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Recruiting-Tag

Karrieremesse spürt die Autokrise

Weniger Aussteller im Ludwigsburger Forum – Unternehmen halten sich bei der Mitarbeitersuche zurück

An den Infoständen der Firmen gibt es jede Menge Information. Fotos: Jürgen Schmidt
An den Infoständen der Firmen gibt es jede Menge Information. Foto: Jürgen Schmidt
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Ludwigsburg. Noch ist der Arbeitsmarkt in der Region um Ludwigsburg stabil, doch wenn es um die Suche nach neuem Personal geht, wird die heimische Wirtschaft zurückhaltend. Beim Recruiting-Tag der VDI-Nachrichten, der Verbandszeitschrift des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI), im Ludwigsburger Forum am Schlosspark fehlten in diesem Jahr einige große Namen unter den Ausstellern. So suchte man den Autohersteller Audi oder den Motorgeräteproduzenten Stihl vergeblich.

Auch die absolute Zahl der Unternehmen, die auf der Karrieremesse für Ingenieure nach neuen Mitarbeitern suchen, ging deutlich zurück. Waren im vergangenen Jahr noch rund 30 Aussteller im Forum vertreten, waren es diesmal nur 22.

Für den Freiberger Maschinen- und Anlagenbauer Teamtechnik stand eine Beteiligung an der Karrieremesse dagegen nicht infrage, wie Nicola Wüstner erklärt, die in der Teamtechnik-Personalabteilung für Fach- und Führungskräfte zuständig ist. Trotz der schwachen Konjunktur gebe es in gewissen Bereichen Bedarf an Ingenieuren, etwa in der Steuerungstechnik. Die sollten allerdings über fundierte IT-Kenntnisse verfügen, insbesondere in der SPS-Programmierung, sagt Wüstner.

Solche Fachleute sind auch bei Helukabel gefragt. „Fünf IT-Experten könne man sofort einstellen“, sagt Personalchefin Regina Krumm. Die sind allerdings auch beim Recruiting-Tag nicht einfach zu finden. „Es sind viele Maschinenbauer unterwegs“, resümiert die Personalerin des Hemminger Mittelständlers, der in diesem Jahr zum ersten Mal bei der Karrieremesse vertreten ist. Doch vielen der Maschinenbauingenieure fehle es an vertieften IT-Kenntnissen.

Ein Maschinenbauingenieur aus Ludwigsburg, der sich auf der Messe nach einem neuen Arbeitsplatz umsieht, ist unmittelbar von der Krise in der heimischen Autoindustrie betroffen. Er arbeitet bei einem kleinen Ingenieurdienstleister und war zuletzt in einem Projekt bei Daimler eingesetzt. Der Autokonzern habe das Projekt, das eigentlich noch fast ein Jahr laufen sollte, vorzeitig zum Ende dieses Monats gekündigt, sagt der 56-Jährige. Ob es seinem Arbeitgeber gelingt, rasch einen Ersatzauftrag zu akquirieren, was ihm eine Weiterbeschäftigung ermöglichen würde, da ist er skeptisch. Es sei allerdings auch nicht leicht, mit Mitte 50 noch etwas Neues zu finden, meint er.

Seine Erfahrungen sind kein Einzelfall. „Bei den Autoherstellern werden derzeit alle Projekte geschoben“, sagt ein 54-jähriger Techniker auf der Messe, der ebenfalls im Projektgeschäft tätig ist. Deshalb zögerten viele Dienstleister mit Einstellungen.

Berufserfahrene ältere Ingenieure sind an diesem Nachmittag im Forum am Schlosspark eher die Ausnahme. Bei den Besuchern dominieren die jüngeren Altersgruppen, viele, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben oder noch dabei sind.

Beim Energieversorger Süwag hat man sich darauf eingestellt, weil die Berufserfahrenen nicht nur auf der Messe Mangelware sind. Die seien inzwischen nur sehr schwer zu bekommen, berichtet Torsten Möser, Leiter Asset-Management Hochspannung. Man versuche deshalb, junge Absolventen im Unternehmen fortzubilden, um sie für die Aufgaben im Netzausbau fit zu machen. Die Dominanz der Maschinenbauer ist da allerdings auch für die Süwag ein gewisses Problem. Denn eigentlich sucht der Energieversorger Elektrotechnikingenieure, oder wie fast alle Aussteller Informatiker.

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