waren rund 40 Helfer im Einsatz.

Mehr als 20 Lämmer und Schafe sind geschlachtet worden, um am Wochenende die Besucher zu verköstigen. Alle Tiere stammen von einem Schäfer aus Vaihingen. Im Zeichen des Lamms stand deshalb die Speisekarte: Braten mit Kräuterkruste, Maultaschen, Leberknödel oder Langosch mit Schafskäse. Doch auch Vegetarier und Nicht-Lammesser kamen auf ihre Kosten.

Der Bestattungsdienst Ignatia schaffte es, den Bogen auf humorvolle Weise zu einem ernsten Thema geschlagen. Es präsentierte einen Sarg auf einem historischen Pferdekarren, der mit einem weißen Bezug aus Wolle bedeckt war, „Schafwolle ist das einzig Wahre – von der Wiege bis zur Bahre“, war auf einem Schild zu lesen.