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Dürre-Stress

Im Wald geht es ums Überleben

Borkenkäfer und Dürreschäden setzt vor allem der Fichte zu – Gewerkschaft fordert mehr Personal

Sterbende Fichten im Enztal: Hitze und Trockenheit machen dieser Baumart besonders zu schaffen.Foto: Alfred Drossel
Sterbende Fichten im Enztal: Hitze und Trockenheit machen dieser Baumart besonders zu schaffen. Foto: Alfred Drossel

kreis ludwigsburg. Derzeit kämpfen die rund 240.000 Waldbesitzer im Land und die Forstverwaltung mit den Auswirkungen von Borkenkäfer- und Dürreschäden, vor allem bei der Baumart Fichte. Der Landkreis Ludwigsburg stellt dabei keine Ausnahme dar, wie der stellvertretende Amtsleiter des Fachbereichs Forsten im Landratsamt, Dr. Michael Nill, feststellt, wenn auch der Fichtenbestand etwas niedriger liege als im Landesdurchschnitt.

Über alle Waldbesitz- und Baumarten hinweg sind in diesem Jahr bislang rund 850.000 Festmeter Käferholz und rund 370.000 Festmeter Dürreholz aufgearbeitet und verbucht worden. Besonders die Jahre 2018 und 2019 zeigten eindrücklich, welche umfassenden Herausforderungen auf die Waldbewirtschaftung im Zuge des immer deutlicher werdenden Klimawandels zukommen, stellt die Landesforstverwaltung fest.

Für das Jahr 2018 wurden von den unteren Forstbehörden auf einer Fläche von 38.000 Hektar Schäden gemeldet. Davon wurden rund 17.000 Hektar als „bestandsbedrohend“ und rund 21.000 Hektar als „wirtschaftlich fühlbar“ eingeschätzt. Eschensterben, die Borkenkäfer, Trockenschäden, Stockfäule und der Eichenprozessionsspinner setzten dem Wald zu.

Wöchentliche Kontrollen haben Priorität

Diese Schäden finden sich auch in den Wäldern im Landkreis, sagt Dr. Michael Nill. Es sei davon auszugehen, dass eine im Vergleich zum Vorjahr erheblich höhere Ausgangspopulation der Borkenkäfer vorhanden sei. Die aktuelle Wärmephase habe seit Anfang Juni wieder günstige Bedingungen für die Borkenkäfer mit sich gebracht.

So ist für 2019 von einem potenziell hohen Befall auszugehen. Die Gefahr eines Stehendbefalls ist damit weiter gegeben. Deshalb hätten derzeit wöchentliche Kontrollen sowie die rechtzeitige Aufarbeitung auch in den Wäldern des Kreises Priorität. Mehrere, schlichtweg vertrocknete Fichten seien kreisweit in den Wäldern festgestellt worden, betont Nill. Die Schäden bei den Laubholzarten könnten derzeit allerdings noch nicht abschließend beurteilt werden.

Für die Forstverwaltung ist der Umbau der Waldbestände in klimatolerante, standortangepasste, strukturierte und gemischte Wälder das wichtigste Mittel, um unter anderem den Ausfall kompletter Bestände zu vermeiden. Auch beim Pulverdinger Forst bei Vaihingen ist deshalb eine Versuchsfläche mit Alternativbaumarten angelegt worden.

Das Land fördere, wie das Landwirtschaftsministerium mitteilt, im Rahmen der Verwaltungsvorschrift Nachhaltige Waldwirtschaft die Wiederherstellung von Lkw-befahrbaren Wegen nach Schädlingsbefall sowie den Umbau von Nadelreinbeständen, nicht standortgerechten oder nicht klimatoleranten Beständen. Ebenfalls wird die Jungbestandspflege, also auch die Mischwuchsregulierung und das Ausbessern von Fehlstellen, vom Land unterstützt.

Ziel dieser Förderung ist die Erhöhung der Stabilität und der ökologischen sowie ökonomischen Leistungsfähigkeit des Waldes im Rahmen einer naturnahen Waldbewirtschaftung, insbesondere auch vor dem Hintergrund des Klimawandels. Das Land stelle für die Förderung in diesem Jahr rund 5,5 Millionen Euro zur Verfügung, teilt das Ministerium mit.

Zu trocken, zu warm, zu viele Schädlinge: Ein Großteil der Nadelbäume im Südwesten ist nach Einschätzung der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) Stuttgart akut bedroht. Mit massiven Folgen für die Forstwirtschaft in der Region sei zu rechnen, stellt der Bezirksvorsitzende der Forst-Gewerkschaft, Mike Paul, fest.

Die aktuelle Lage sei dabei erst der Anfang. „Der heimische Wald bekommt den Klimawandel längst zu spüren. Bei Fichten, Kiefern und Tannen geht es langfristig ums Überleben“, warnt Paul. Wichtig sei jetzt eine neue „Waldstrategie“, um den Forst vor dem Klimawandel zu schützen. „Wir brauchen eine breite Aufforstung mit den Baumarten, die vor Ort gedeihen. Dabei müssen private Waldbesitzer und staatliche Forsten noch stärker als bisher auf Mischwälder setzen. Eine Fichte, die neben Buchen und Eichen steht, kommt besser mit Schädlingen zurecht“, so die Gewerkschaft.

Für eine nachhaltige Bewirtschaftung seien aber auch mehr Förster und Waldarbeiter nötig. „Aktuell rächt sich der jahrzehntelange Personalabbau im Forst. Der Waldumbau ist eine Mammutaufgabe, für die man qualifizierte und ordentlich bezahlte Fachkräfte braucht“, fordert die IG Bau.

Zugleich warnt die Umwelt-Gewerkschaft vor einem reinen betriebswirtschaftlichen Blick auf die Wälder. „Wer nur Gewinninteressen im Sinn hat, setzt eher auf Ein-Baum-Kolonien, mit denen sich einfacher Geld verdienen lässt. Aber am Ende kommt die Rechnung von der Natur – nämlich wenn Trockenheit und Schädlinge der Monokultur zusetzen“, so Gewerkschafter Paul.

Info: Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums fielen in den deutschen Wäldern im vergangenen Jahr mehr als 32 Millionen Kubikmeter „Kalamitätsholz“ an . Dabei handelt es sich um Holz von kranken oder beschädigten Bäumen. Zwei Drittel davon gingen auf das Konto des Borkenkäfers, ein Drittel fiel Stürmen zum Opfer.

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