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öffentlicher Nahverkehr

Elektrobusse bleiben Zukunftsmusik

Nach Neu-Ausschreibung der Linien in Marbach und im Bottwartal keine Veränderung – „Im Überlandverkehr nicht geeignet“

Elektrobusse – hier ein Modell von Mercedes Benz – sind zwar auf dem Markt, sind aber teuer und haben relativ geringe Reichweiten.Archivfoto: dpa
Elektrobusse – hier ein Modell von Mercedes Benz – sind zwar auf dem Markt, sind aber teuer und haben relativ geringe Reichweiten. Foto: dpa

marbach. Wenn es um die schlechte Luftqualität in den Städten geht, dann werden häufig auch die Dieselflotten der Busunternehmen als Verursacher genannt. Naheliegend wäre es also, mehr Elektrobusse auf die Straßen zu schicken. Doch dass auch dabei der Teufel im Detail steckt, haben die Marbacher Stadträte jüngst mit einiger Frustration zur Kenntnis genommen.

Hintergrund: Schon im Frühjahr 2018 hatte die SPD-Fraktion im Gemeinderat einen Antrag eingebracht. Die Sozialdemokraten forderten die Stadtverwaltung auf zu ermitteln, welche Mehrkosten beim Einsatz emissionsfreier beziehungsweise emissionsarmer Busse entstehen. Zum damaligen Zeitpunkt war die Ausschreibung des sogenannten Linienbündels 6 in Vorbereitung. Das sind die Buslinien, die von Marbach ausgehend beispielsweise Richtung Affalterbach und Kirchberg führen, aber auch ins obere Bottwartal bis nach Beilstein und Prevorst. Diese Ausschreibungen laufen allerdings auf Ebene des Landkreises, nicht auf kommunaler.

Bis die Stadtverwaltung Marbach jetzt mit einer Stellungnahme zum Antrag aufwarten konnte, ist auch schon die Entscheidung gefallen. Das sogenannte Linienbündel 6, auf das sich der SPD-Antrag bezog, geht an die DB Regio Bus beziehungsweise deren Tochterunternehmen, die Friedrich Müller Omnibus GmbH (FMO). Vom 1. August an ist FMO für den Busbetrieb auf den entsprechenden Strecken zuständig. FMO-Geschäftsführer Marco Trovato macht der Stadt Marbach aber keine Hoffnung auf den Einsatz von Elektrobussen.

Dafür führt er mehrere Gründe an. Aus finanzieller Sicht seien Elektrobusse für die Busunternehmen nicht lukrativ, weil sie doppelt so teuer wie herkömmliche Dieselbusse seien. Trovato nennt 500 000 Euro als Preis für einen E-Bus. Selbst wenn man verschiedene Fördermöglichkeiten in Anspruch nehme, bliebe „ein erhebliches Delta“, formuliert Trovato in seiner Stellungnahme für die Stadt Marbach.

Ein weiteres Problem ist nach Darstellung des Experten die Reichweite. Die Hersteller geben eine Reichweite von 150 bis 200 Kilometer für eine Batterieladung an; das kann im reinen Stadtverkehr ausreichen, „für den Überlandverkehr eher nicht“, so Trovato; und genau der Überlandverkehr mit vergleichsweise langen Strecken ist ja Bestandteil des Linienbündels 6. Eine sogenannte Zwischenladung, die etwa vier Stunden in Anspruch nimmt, sei auf der Strecke nicht möglich. Wenn, dann müsste der Bus in den Betriebshof und im Zweifelsfall während des Ladevorgangs von einem anderen Fahrzeug ersetzt werden. Marco Trovato führt außerdem ins Feld, dass die Busunternehmen auf ihren Betriebshöfen pro Ladestation Kosten von rund 40 000 Euro kalkulieren müssten.

Und dann gibt es noch das Thema Akku. Die haben keine unendliche Lebensdauer, laut Hersteller sind derzeit 2500 Ladezyklen realistisch. Macht eine Einsatzzeit von rund sieben Jahren, nach denen der Akku ausgetauscht werden muss. Kosten laut Trovato: 120 000 Euro. Dieser Wert gelte aber nur bei Ladungen über Nacht mit geringem Ladestrom. Rechne man diesen Faktor zu den Instandhaltungskosten hinzu, ergebe sich schnell ein Wert von 47 bis 50 Cent pro Kilometer; das ist doppelt so viel wie bei herkömmlichen Antrieben. Das Fazit des FMO-Geschäftsführers fällt daher wenig überraschend aus: Der Einsatz von E-Bussen sei für den Linienbetrieb ohne Infrastruktur in der Fläche oder einen Betriebshof mit Ladestation „um die Ecke“ wirtschaftlich derzeit nicht darstellbar.

Eine Aussage, die SPD-Stadtrat Ernst Morlock als „ernüchternd“ einstuft. Die Feinstaubproblematik, aber auch der Lärm auf den stark belasteten Hauptverkehrsstraßen erforderten „Lösungen ohne Denkverbote“. Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Saubere Luft“ sind übrigens laut Ordnungsamtsleiter Andreas Seiberling für E-Busse, die in Marbach und im Umland unterwegs wären, nicht zu erwarten, „weil die entsprechenden Grenzwerte nicht überschritten werden.“

Der Vorstoß sei dennoch richtig gewesen, findet Jürgen Waser von den Grünen, und weil der technische Wandel auch in diesem Bereich rasche Fortschritte mache, solle die Situation alle zwei, drei Jahre überprüft werden. Aus Sicht von Martin Mistele (Freie Wähler) muss „Marbach nicht überall Pionier sein. Vielleicht gibt es irgendwann auch bei den Bussen eine Technik, die einfach passt.“

Oft ein Problem: Klima und Heizung

Neben Aspekten wie Reichweite, Ladeinfrastruktur und Akku-Ersatz haben viele Elektrobusse ein weiteres Problem: Heizung und Klimaanlage werden häufig mit gesonderten Dieselaggregaten betrieben, um die Batterie nicht damit zu belasten. Entsprechend schlechter fällt bei solchen Kombinationen die Umweltbilanz der E-Busse aus. Bislang gilt die Heizung im Elektrofahrzeug generell als Problem, weil Elektromotoren im Gegensatz zu Verbrennungsmotoren kaum Abwärme produzieren. (red)

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