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Landschaftspfleger

Gletschergeißen auf Porschebuckel

Die vierbeinigen Mitarbeiter der Verwaltung des Zweckverbands Eichwald nehmen ihren Dienst in Sachsenheim auf

Vorne schwarz, hinten weiß: Walliser Bergziegen im Einsatz im Gewerbegebiet Eichwald.Foto: Alfred Drossel
Vorne schwarz, hinten weiß: Walliser Bergziegen im Einsatz im Gewerbegebiet Eichwald. Foto: Alfred Drossel

Sachsenheim. Die Schwarzhalsziege ist eine der ältesten Ziegenrassen der Welt. Nach historischen Berichten sollen afrikanische Völker die Ziege um 930 über das Rhonetal ins Wallis gebracht haben. Anderen Quellen zufolge soll sie von der italienischen Kupferziege abstammen. Sie ist eine Ziege der vielen Namen: Walliser Schwarzhalsziege oder kurz „Walliser“, Gletschergeiß, Halsene, Zottelgeiß, Sattelziege oder gar „halbierte Ziege“.

Die Walliser Schwarzhalsziege kennzeichnet sich vor allem dadurch, dass die vordere Körperhälfte schwarz und die hintere weiß behaart ist. Das Fell ist grundsätzlich langhaarig. Der Kopf ist verhältnismäßig kurz und die Ohren leicht abstehend. Auch die weiblichen Tiere besitzen eine Stirnlocke, wie sie bei vielen anderen Ziegenrassen nur bei männlichen Tieren vorkommen.

Beide Geschlechter tragen Hörner; die Hörner der Böcke können bis zu 80 Zentimeter lang sein. Böcke erreichen eine Widerristhöhe von 75 bis 85 Zentimeter und wiegen dann 65 bis 70 Kilogramm. Geißen sind etwas kleiner und erreichen eine Widerristhöhe von 70 bis 80 Zentimeter und wiegen 45 bis 50 Kilogramm.

Schönheitskönigin der Ziegen

Ihre ansprechende Fellzeichnung brachte ihr zudem den Beinamen „Schönheitskönigin der Ziegen“ ein und machte sie bis zur Entwicklung der Farbfotografie zum beliebtesten Postkartenmotiv des Wallis. Schwarzhalsziegen sind neugierig, naschhaft und lebhaft. Sie sind ausgesprochene Herdentiere; beim Ausfechten der Rangordnung geht es mitunter rabiat zu.

Die Ziegen gelten als ideale Landschaftspfleger. Obwohl sie als Hochgebirgsrasse gilt, ist die Ziege auch in flachen Regionen zu finden. Die Tiere sind überaus genügsam und verbleiben Tag und Nacht auf der Weide. Am Porschebuckel wurden zwei Unterstände gebaut, die aber eher gegen die Sonne als gegen Regen gedacht sind.

Seit einigen Tagen hat der Sersheimer Ziegenhalter seine kleine Herde wieder auf den 200 mal 300 großen und 18 Meter hohen Porschebuckel am Eichwald gebracht. Dort pflegen sie bis Ende des Monats die Flächen. Danach wandern die Gletschergeißen samt Bock auf den einstigen Radarhügel, das zweite Einsatzgebiet am Eichwald, am anderen Ende des Gewerbegebiets.

„Wir sind mit dem Einsatz der Ziegen mehr als zufrieden“, sagt Tanja Ewald, die stellvertretende Geschäftsführerin des Zweckverbands. Wenn man Bilanz ziehen wolle, so betont sie, habe sich der Einsatz der Ziegen bisher gelohnt. Die Ausgleichsfläche habe sich wie gewünscht entwickelt. Außer der Überlassung der Weidefläche bekommt der Ziegenhalter nur eine geringe Aufwandsentschädigung. Dem Ziegenhalter danken die Tiere mit einer jährlichen Milchmenge von durchschnittlich 600 Kilogramm pro Geiß.

Der Porschebuckel ist ein künstliches Gebilde. Hier wurde der Aushub der Industriebauten über den einstigen drei Abschussstationen der amerikanischen Boden-Boden-Raketen des Typs Nike aufgeschüttet. Anfangs gab es viele Ideen, diesen Hügel zu nutzen. Vom Aussichtspunkt bis zur Rodelbahn reichten die Vorschläge.

Die Stiftung „EuroNatur“ konzipierte schließlich landschaftsökologische Nutzungsvorschläge, die in Abstimmung auch mit dem Naturschutz umgesetzt wurden. Der Hügel wurde von städtischen Bauhofmitarbeitern, Landwirten und von Schülern aus Sersheim und Sachsenheim mit heimischen Sträuchern bepflanzt. Man setzte dabei auf die natürliche Entwicklung von Flora und Fauna. Dafür hatte sich der damalige Verbandsgeschäftsführer Gerhard Müller eingesetzt. Damals kam auch die Idee auf, Tiere als Landschaftspfleger einzusetzen. Schafe kamen nicht in Frage. Aber die Walliser Bergziegen schon, weil sie auch Büsche abknabbern und so niederhalten. Müller fand damals einen Halter in der Nachbarschaft, der bereit war, die Fläche zu beweiden.

Der Porschebuckel ist ein Naturreservat geworden. Sein Ausblick ist nicht attraktiv, weil der Blick nur über die Solardächer der Hallen reicht. Das Gebiet ist umzäunt, um ein missbräuchliches Befahren des Hügels zu verhindern. Eine Zeit lang hatten Moto-Cross-Fahrer den Hügel zum Trail genutzt. Besucher, Naturfreunde, Wanderer und Spaziergänger können den Hügel begehen.

Am Fuße des Hügels hat sich ein Biotop entwickelt. Dort surren Libellen, flattern Schmetterlinge, stelzen Reiher und fühlen sich Fasane und Rebhühner wohl. Die grasenden Gletschergeißen sind nicht das ganze Jahr da. Nur ein paar Wochen außerhalb der Vegetationsperiode.

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