Logo

KlezMer

Ein wunderbarer Konzertabend

Erstmals kamen die jüdischen Musiker im vergangenen Jahr zu einem Konzert in die stimmungsvolle Pleidelsheimer Pfarrscheuer, und es wurde ein voller Erfolg: komplett ausverkauft, fantastische Stimmung und viel Applaus für die charismatischen Künstler. Diesmal war das Wetter leider ungemütlicher, aber ein wunderbarer Konzertabend wurde es am Mittwoch erneut.

Die Jerusalem Klezmer Association gab gleich zwei Konzerte in dieser Woche in der Pleidelsheimer Pfarrscheuer.Foto: Oliver Bürkle
Die Jerusalem Klezmer Association gab gleich zwei Konzerte in dieser Woche in der Pleidelsheimer Pfarrscheuer. Foto: Oliver Bürkle

Pleidelsheim. Der Bruder von Pfarrer Samuel Hartmann lernte das Musikensemble während seines Studiums kennen und sorgte für den ersten Kontakt: „Ich war besonders beeindruckt von den Menschen und ihrer Musik.“ Während es bei der Premiere im vergangenen Jahr das Konzert und koscheres Essen aus Israel an einem Abend zusammen gab, war es diesmal auf zwei Konzertabende aufgeteilt. Das erste Konzert wurde für den Gaumen kulinarisch mit Wein ergänzt, der zweite Abend zusätzlich mit einem üppigen Buffet. Dafür wurde streng nach jüdischem Ritus gekocht.

Musikalisches Multitalent

Im Gepäck hatten die traditionell gekleideten Musiker um Ensembleleiter Avrum Burstein erneut viele schöne Klezmer-Stücke. Einige spielten sie bereits beim ersten Konzert und daher gab es ein Wiederhören mit dem Lied über gefüllten Fisch, über das morgendliche Aufstehen, das Streitgespräch eines Vaters mit seinem Sohn und den Kampf um eine Flasche Wein. Auch führte Yonathan Megidish erneut seinen waghalsigen Flaschentanz auf. Schwungvoll tanzte er mit einer Glasflasche auf dem Kopf zur Musik durch den Raum und sorgte so auch diesmal wieder für Bewunderung und Applaus beim Publikum. Zur Nachahmung sei allerdings doch eher eine Plastikflasche zu empfehlen, ergänzte Avrum Burstein noch schmunzelnd.

Der Ensembleleiter ist ein wahres Multitalent: Er sang und spielte Klarinette, Gitarre sowie Akkordeon. 2005 gründete Avrum Burstein die Jerusalem Klezmer Association und für sie ist Klezmer viel mehr als nur Musik. Es sei ein allumfassender Lebensstil und begleite einen durch das gesamte Leben. Avrum Burstein erzählte dem Publikum am Mikrofon die Geschichten zu und um die vorgetragenen Lieder, entführte das sofort begeisterte Publikum inhaltlich und musikalisch in ein jiddisches Schtetl. Auch erläuterte er, was Klezmer eigentlich bedeutet. Das Wort setzt sich aus „kle“ für Instrument und „zmer“ für Singen zusammen. Das sei eine Musik, die alle Gefühle und Sinne anspreche. Wie zum Beweis erklang ein kleines inniges Liedchen der Klarinette, ein Gebet einer Mutter zur Hochzeit der Tochter mit der Bitte um einen guten Ehemann. Diese ging offensichtlich in Erfüllung, denn direkt danach spielte die Jerusalem Klezmer Association ein vor Lebensfreude strotzendes fröhliches Lied für Eheleute, das eigentlich durch seinen dynamischen Rhythmus zum Tanzen aufrief.

Einen Mann aus dem Publikum hielt es auch nicht mehr auf seinem Sitz und er tanzte am Rand mit. Die anderen aber blieben ruhig sitzen, was aber auch an der Kälte in der Pfarrscheuer gelegen haben könnte. Denn man behielt schon beim Betreten lieber gleich die dicken Jacken an, drückte sich tief in die Stühle, um auf Dauer nicht zu arg zu frieren. Aufgrund der kühleren Wetterlage war es in dem alten Steingewölbe gefühlt noch etwas frischer als draußen.

Nach anderthalb Stunden beendeten die Klezmer-Musiker den offiziellen Konzertteil ohne Zugaben, kündigten aber eine kleine Aftershow an, bei der sie zu einem gute Gläsle Wein noch ein paar Lieder zum Besten gaben.

Autor: