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Bürgermeisterwahl

Kandidaten auf dem Prüfstand

Mit der Kandidatenvorstellung ist die Bürgermeisterwahl in Gemmrigheim in die entscheidende Phase gegangen. Wie berichtet gibt es sechs Bewerber, fünf davon stellten sich am Montagabend in der Wasenhalle den etwa 650 Bürgern vor. Bei allen Unterschiedlichkeiten konnte die knapp vierstündige Veranstaltung dennoch auf einen Nenner gebracht werden: Präsenz, Transparenz und Bürgernähe waren die Schlagworte, die sich die Bewerber auf die Fahne geschrieben haben.

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Bürgermeisterin Monika Chef begrüßt die Bewerber in der gut besuchten Wasenhalle: Joachim Koch, Jörg Frauhammer, Helmut Heilig, Ulrich Raisch und Tobias Lichter (von links). Foto: Ramona Theiss

Gemmrigheim. Nachdem Bürgermeisterin Monika Chef, die nach ihrer 24-jährigen Amtszeit nicht mehr antritt, den Ablauf des Abends vorgelesen hat, müssen die fünf Bewerber erst die Halle verlassen, um dann – einer nach dem anderen – wieder auf die Bühne zu kommen. Die Reihenfolge der Redner folgt der Reihenfolge, wie die Bewerbungen bei der Gemeinde eingegangen waren. Den Bewerbern wird eine Redezeit von 20 Minuten eingeräumt, gefolgt von drei Verständnisfragen aus dem Publikum. Die sechste Kandidatin, Friedhild Anni Miller, hat sich mit Terminüberschneidung entschuldigt. Sie trete aktuell bei rund 30 Bürgermeisterwahlen an, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung, und könne leider nicht überall vor Ort sein.

Er wolle gestalten, was er als Bürgermeister in größerem Umfang als Verwaltungsbeamter tun kann und zwar mit der Unterstützung und dem Vertrauen aller Bürger, sagt Joachim Koch. Neben der Ortskernsanierung „Torstraße“, die weitergeführt werden solle, sieht sich der 45-Jährige als Wirtschaftsförderer und damit verbunden die Erhaltung und Schaffung von Arbeitsplätzen. Ausbau der Gewerbeflächen und die Nachnutzung des Kernkraftwerksgeländes habe er ebenso im Fokus wie die Kindergärten, Schulen und die Jugendarbeit samt Umsetzung des Radwegs. Vereine hätten in Gemmrigheim einen hohen Stellenwert, was er als Bürgermeister anerkennen und unterstützen möchte. Ein Bürgermeister für alle, ansprechbar in Bürgersprechstunden, solle er sein. Kommunikation, Integration, Präsenz sowie Transparenz bei der Arbeitsweise der Verwaltung und des Gemeinderats müssten nachvollziehbar sein.

Dem stimmt Dr. Jörg Frauhammer in weiten Teilen zu. „Einer von uns“, so das Motto des 53-jährigen Ingenieurs, der sich selbst beschreibt als ein in Gemmrigheim verwurzelter Insider, der beruflich gesehen „von außen“ komme, aber auch auf eine langjährige Tätigkeit im Gemeinderat und als stellvertretender Bürgermeister zurückblickt. „In dieser Funktion habe ich die Gemeinde würdig und angemessen vertreten.“ Er fühle sich als Moderator, Schlichter und Teamplayer, der aber standhaft und unabhängig bleibt, auch wenn es um unpopuläre Entscheidungen gehe. In seiner Funktion als Gemeinderat habe er zahlreiche Beschlüsse gefasst wie den Bau des Ärztehauses. Er wolle die Bürgerbeteiligung, Bürgerbesprechungen und Befragungen intensivieren, das Kinderbetreuungsangebot überprüfen, den öffentlichen Nahverkehr ausbauen. Die Parksituation in der Gemeinde, der Kreisverkehr nach Kirchheim, das Vereinsleben und die Existenz der Grundschule liegen ihm am Herzen. „Ich habe genügend Lebenserfahrung und sehe dies nicht als Zwischenstufe meiner Karriere“, betont Jörg Frauhammer.

Das Rathaus als Dienstleister mit Bürgermeistersprechstunden, arbeitnehmerfreundlichen Öffnungszeiten, der Integration eines Jugendgemeinderats – das sind Ziele, die sich Helmut Heilig gesetzt hat. Der 30-jährige Elektroniker und Hotelkaufmann möchte die Infrastruktur erhalten sowie neues, aber bezahlbares Bauland ausweisen und eine städtische Wohnungsbaugesellschaft gründen. Der 57-jährige Musikpädagoge Ulrich Raisch möchte – wie vor ein paar Tagen bereits Hessigheim – auch Gemmrigheim zu einer menschenfreundlichen Kommune wie es der frühere Bundespräsident Theodor Heuss als Zukunftsvision für Baden-Württemberg empfohlen habe, zu einem „Modell deutscher Möglichkeiten“ entwickeln mit einem Musikkindergarten, ähnlich wie dem Vorbild in Berlin.

Unvoreingenommen und mit „frischen Ideen“ möchte der Verwaltungsfachwirt Tobias Lichter das Amt des Bürgermeisters ausüben. „Ich bin niemandem etwas schuldig“, sagt der 28-jährige stellvertretende Referent des Mühlacker Bürgermeisters, der sich selbst als „sattelfest in rechtlichen Fragen“ bezeichnet. Er traue sich zu, der neue Gemmrigheimer Bürgermeister zu werden. Er schiebe nichts auf die „lange Bank“, baue auf die solide Finanz- und Haushaltspolitik. Als „tüchtiger Manager“ mit Überzeugungskraft und Diplomatie wolle er sich in einem Miteinander um die Belange der Bürger kümmern. „Jeder hat es verdient, dass seine Anliegen gut und zügig bearbeitet werden.“

Podiumsdiskussion des Neckar- und Enzboten

Der Neckar- und Enzbote veranstaltet am Dienstag, 27. Februar, mit den Bürgermeisterkandidaten eine Podiumsdiskussion in der Festhalle im Wörth in Gemmrigheim. Beginn ist um 19 Uhr, Einlass von 18 Uhr an. Der Eintritt ist frei. Die Anzahl der Sitzplätze ist allerdings begrenzt. Für die Bürgermeisterwahl in Gemmrigheim am Sonntag, 4. März, gehen sechs Kandidaten ins Rennen. Dies sind der Verwaltungsfachwirt Joachim Koch (45 Jahre, parteilos), der Ingenieur und stellvertretende Bürgermeister Dr. Jörg Frauhammer (53 Jahre, SPD), die Familienhelferin Friedhild Anni Miller (48 Jahre, parteilos), der Hotelkaufmann und Energieelektroniker Helmut Heilig (30 Jahre), der Musikpädagoge und Akademieleiter Ulrich Raisch (57 Jahre, CDU) und der Verwaltungsbeamte Tobias Lichter (28 Jahre, CDU). Falls es zur Stichwahl kommt, ist diese für Sonntag, 18. März, vorgesehen. (bis)