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Gewinn für Einfühlungsvermögen

Babybeobachtung verhilft Kindern zu mehr Empathie – Angebot seit fünf Jahren

Fröhliche Stimmung herrscht bei Mitarbeiter Jonas Helferstorfer, Fachleiterin Dorothee Kocher und zwei Babywatching-Müttern mit ihren Kindern (von links).Foto: Alfred Drossel
Fröhliche Stimmung herrscht bei Mitarbeiter Jonas Helferstorfer, Fachleiterin Dorothee Kocher und zwei Babywatching-Müttern mit ihren Kindern (von links). Foto: Alfred Drossel

sachsenheim. Ein kleines Jubiläum wurde bei der sozialen Gruppenarbeit der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf in Sachsenheim gefeiert. Seit fünf Jahren gibt es die Babybeobachtung (Babywatching). Das Präventionskonzept wurde vom Münchner Bindungsforscher Prof. Karl-Heinz Brisch entwickelt und wissenschaftlich auf seine Wirksamkeit überprüft.

„Es hat das Ziel, bei Kindern Einfühlungsvermögen und Sensibilität zu fördern und dadurch Angst und Aggression zu reduzieren“, unterstreicht Dorothee Kocher, die Fachleiterin der sozialen Gruppenarbeit in Sachsenheim. „Unsere soziale Gruppenarbeit hat die Aufgabe, bei den dort betreuten Kindern das Miteinander, die soziale Kompetenz zu fördern“, betont Claudia Oberle, die Vorstandsvorsitzende der Evangelischen Jugendhilfe Hochdorf.

Grundvoraussetzung dafür sei aber, dass die Kinder sich gegenseitig aufmerksam wahrnehmen und lernten, angemessen darauf zu reagieren. Dazu benötigten sie Empathie, Einfühlungsvermögen für das Gegenüber. Dies könnten sie über die regelmäßige Beobachtung eines Säuglings lernen.

In Sachsenheim kommen nun schon im fünften Jahr Mütter einmal pro Woche mit ihren Säuglingen und Kleinkindern in die Gruppe und stellen sich der Herausforderung des Babywatchings. Zu Beginn jeder Sitzung wird ein eigens dafür gedichtetes Lied als Ritual und zur Begrüßung von Mutter und Kind gesungen, dann setzen sich die Kinder in einen Kreis und beobachten die Mutter, wie sie mit ihrem Baby kommuniziert.

Die Kinder erleben, wie das Baby wächst und irgendwann laufen kann. Mit spezieller Anleitung und Fragetechnik lernen die Kinder durch die wöchentlichen Beobachtungen, sich immer besser in die Emotionen und die Motivation von Mutter und Kind einzufühlen. „Das fördert die Empathiefähigkeit der Kinder und sie beginnen, diese Fähigkeit auf alltägliche Situationen zu übertragen und weitere soziale Kompetenzen zu lernen“, sagt Dorothee Kocher.

Dies sei auch ein pädagogischer Ansatz, der gut in eine Zeit passe, in der Wissenschaftler davor warnen, dass exzessiver Smartphone-Gebrauch die direkte zwischenmenschliche Kommunikation verkümmern lasse und sich, vor allem in sozialen Medien, Hass und Rücksichtslosigkeit breitmache, betont Claudia Oberle.

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