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Freizeit

Große Kunst im Vorbeifahren

Der Landkreis plant seinen ersten Skulpturenradweg, der Rundkurs soll sich der zeitgenössischen Kunst widmen. Die erste Ausbaustufe soll rund um Eberdingen verlaufen.

Kunstwerke an Radwegen gibt es im Enztal bei Untermberg. Im Strohgäu soll das aber institutionalisiert werden. Foto: Alfred Drossel
Kunstwerke an Radwegen gibt es im Enztal bei Untermberg. Im Strohgäu soll das aber institutionalisiert werden. Foto: Alfred Drossel

Strohgäu. Der Landkreis dreht in Sachen Kunst gerade am großen Rad, könnte man sagen: Er plant zusammen mit sechs Städten und Gemeinden ein neues „kulturelles Highlight“ im südwestlichen Bereich. Für den Skulpturenradweg gebe es „Vorbilder in regionalem und internationalem Rahmen“, heißt es dazu auch in einer Verwaltungsvorlage, über die unlängst der Eberdinger Gemeinderat abgestimmt und die Pläne damit publik gemacht hat.

Zahlen und Fakten
30

Kilometer lang ist der Rundkurs. Von Nussdorf aus führt er nach Eberdingen und Riet (Vaihingen), am dritten Teilort Hochdorf vorbei, in den eine Abzweigung geplant ist. Weiter geht es über Hemmingen und Schwieberdingen nach Markgröningen mit Unterriexingen. Über Oberriexingen und vorbei an Enzweihingen, Vaihingen und Aurich geht es zurück nach Nussdorf. Der Radweg lasse sich in seiner Kombination einfacherer und schwierigerer Streckenteile und in seiner Dimensionierung gut als Tagesfreizeitangebot bewältigen. (jsw)

Und dass sich gerade Eberdingen mit den Plänen schon befasst hat, kommt nicht von ungefähr. Denn im Teilort Nussdorf ist das Museum Kunstwerk Klein beheimatet, das dank der Sammelleidenschaft des namensgebenden Ehepaars heute mehr als 2000 Objekte umfasst. Peter Klein soll auch den Ball ins Rollen gebracht haben, heißt es. Nussdorf soll deshalb auch Zielort des ersten Bauabschnitts werden, der laut Gemeinde nächstes Jahr startet. An die Premierenstrecke angeschlossen werden sollen zudem Hemmingen und Schwieberdingen mit der Leihstation für E-Bikes am Bahnhof.

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Wir finden das eine gute Sache.

Peter Schäfer
Bürgermeister von Eberdingen

In einem zweiten Schritt, der laut Verwaltungsvorlage ab 2022 umgesetzt werden soll, sollen Markgröningen, Oberriexingen und Vaihingen samt dortiger Radleihstation angebunden und der Rundkurs damit geschlossen werden. Insgesamt sind 18 Kunststationen vorgesehen. Ob die Werke in das Eigentum der jeweiligen Kommune oder des Landkreises übergehen, sei noch nicht geklärt.

Denn das ganze Projekt steht und fällt ohnehin mit der Finanzierung. Dafür gibt es zwei Modelle: Entweder zahlt ein Sponsor alleine etwa 20.000 Euro für eine Skulptur oder es finden sich mehrere für ein Objekt. Erste Geldgeber wurden laut den Informationen aus Eberdingen auch schon gefunden, mit der Kreissparkasse und der Peter Klein GmbH & Co. KG aus Nussdorf. Zudem sollen sich „ab sofort“ auch die Verwaltungen der beteiligten Orte auf Sponsorensuche begeben, heißt es aus dem Landratsamt, sowie sich an der Gesamtfinanzierung des Projekts in Höhe von 15.000 Euro beteiligen.

Für Eberdingen war das kein Thema. Einstimmig genehmigte der Gemeinderat die Freigabe der Mittel. „Wir finden das eine gute Sache“, sagte Bürgermeister Peter Schäfer, der offenbar großes Potenzial in dem Radweg sieht. „Das, was wir dann haben, hat sonst keine andere Gemeinde landesweit“, sagte er. Das Keltenmuseum müsse man aber nicht eigens einbinden, sagte er auf entsprechende Nachfrage, denn das wirke schon für sich. Aber natürlich müsse eine Skulptur in der Nähe stehen. Auch der Hemminger Bürgermeister Thomas Schäfer weiß bereits um das Projekt, das sein Wohlwollen findet.

Von Kommunen wie Eberdingen ist aber noch mehr gefordert. „Das ganze Projekt lebt davon, dass die Städte und Gemeinden mitmachen“, so die zuständige Projektleiterin des Landkreises, Ingeborg von Egloffstein. Sie sollen sich um ein Rahmenprogramm kümmern, gemeinsam mit Vereinen, Schulen und Kindergärten sowie das Angebot mit Führungen, geführten Radtouren oder Kunstevents und -gesprächen bekanntmachen. Damit solle auch Berührungsängsten oder voreiligen Wertungen entgegengewirkt werden, heißt es.

Ein wenig skeptisch, dass die Pläne so funktionieren, scheint man beim Kreis aber zu sein. Denn so detailliert, wie das in der Eberdinger Vorlage der Fall war, wollte man sich zum Zeitplan nicht äußern. „Das Projekt befindet sich in einem frühen Stadium und ist abhängig vom Engagement der Städte und Gemeinden.“ Konkrete Termine für die Umsetzung gebe es deshalb noch nicht, sondern erst, wenn entsprechende finanzielle Zusagen vorlägen.

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