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Enzpark

Einige Bürger fühlen sich getäuscht

Groß gewesen ist das Interesse am Informationsspaziergang der Stadt zum geplanten Enzpark. Viele Besucher nutzten die Veranstaltung vor allem auch dazu, um ihren Ärger über die bereits fertige Enztreppe zum Ausdruck zu bringen.

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Andrang: Viele Besigheimer nutzen am Samstag die Möglichkeit, sich vor Ort von den Planern informieren zu lassen. Fotos: Alfred Drossel
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Bei dem Rundgang wird nicht nur informiert, sondern auch protestiert.
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Bei dem Rundgang wird nicht nur informiert, sondern auch protestiert.

Besigheim. Menschenauflauf an der Enztreppe: Die Besigheimer Stadtverwaltung hat am Samstagvormittag zu einem Bürgerspaziergang zum Enzpark geladen. An Ort und Stelle möchte sie über den Planungsstand von Parkhaus, Fahrradbrücke und die Gestaltung des Geländes – unter anderem mit einem neuen Spielplatz – informieren. Dazu hat sie auch die drei verantwortlichen Planer als Experten hinzugezogen, damit sie den Bürgern Rede und Antwort stehen: Andreas Keil vom Stuttgarter Ingenieurbüro Schlaich, Bergermann und Partner, Roland Haehnel vom ebenfalls in der Landeshauptstadt ansässigen Architektenbüro Steinhoff/Haehnel und Landschaftsarchitekt Burkhard Wegener vom Club L 94 aus Köln. Das Interesse an dem Angebot ist groß. Zahlreiche Interessierte drängen sich auf der Enztreppe zusammen, dem Treff- und Startpunkt des kleinen Rundgangs. Zwei Frauen halten ein Protestplakat hoch, auf dem steht: „Das hatten wir“, „das hat man uns verkauft“ und „das haben wir bekommen“. Dazu sind Fotos vor und nach dem Bau der Enztreppe sowie eine erste Entwurfsskizze des Projekts abgebildet.

Doch zunächst geht es bei dem Spaziergang recht sachlich zu. In Gruppen aufgeteilt bekommen die Teilnehmer an drei Stationen den aktuellen Planungsstand der drei Projektschwerpunkte vorgestellt und können Fragen stellen. Eher unterschwellig wird dabei noch Kritik geäußert. So fragt etwa ein Mann, wie hoch die Konstruktion des Mühlenstegs denn sei, die das südliche Enzufer an die Altstadt anbinden soll und zugleich die Hauptstraße vom Radverkehr entlasten, indem die Streckenführung des Enzradwegs verlegt wird. 2,50 Meter, antwortet ihm Keil. „Dann schaut man von hier aus ja auf einen Erdwall und sieht die Mühle nicht mehr“, meint der Mann. Von der von Keil versprochenen Transparenz könne da keine Rede sein, findet er. Ein anderer Teilnehmer nimmt Anstoß an dem 18 Meter hohen Mast für die Seilkonstruktion, an der die in einem Bogen geführte Stahlbrücke aufgehängt werden soll. „Stahl ist für mich kalt, schwer und hart“, kommentiert eine Frau die Materialwahl. Eine andere will wissen, wie es um den Baumbestand bestellt ist. „Wir pflanzen mehr Bäume im Park nach als gefällt werden“, verspricht ihr der Erste Beigeordnete der Stadt, Klaus Schrempf.

„Zum Grün hin offen“, das soll auch das geplante Parkhaus mit rund 200 Stellplätzen sein, das auf dem derzeitigen Spielplatzgelände errichtet werden soll, um den bestehenden Parkdruck zu nehmen, wie der Architekt Roland Haehnel seiner skeptisch dreinblickenden Zuhörerschaft erklärt: „Das Parkhaus verschwindet nahezu im Hang, es soll sich wegducken und nicht den Blick nach Besigheim als präsente Holzkiste prägen.“ Von der Uferseite her werde die Fassade mit Holzlamellen gestaltet, die in Form der Stadtsilhouette teilweise geöffnet sei, führt Stadtbaumeister Andreas Janssen genauer aus. Dies diene zugleich dem Hochwasserschutz. Doch nicht nur die Optik und Höhe des Bauwerks sehen einige der versammelten Bürger kritisch. Zweifel gibt es auch an der Standortwahl wegen der Entfernungen zu Innenstadt und Bahnhof und der Parkhauseinfahrt und -ausfahrt in die viel befahrene Riedstraße.

Schlussendlich konzentriert sich das gesamte Interesse der Teilnehmer auf die dritte Station, die Parkgestaltung – wohl auch, weil Landschaftsarchitekt Burkhard Wegener staubedingt erst später eintrifft. Jedoch sind seine Erläuterungen zur Parkplanung, in dem unter anderem ein neuer Spielplatz angelegt werden soll, für einige gar nicht so sehr von Interesse. Sie nutzen viel mehr die Gelegenheit, um sich ihren Frust und Ärger über die bereits fertiggestellte Enztreppe von der Seele zu reden. Stein des Anstoßes ist hierbei vor allem die Betonwand am Flussufer, die als Hochwasserschutz nachträglich eingeplant werden musste und daher in den ersten Entwürfen nicht enthalten war.

Von Stadtverwaltung und Gemeinderat getäuscht und ihres Wiesenidylls am Enzufer beraubt fühlen sie sich. Den Ausführungen Wegeners und den Erklärungen von Bürgermeister Steffen Bühler wird daher auch wenig Glauben geschenkt. Von Zwischenrufen werden sie mehrfach unterbrochen. „Wir brauchen nichts Zeitgemäßes in Besigheim“, wirft etwa eine Frau ein. Und eine andere meint zynisch auf Wegeners Erklärung, dass er die Enz erlebbar machen wolle: „Ja, viel Beton kann man erleben!“