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Junge Besigheimerin vor Berliner Fernsehkameras

Die 14-jährige Lea Inchingolo ist für die Talentshow Voice Kids ausgewählt worden und sorgt mit ihrem Gesang bei den Juroren für Gänsehaut

Tolle Leistung, auch wenn es nicht für den ersten Platz gereicht hat: Lea Inchingolo. Archivfoto: Wolschendorf
Tolle Leistung, auch wenn es nicht für den ersten Platz gereicht hat: Lea Inchingolo. Foto: Wolschendorf

Besigheim. „Sie hat sich die Fingerkuppen blutig gespielt, sie mit Pflastern getapt und trotzdem einfach nicht mehr aufgehört zu spielen“, sagt Tanja Inchingolo über ihre Tochter Lea. Die 14-Jährige guckt derweil, wie nur Teenies es können, wenn ihre Eltern Dinge erzählen, die sie eigentlich gar nicht sagen sollten. Aber so sind sie halt die Eltern, wenn sie vor Stolz schier platzen – und dazu haben Tanja und Pino Inchingolo allen Grund. Denn die blutigen Finger und mit Gitarrespielen durchwachten Nächte haben sich gelohnt: Lea singt bei Voice Kids mit, einer Talentshow des Fernsehsenders Sat 1 – und ist die erste Runde schon weiter.

Die blutigen Fingerkuppen gehören der Vergangenheit an, sind inzwischen abgehärtet. Dabei ist es noch gar nicht so lange her, dass Lea mit dem Gitarrespielen angefangen hat, um sich selbst beim Singen begleiten zu können. Seit März 2018 nimmt sie Unterricht an der Musikschule Besigheim, ist gesanglich aber nach wie vor Autodidaktin. Die ersten Gitarrenakkorde brachte sie sich auch selbst bei, indem sie sich in den Weihnachtsferien zuvor die Gitarre ihres Vaters auslieh und auf einem Internetportal Videos ansah. „Ich bin ein sehr nachtaktiver Mensch. Fast die ganze Nacht habe ich durchgeübt – bis ich ein Lied konnte.“ Das Feedback von Familie und Freunden spornte die junge Besigheimerin an weiterzumachen. So beschloss sie ebenso spontan, wie sie mit Gitarre begonnen hat, sich bei Voice Kids zu bewerben, nahm sich selbst beim Singen mit Gitarrenbegleitung auf und schickte das Video ein.

Kaum eine Woche später sang Lea bei der Scoutingtour des Fernsehsenders in Stuttgart vor und wurde mit gut 120 weiteren jungen Gesangstalenten von rund 20.000 Bewerbern zur sogenannten Blind Audition nach Berlin eingeladen. Dabei präsentieren sich die Teilnehmer den Juroren – Stefanie Kloß von der Band Silbermond, Sänger Mark Forster, die Bandkollegen Boss Burns und Hoss Power sowie Lena Meyer-Landrut – zunächst während diese mit dem Rücken zu ihnen sitzen. „Ich habe mich sehr gefreut, als Stefanie sich gleich zu Beginn zu mir umgedreht hat. Und als sich dann auch noch BossHoss, Mark und Lena umgedreht haben, war ich mehr als überrascht“, berichtet Lea von ihrem ersten Auftritt bei Voice Kids. Mit ihrer Interpretation des Kultsongs „Blowin’ in the wind“ von Bob Dylan überzeugte sie alle von sich. Denn wenn nur einer der Juroren sich in seinem Drehsessel zu den jungen Sängern umwendet, ist dies das Zeichen, dass er ihn oder sie gern als Coach in sein Team für die folgenden Runden aufnehmen möchte. Lea hatte damit die Qual der Wahl, in wessen Mannschaft sie möchte und gab – nach langem Überlegen, den Ovationen im Stehen und Sprechchören mehrerer Hundert Menschen im Studiopublikum und eines Ed-Sheeran-Songs als Zugabe – Stefanies Betteln nach.

„Das war ziemlich entspannt“, erzählt Lea im Gespräch mit unserer Zeitung von ihrem Auftritt. War sie denn gar nicht aufgeregt? „Ich habe vorher versucht mir einzureden, dass es auf jeden Fall Spaß macht, und ich es nicht damit verschwenden soll, Angst zu haben.“ Erwachsene Worte aus dem Mund einer 14-Jährigen, die jedoch zugibt, dass sie nicht immer so selbstbewusst war. „Früher war ich sehr schüchtern. Aber als ich mit Gitarrespielen angefangen habe, war das wie ein Schalter gewesen, den man umlegt.“ Spaß hatte Lea nicht nur auf der Bühne, sondern auch hinter den Kulissen mit ihren Mitbewerbern. Statt Neid und Konkurrenzdenken habe man sich füreinander gefreut und Pausenzeiten dafür genutzt, um gemeinsam zu musizieren. „Das war wie im Schullandheim, aber nur mit Leuten, die genau das gleiche Interesse und Hobby haben.“

Neben ihrer Familie, die nach Berlin mitgereist ist, haben noch viele andere Lea die Daumen gedrückt. Etwa die Schulkameraden und Lehrer der Sophie-la-Roche-Realschule in Bönnigheim, die die 14-Jährige besucht, und auch die gesamte Verwandtschaft väterlicherseits in Italien, die sich extra vor dem Fernseher der Oma gemeinsam versammelte, um sich ihren Auftritt im deutschen Fernsehen nicht entgehen zu lassen. „Egal wie weit ich komme, ich genieße die Zeit. Das ist megacool“, sagt Lea über die anstehenden Wettbewerbsrunden bei Voice Kids. Übrigens: Der Ludwigsburger Danyiom Mesmer hat den Wettbewerb 2014 gewonnen.

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