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Typisierungsaktion

Hoffnung, dass Angela gesund wird

32-jährige Mutter zweier Kinder ist an Blutkrebs erkrankt und braucht dringend einen Stammzellenspender

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50 bis 60 Helfer engagierte die Gerlinger Karnevalsgesellschaft Contacter für die Typisierungsaktion.Foto: Andreas Essig

Gerlingen. Luftballons schmückten den Eingang der Stadthalle in Gerlingen. Doch wurde hier nicht gefeiert. Seit 11 Uhr kamen und gingen Leute, um Wattestäbchen über ihre Wangenschleimhaut zu schaben. Sie alle wollen Angela Wehrmann helfen. Die 32-jährige Mutter zweier Kinder ist an Blutkrebs erkrankt. Nur eine Stammzellspende kann sie retten.

So fröhlich die Gerlinger Karnevalsgesellschaft Contacter sonst unterwegs ist, so engagiert trommelt sie nun möglichst viele Menschen zusammen, die helfen wollen. „Um so eine Veranstaltung durchziehen zu können, braucht man 50 bis 60 Helfer. Und die haben wir“, sagt Jenny Trapasso. Das Schicksal ihrer ehemaligen Kameradin habe sie sehr berührt. „Angi ist sportlich, hilfsbereit, immer gut gelaunt. Und sie lässt sich nicht unterkriegen, diese Eigenschaft kommt ihr jetzt zugute“, meint die junge Frau. Bis Anfang der 2000er war Angela bei den Gerlingern als Gardetänzerin aktiv. Aus der Gardetanz-Zeit, also seit Angela ein kleines Mädchen war, kannten sie auch Steffi Mitschke und Gudrun Edelmann. Gemeinsame Erlebnisse schweißen zusammen, darum ist es für Mutter und Tochter selbstverständlich, am Sonntag zu helfen, aufzuklären, Wattestäbchen zu reichen. „Es ist so wichtig, dass jeder registriert ist. Wir helfen supergern!“, sagt Gudrun Edelmann und hebt demonstrativ beide Daumen, ganz fest gedrückt. Sie selbst seien schon seit vielen Jahren registriert.

Auch Sandra Maisch möchte helfen: „Es ist mir wichtig, weil es jeden treffen kann“, sagt die 21-Jährige. Dass sie in ihrem jungen Alter überhaupt über lebensbedrohliche Szenarien nachdenkt, schreibt sie einem einschneidenden Erlebnis zu – als sie Zeugin eines Motorradunfalls wurde. „Damals wurden Blutspenden gebraucht, aber es hat mir gezeigt, dass es einfach schnell gehen kann, dass man Hilfe braucht.“

„Mir war es erst gar nicht so bewusst, wie dringend ein Spender gesucht wird. Aber hier geht es um Leben, da macht man das gerne“, sagt Alexander Frey. Der 22-Jährige hat gerade seine Daten und Proben hinterlassen. „Und das ist kein Problem. Eine Minute die linke Backe, eine Minute die rechte Backe und dann beide Backen. Also drei Minuten“, berichtet er. „Macht‘s gut, viel Erfolg!“, ruft er dem Aufnahmeteam noch zu. Draußen reichen die Contacter Kuchen und die Gerlinger Feuerwehr Wurst. Die Stimmung ist trotz allem positiv, hoffnungsvoll. Da passen die Luftballons am Eingang wieder ins Bild.

Der erhoffte Ansturm fiel schmaler aus, als gehofft, bedauert Contacter-Pressechef Robert Kieninger am späten Vormittag. „Vielleicht weil so schönes Wetter ist.“ Bis zum Aktionsende ließen sich aber immerhin 308 Spender registrieren. An Spenden kamen 6095 Euro zusammen. Bereits im Vorfeld hatte die Volksbank Strohgäu 2000 Euro gespendet.

Angi, die „grenzenlose Optimistin“

Angela Wehrmann, gebürtige Korntal-Münchingerin, hat viel Zeit bei der Gerlinger Karnevalsgesellschaft Contacter verbracht. Vier Jahre, bis sie die niederschmetternde Diagnose erfuhr, arbeitete sie als Lehrerin im Zollernalbkreis. Die junge Frau gilt als eine Sportskanone, liebt vor allem Zumba. Im Moment aber bestimmen Krankenhausaufenthalte und die Einnahme starker Medikamente Angelas Alltag. Sie beschreibt sich selbst als „grenzenlose Optimistin“.

Auf ihrem Instagram-Blog (@angis_kampf) lässt sie andere teilhaben. „Habe Angst was alles auf mich zukommt die Tage, ob ich das alles schaffe! Meinen passenden Spender bekomme ...“, schrieb sie am vergangenen Samstag. „Angi ist es wichtig, auch anderen, die krank sind, zu helfen und aufmerksam zu machen, die Krankheit zu entdecken“, weiß Jenny Trapasso.

Wie wichtig eine Registrierung ist, zeigt auch die Geschichte der jungen Gerlingerin Lena Fattorusso, die sich 2009 typisieren ließ. Sieben Jahre später wurde sie als „genetischer Zwilling“ – mit nahezu identischen Gewebemerkmalen – einer 60-Jährigen Leukämie-Patientin ausgemacht und konnte ihr helfen. „Es ist so einfach, Stammzellen zu spenden. Ich würde es jederzeit wieder tun!“

Alle 15 Minuten erkrankt in Deutschland ein Mensch an Blutkrebs. Eine Stammzellspende bedeutet für Angela Wehrmann und viele andere eine Überlebenschance. Registrieren kann sich laut DKMS jeder, der gesund und zwischen 17 und 55 Jahren alt ist. Auch Geldspenden seien wichtig, da jede Registrierung 35 Euro koste.