Logo

Natur

Gespenstische Umhänge an Pflanzen

Die Raupen der Gespinstmotte überziehen Pflanzen mit einem weißen Schleier. Dadurch wollen sie sich schützen.

350_0900_19128_Raupen_der_Gespinstmotte_0173230.jpg
Unter dem Gespinst können die Raupen der Gespinstmotte in Ruhe fressen – wie hier oberhalb des Neckarkanals zwischen Freiberg und Pleidelsheim.Fotos: Karl-Hugo Dorner
350_0900_19129_Bitte_Freistellen_Raupen_der_Gespinstmott.jpg
Die Raupen sind gesellige Tiere: Sie spinnen sich zusammen ein.

Pleidelsheim/Ingersheim. Mit einem weißen Schleier überzogen stehen in dieser Jahreszeit Bäume, Sträucher und zum Teil sogar Gräser da. Von Ast zu Ast, von Zweig zu Zweig zieht sich das feine Gespinst und verleiht den Pflanzen ein gespenstisches Aussehen.

Schuld daran sind die Raupen der Gespinstmotten. Die kleinen Tiere mit den hellen Körpern und schwarzen Punkten an den Seiten schützen sich mit dem Gespinst vor Fressfeinden und Regen. So können sie in Ruhe an den Blättern knabbern und groß werden.

In Deutschland heimisch

Vor allem in Ingersheim und Pleidelsheim wurden vermehrt befallene Bäume entdeckt, weiß Günther Polka. Er ist Obstbauberater des Landratsamtes und hat in den vergangenen Tagen mehrere Anrufe aus den beiden Gemeinden bekommen. Es sollen mehrere Bäume eingesponnen sein.

Das ist jedoch nichts Ungewöhnliches, sagt der Obstbauberater. „Die Gespinstmotten sind Allerweltstiere“, so Plonka. Sie sind in Deutschland heimisch, er selbst habe in seinem Garten auch schon mit den Tierchen zu tun gehabt.

Gespinstmotten sind Wirtstiere

Die Gespinstmotten gehören zu den Schmetterlingen. Sie sind Wirtstiere, das heißt, sie ernähren sich nur von den Blättern bestimmter Pflanzen. Besonders oft kommen die Gespinstmotten laut Plonka auf Apfelbäumen, Pfaffenhütchen und Traubenkirschen vor. Unterscheiden kann jedoch nur ein Fachmann die Tiere. Für das ungeübte Auge sehen alle ähnlich aus: Sie haben weiße Körper, die hinten spitz zulaufen, mit dunklen Flecken darauf.

Im Sommer fliegen die Schmetterlinge über die Wiesen und legen nach der Paarung ihre Eier auf einer Wirtspflanze ab. „Die Insekten verschließen ihre Eier mit einer Sekretschicht“, erklärt Plonka. „Deshalb kann man sie an der Pflanze kaum sehen.“ Sobald das erste Grün zum Vorschein kommt, schlüpfen die kleinen Raupen. Zuerst sind sie nur wenige Millimeter groß. Schnell beginnen sie, das Gespinst zu produzieren. Das soll sie während des Essens und Wachsens schützen. „Für Vögel zum Beispiel wird es schwierig sein, an die Raupen ranzukommen“, vermutet Plonka.

Unter Umständen kann die Fresslust der Tiere zum kompletten Kahlfraß der Pflanze führen. Blätter sind dann keine mehr zu sehen, die Pflanze ist komplett eingesponnen.

Bäume treiben wieder aus

„Wenn der Frühsommer beginnt, ist aber Ruhe“, sagt Plonka. Denn Ende Mai oder Anfang Juni haben die Raupen genug gefressen und verpuppen sich. Es kann sein, dass dies schon passiert, wenn nur ein paar Zweige der Wirtspflanze kahlgefressen sind. Es kommt jedoch auch vor, dass ein ganzer Baum eingesponnen wurde, bevor sich die Raupen verpuppen.

Es ist kaum notwendig, mit Gift gegen die Raupen vorzugehen. Der Wirtspflanze schadet der Raupenbefall meistens nicht. Denn der Baum beginnt im Juni nochmals auszutreiben. Der sogenannte Johannistrieb ist das Mittel der Natur, Fraßschäden zu kompensieren. Im Sommer lässt der Baum schließlich kaum mehr erkennen, dass die Raupen der Gespinstmotten dort gespeist haben. Zum Teil weht nur noch das leere Gespinst im Wind.

„Wenn nur ein paar Triebe befallen sind, kann man diese einfach abschneiden“, rät Plonka. Die abgeschnittenen Zweige sollten dann aber in eine Mülltonne und nicht auf die Wiese neben der Pflanze geworfen werden. Nur so ist sichergestellt, dass die Raupen nicht zum nächsten Wirt krabbeln.

Population schwankt immer

Besonders oft fällt ein Befall an Bächen oder Flussläufen auf. Das liege daran, dass dort viele der Wirtspflanzen stehen. Meistens bleiben die Raupen ihrem Wirt treu und befallen keine anderen Pflanzen. Ab und zu kommt es aber doch vor, dass sie sich an anderen Blättern bedienen. „Die schmecken dann halt aber nicht so gut“, vermutet Plonka.

In diesem Jahr scheinen besonders viele Pflanzen von den Gespinstmotten befallen zu sein. Das sei aber nicht ungewöhnlich, so Plonka. Die Population von Insekten schwanke immer zwischen den Jahren, ohne dass Experten wirklich wissen, warum. In diesem Jahr könnte das warme Wetter ein Grund sein, dass scheinbar mehr Pflanzen befallen sind.