Logo

Kirche

Katholiken suchen das Gespräch

„Kirche am Ort“: Unter diesem Titel suchen derzeit viele Kirchengemeinden der Diözese Rottenburg-Stuttgart, auch in der Seelsorgeeinheit Bottwartal, nach Wegen, sich zu öffnen und mit Menschen in Kontakt zu kommen, die über die alltägliche Arbeit in den Gemeinden nicht erreicht werden.

350_0900_20472_23_09_18Theiss_70.jpg
Auftaktveranstaltung „Kirche am Ort“: Um „Christliche Werte in der Alltagswelt“ ging es in einer Podiumsdiskussion. Foto: Ramona Theiss

Oberstenfeld. In der Oberstenfelder Herz-Jesu-Kirche und im Gemeindehaus in der Gehrnstraße fand gestern die Auftaktveranstaltung „Kirche am Ort“ mit Workshops, Taizé-Singen und offenen Angeboten für Kinder und Familien statt, bei denen Gemeindemitglieder und Besucher von außerhalb miteinander ins Gespräch kommen konnten. Der Ludwigsburger Dekanatsreferent Fabian D. Schwarz leitete eine Podiumsdiskussion und diskutierte mit dem Steinheimer Kirchengemeinderat Johannes Bergold, Wolfgang Matt, Vorstand der Volksbank Backnang, Ulrike Kemmer, Rektorin der Lichtenbergschule Oberstenfeld, Thomas Wieland, dem Geschäftsführer der Karl-Schaude-Stiftung sowie dem Großbottwarer Bürgermeister Ralf Zimmermann über das Thema „Christliche Werte in der Alltagswelt“.

Als Geschäftsführer von zwei Pflegeheimen seien christliche Werte wie Gerechtigkeit und Wertschätzung im beruflichen Alltag gerade in Zeiten des Personalmangels von großer Bedeutung, meinte Wieland. „Diese Werte sind zwei wichtige Säulen, wenn es darum geht, Mitarbeiter langfristig zu binden.“

Er könne seine Tätigkeit in der Finanzbranche gut mit seinem Glauben vereinbaren, entgegnete Volksbank-Vorstand Matt auf Nachfrage des Moderators. Immerhin arbeite er bei einer Genossenschaftsbank, die nach dem Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ arbeite. „Da sind wir gar nicht so weit von christlichen Werten entfernt.“

Kirchengemeinderat Bergold war bis vor einigen Jahren sowohl als Jugendtrainer in einem Sportverein als auch in seiner Kirchengemeinde ehrenamtlich aktiv. Das Engagement im Verein habe er dann vor allem aus Zeitgründen aufgegeben. Aber auch, „weil ich in der Kirchengemeinde in einem Umfeld bin, in dem die Leute ähnlich ticken wie ich“. Die Gemeinden dürften die Kontakte zu weltlichen Institutionen aber nicht vernachlässigen, meinte Bergold selbstkritisch. „Ich würde mir schon eine bessere Vernetzung wünschen, insbesondere mit den Sportvereinen. Wenn man sich vernetzt, kann man einfach mehr Leute erreichen.“

Schulleiterin Kemmer wies auch auf Probleme innerhalb der katholischen Kirche hin. Ihr erster Mann sei ein Protestant gewesen. „Per Post wurde ich damals zur Persona non grata erklärt, wenn ich nicht versprechen würde, meine Kinder katholisch zu erziehen“, erzählte Kemmer. Vor zehn Jahren sei sie aus der Kirche ausgetreten, aber immer noch im Glauben verwurzelt. Ihrer Ansicht nach lassen sich christliche Werte nicht mit Hilfe von Dogmen zementieren, „sie müssen im Austausch mit anderen Menschen immer wieder neu gelebt werden“. Ihre Schule arbeite sowohl mit der evangelischen als auch der katholischen Kirche intensiv zusammen. „Diese Kooperation verläuft sehr positiv“, betonte Kemmer. „Das habe ich auch schon anders erlebt.“ Moderator Schwarz fragte die Teilnehmer der Podiumsdiskussion auch, an welchen Stellen sie sich mehr Präsenz christlicher Werte im Alltag erhoffen. Bürgermeister Zimmermann zeigte sich mit dem Ist-Zustand schon recht zufrieden, die hiesigen Kirchen seien breit aufgestellt. „Christliche Werte sind im Bottwartal ganz gut verankert“, sagte Zimmermann, „auch wenn man das an der einen oder anderen Stelle noch etwas stärker hervorheben könnte.“