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Frankenbahn

Hitzeschlacht in vollen Waggons

Extreme Temperaturen in nicht- klimatisierten Zügen müssen die Fahrgäste auf der Strecke der Frankenbahn dieser Tage aushalten. Hoffnung auf schnelle Besserung gibt es jedoch nicht.

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Besigheim. Schweißtreibende knapp 38 Grad haben in den Zügen auf der Strecke der Frankenbahn während der Hitzewelle mitunter geherrscht. Das belegt ein Foto, das Thomas Pulli unserer Zeitung geschickt hat. Sein Bruder habe es während der Fahrt aufgenommen, berichtet der Besigheimer: „Und das war abends in der Regionalbahn mit Abfahrt um 19.43 Uhr in Stuttgart.“ Zur Rushhour am Spätnachmittag seien die Temperaturen in den meist nichtklimatisierten Zügen noch extremer, weiß Pulli, der die Zustände in den Waggons an sommerlichen Hitzetagen auch aus eigener Erfahrung nur zu gut kennt. Als Berufspendler nutzt er die Frankenbahn, um von Besigheim nach Stuttgart zu gelangen. „Die alten Doppelstockwagen haben nur kleine Kippfenster. Dazu kommt, dass die Züge überfüllt sind.“

„Weitere Wagen mit Klimaanlage stehen leider nicht zur Verfügung, da es am Markt nicht ausreichend gebrauchte Wagen gibt.“


Sprecher Deutsche Bahn

Zwar verteile die DB Regio kostenlos Mineralwasser an die Fahrgäste. Doch das helfe angesichts der Hitze in den Zügen nicht viel. „Vergangenen Sommer habe ich zweimal miterlebt, wie jemand ein Kreislaufversagen erlitten hat.“ Manch einer spreche angesichts solch gravierender Folgen daher gar schon von Körperverletzung gegenüber den Fahrgästen. „Auf jeden Fall ist es nicht spaßig, Zug zu fahren, wenn einem der Schweiß aus dem Hemd läuft. Der Arbeitstag ist schon anstrengend genug. Da muss ich nicht auch noch bei mehr als 40 Grad dicht gedrängt mit anderen Leuten im Zug stehen.“

Sehnsüchtig wartet Pulli wie viele weitere Fahrgäste daher darauf, dass die neuen privaten Betreiber aus Großbritannien und den Niederlanden, Go Ahead und Abellio, gegen welche die Deutsche Bahn die Ausschreibung der Stuttgarter Netze vor rund drei Jahren verloren hat, die Strecke nun endlich übernehmen und die versprochenen modernen Züge einsetzen. „Zwar können die Betreiber der Frankenbahn nichts für die derzeitigen hohen Temperaturen, dennoch wäre es schön, wenn auch wir rasch in den Genuss der neuen klimatisierten Züge kämen. Wann ist dies der Fall?“, fragt Thomas Pulli.

Doch für diesen Sommer wird daraus wohl nichts mehr. „Die Frankenbahn wird noch bis zum Fahrplanwechsel im Dezember von der Deutschen Bahn betrieben“, erklärt ein Sprecher des Unternehmens. Auf die verheerenden Temperaturen in den Zügen angesprochen, verweist er darauf, dass man seit dem 9. Juni doch bereits schon jüngere Züge einsetze. „Diese Wagen verfügen über eine bessere Durchlüftung und teilweise auch über Klimaanlagen.“ Zudem achte man beim Zusammenstellen der Züge darauf, dass in jedem mindestens zwei Wagen mit Klimaanlagen dabei sind. „Weitere Wagen mit Klimaanlage stehen leider nicht zur Verfügung, da es am Markt nicht ausreichend gebrauchte Wagen gibt.“

Die Übernahme zum 15. Dezember sei regulär so geplant und werde auch so stattfinden, versichern Sprecher von Go Ahead und Abellio vor dem Hintergrund diverser Anfangsschwierigkeiten (wir berichteten). So musste sich Go Ahead für den Start Anfang Juni auf anderen Stuttgarter Strecken 30 der benötigten 80 Lokführer bei der DB Regio ausborgen, weil das Unternehmen selbst nicht genügend ausgebildet hatte und auch keine Kräfte auf dem Arbeitsmarkt fand. Abellio kämpfte mit Lieferengpässen des Zugbauers Bombardier. Statt der bestellten 16 modernen, mit Klimaanlagen und WLAN ausgestatteten Züge für die erste Betriebsstufe auf der Strecke Stuttgart–Mühlacker–Pforzheim/Bruchsal–Heidelberg erhielt Abellio nur zwei Züge und hat sich deswegen von drei Konkurrenzunternehmen – DB Regio, Agilis und Albtalverkehrsgesellschaft – welche ausgeliehen. Und auch für die zweite Stufe, bei welcher Abellio mit den Verbindungen Stuttgart–Heilbronn–Mannheim und Stuttgart–Heilbronn–Osterburken den Betrieb auf der Frankenbahn aufnimmt, wird es an ausreichend eigenen Zügen fehlen: Man bekomme bis dahin lediglich 18 von 25 geliefert. Daher prüfe man nun, ob die DB Regio den Abschnitt zwischen Heilbronn und Mannheim vorerst weiterhin bedienen könne, erklärt die Abellio-Sprecherin Hannelore Schuster. Besigheimer Pendler sind davon – sofern sie nicht nach Mannheim wollen – nicht betroffen.

Die Züge von Go Ahead wird man derweil in Besigheim ohnehin nur vorbeirauschen sehen. Denn das Unternehmen übernimmt lediglich die Express-Verbindung Stuttgart–Heilbronn–Lauda–Würzburg, während Abellio für den stündlichen Regionalbahnverkehr zuständig sein wird.

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