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Gesundheitscampus

Entscheidung im Frühjahr 2020

Der Aufsichtsrat der RKH Kliniken wird im ersten Quartal 2020 über den Gesundheitscampus in Marbach entscheiden. Schon jetzt zeichnet sich eine Lösung im Streit um die dort geplante Belegklinik ab.

In Marbach sollen Belegärzte in Zukunft ambulante Eingriffe vornehmen. Stationäre Aufenthalte würden in Ludwigsburg oder Bietigheim erledigt. Archivfoto: Kuhnle
In Marbach sollen Belegärzte in Zukunft ambulante Eingriffe vornehmen. Stationäre Aufenthalte würden in Ludwigsburg oder Bietigheim erledigt. Foto: Kuhnle

Kreis Ludwigsburg. Geschäftsführer Professor Jörg Martin und sein Aufsichtsratschef Dr. Rainer Haas waren bestens vorbereitet. Minutiös zeichneten sie die Entscheidungen des Aufsichtsrates seit April 2018 nach, die schließlich in den Bau eines Gesundheitscampus in Marbach münden sollen. „Da gibt es keine Unklarheiten“, wies der scheidende Landrat Kritik zurück, es seien noch keine Beschlüsse gefasst worden, wie es in Marbach weitergehen soll. Tatsächlich wurde schon vor anderthalb Jahren „die Absicht bekundet, die Belegchirurgie in Marbach weiterführen zu wollen, und sie in eine Gesamtplanung einzubetten“. Die Geschäftsführung wurde beauftragt, mit interessierten Ärzten zu verhandeln, um sie in eine Belegklinik einzubetten. Erst Ende des kommenden Jahres sollte dann endgültig grünes Licht für die Gesamtplanung gegeben werden. „Wir haben mittlerweile mit potenziellen Ärzten gesprochen“, berichtete Martin gestern dem neuen Aufsichtsrat der Kliniken im Landkreis. Bislang konnten nur vier Ärzte gewonnen werden, mit einem weiteren Arzt, einem Augenarzt, könne im Laufe des nächsten Jahres gerechnet werden. „Damit ist das Potenzial aber ausgeschöpft“, so Martin. Denn das Problem ist, dass das Sozialministerium nur Chirurgen zulässt. Urologen oder anderen Fachärzten hat man vom Ministerium eine Absage erteilt.

Deshalb stellt sich die Frage der Wirtschaftlichkeit einer Belegklinik. Zwar konnte die Zahl der Operationen stetig gesteigert werden, , die Auslastung der Betten nimmt jedoch ab, weil die Patienten oftmals ambulant behandelt werden. Aktuell rechnet die RKH-Geschäftsführung mit einer durchschnittlichen Belegung von acht Betten. 25 bis 30 Betten wären nötig, um kein Defizit zu machen. Bei der aktuellen Belegung würde ein Minus von 1,8 Millionen Euro auflaufen. Zusammen mit den vorgesehenen Investitionskosten von insgesamt 20 Millionen Euro, ergäbe sich ein Minus von knapp zwei Millionen Euro pro Jahr. „Wenn es den politischen Willen gibt, dieses Defizit zu tragen, dann machen wir das“, so Martin.

Ihm schwebt allerdings ein anderes Modell vor. So möchte er erreichen, dass die Belegärzte ihre ambulanten Eingriffe in Marbach vornehmen. Sollte ein stationärer Aufenthalt nötig sein, könnten diese in Ludwigsburg oder Bietigheim vorgenommen werden. Das Sozialministerium hat für diesen Fall zusätzliche Mittel für den Bau des Gesundheitszentrums aus dem Strukturfonds in Aussicht gestellt, wenn in Marbach die stationäre Versorgung aufgegeben wird.

Martin hofft, so die Bedenken des Marbacher Gemeinderates ausräumen zu können. Bürgermeister Jan Trost signalisierte grundsätzlich, dass es gut sei, wenn die Entscheidung nicht erst im Herbst, sondern schon im Frühjahr getroffen werde. „Auch die Idee, dass in Marbach ambulant operiert wird, könnte den richtigen Weg weisen“, so Trost. Er will allerdings wissen, ob die Ärzte diese Trennung von ambulanter und stationärer Behandlung an zwei Standorten mitgehen. Außerdem müsse ein Verkehrskonzept erstellt werden, da die erwarteten zusätzlichen Mitarbeiter und Patienten von der jetzigen Zufahrt kaum noch verkraftet werden könnten. Martin will im Frühjahr ein Gesamtkonzept vorlegen. Das sieht in dem neuen Gebäude neben ambulanten Operationssälen eine Endoskopie, eine Dialysepraxis, eine Apotheke und eine Einrichtung für Kurzzeitpflege vor.

Dort soll auch eine Pflegeeinrichtung mit verschiedenen Wohnformen etabliert werden. Gedacht ist an ein sogenanntes Pflegehotel, in dem Patienten untergebracht werden, die aus dem Krankenhaus entlassen werden müssten, aber noch nicht so weit sind, um nach Hause gehen.

Hier steht die evangelische Heimstiftung für die Umsetzung bereit. Außerdem soll eine Klinik für seelische Gesundheit mit rund 75 Betten errichtet werden. Diese sei allerdings ausschließlich Privatpatienten gedacht, da das Sozialministerium keine Zulassung für gesetzlich Versicherte gibt.

Der Aufsichtsrat beschloss ohne Gegenstimme, ein Gesamtkonzept zu erstellen, über das dann im Frühjahr 2020 abgestimmt werden soll. Bis dahin soll auch Klarheit über die ambulanten Operationen herrschen und wie das Konzept städteplanerisch in Marbach umgesetzt werden kann.

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