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Unkrautbekämpfung

Kommunen meiden Glyphosat

Schon seit Jahren verzichten etliche Städte und Gemeinden im Landkreis bei der Unkrautvernichtung auf ihren Grünflächen auf das Pflanzenschutzmittel Glyphosat. Ein entsprechendes Verbot in die Pachtverträge mit Landwirten, die kommunale Flächen bewirtschaften, aufzunehmen, wird immer öfter praktiziert.

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Kreis Ludwigsburg. Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu sein und gilt als das am weitesten verbreitete Herbizid der Welt. Es wird hauptsächlich in der Landwirtschaft eingesetzt. Viele Kommunen wenden das Mittel zur Bekämpfung von Unkraut auf ihren Grünflächen mittlerweile nicht mehr an. So wie die Stadt Marbach. „Wir sind im kommunalen Bereich schon seit Jahren glyphosatfrei“, sagt Bürgermeister Jan Trost. Lediglich zwei alternative Herbizide würden in der Stadt noch zur Pflege der Grünflächen eingesetzt. Das eine zum Bekämpfen des Buchsbaumzünslers, das andere gegen den Eichenprozessionsspinner. Auf das erste Mittel wolle die Stadt auf lange Sicht verzichten. Dies soll gelingen, indem bei der Neubepflanzung von Flächen Ilex-Arten statt Buchsbäume verwendet werden. Der Eichenprozessionsspinner werde abgesaugt oder abgeflammt. „Nur im Ausnahmefall wird gespritzt – allerdings kein Glyphosat“, sagt Trost. Wer von der Stadt ein Grundstück gepachtet hat – egal, ob landwirtschaftlich genutzt, oder nicht – darf solche Mittel einsetzen, die laut den gesetzlichen Bestimmungen erlaubt sind – und somit auch Glyphosat.

Auf diese Weise verfährt auch die Stadt Freiberg, wie Nadine Barwig sagt, die in ihrem Fachbereich unter anderem für die Grünflächen zuständig ist. Im Gemeinderat sei bereits darüber beraten worden, in den Pachtverträgen das Verwenden von Glyphosat zu verbieten. Doch eine Entscheidung sei noch nicht gefallen. Auf den städtischen Grünflächen hingehen werde das umstrittene Herbizid schon seit mehr als sechs Jahren nicht mehr eingesetzt. „Bei uns findet die Unkrautbekämpfung händisch statt“, sagt Barwig.

Seit drei Jahren verwendet die Stadtgärtnerei von Markgröningen kein Glyphosat mehr. Für die Vernichtung von wild wachsenden Pflanzen benutzt die Stadt ein Heißdampfgerät. Dieses wird vier- bis fünfmal jährlich jeweils eine Woche für 670 Euro ausgeliehen. „Wir überlegen, uns ein solches Gerät für 15.000 Euro anzuschaffen“, sagt Bürgermeister Rudolf Kürner. In den Pachtverträgen wird der Einsatz von Glyphosat nicht ausgeschlossen. „Wir werden das Thema jetzt allerdings aufgreifen“, kündigt Kürner an.

Die Stadt Steinheim ist da schon einen Schritt weiter. Auf Antrag der SPD-Fraktion beschloss der Gemeinderat bereits im Juni 2018 mehrheitlich, dass Neuverpachtungen landwirtschaftlicher Flächen der Stadt an die Bedingung geknüpft werden, keine glyphosathaltigen Herbizide zu verwenden.

Die Stadt Kornwestheim verzichtet nach eigenen Angaben seit vielen Jahren auf ihren Flächen nicht nur auf den Einsatz von Glyphosat, sondern auf jeglichen Einsatz von Pestiziden. Am 19. Februar 2019 hat der Ausschuss für Umwelt und Technik der Stadt beschlossen, dass beim Abschluss neuer Pachtverträge für gemeindliche landwirtschaftliche Flächen und bei der Verlängerung von Pachtverträgen eine Klausel eingefügt wird, mit der sich Pächter zum vollständigen Verzicht auf den Einsatz von glyphosathaltigen Mitteln auf diesen Flächen verpflichten. Bei laufenden Verträgen sollen die jeweiligen Pächter eine freiwillige Erklärung unterschreiben, dass bis spätestens 2023 für alle gepachteten Grundstücke auf Glyphosat verzichtet wird.

„Ich bin kein Freund davon, massive Einschränkungen in Pachtverträge zu formulieren“, sagt Eberhard Zucker, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Heilbronn-Ludwigsburg. Der Landwirt hebt hervor, dass das Pflanzenschutzmittel Glyphosat nach wie vor zugelassen sei und es vom Bundesinstitut für Risikobewertung nicht als krebserregend betrachtet werde. „Wir machen nichts Verbotenes“, sagt Zucker. Die Landwirte würden Glyphosat weder pauschal, noch flächendeckend einsetzen. Bei Bedarf spritzten sie es vor der Aussaat und nach der Ernte auf den Acker, um das Unkraut zu vernichten. „Auf dem Erntegut hat das Mittel nichts verloren“, macht Zucker deutlich. „Es tötet ohnehin alles, was grün ist.“ Der Einsatz vor der Aussaat sei unbedenklich, weil das Mittel bereits nach zwei Tagen abgebaut sei. Ein Keimling, der Glyphosat aufnimmt, würde absterben.

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