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Aktion

Lebensmittel vor der Tonne gerettet

Der Tisch war voll mit Lebensmitteln aller Art: Weihnachtsstollen, Aufbackbrötchen sowie Obst und Gemüse mit kleinen Schönheitsfehlern. Das wurde von sogenannten Foodsavern, also Lebensmittelrettern, gesammelt oder aus dem privaten Haushalt mitgebracht. Auf dem Tisch türmten sich Leckereien, die eindeutig zu schade für die Tonne waren.

Die Stadt hatte zu einem Infoabend über das Thema Foodsharing eingeladen. Das Interesse im Seminarraum der Volkshochschule war groß, gekommen war beispielsweise auch Julia Hein, die vor dem mit allerlei Lebensmitteln bestückten Tisch steht. Foto: Oli
Die Stadt hatte zu einem Infoabend über das Thema Foodsharing eingeladen. Das Interesse im Seminarraum der Volkshochschule war groß, gekommen war beispielsweise auch Julia Hein, die vor dem mit allerlei Lebensmitteln bestückten Tisch steht. Foto: Oliver Bürkle

Marbach. Der Infoabend der Stadt zum Thema Foodsharing fand regen Zuspruch, der Seminarraum der Volkshochschule war dicht besetzt, als Eva Kissel vom Verein Foodsharing Ludwigsburg über die Möglichkeiten des Lebensmittelrettens berichtete. Nachdem das Teilen von Lebensmitteln im Stadtteil Hörnle bereits gut angenommen wird, soll die Aktion jetzt auf ganz Marbach ausgedehnt werden, so die Intention der Stadt. Und die Chancen stehen gut, dass sich hier etwas entwickelt, das zeigte die rege Beteiligung. „Packen wir es an“, meinte eine junge Frau aus Steinheim, die Interesse am Aufbau von Strukturen zeigte. Wie Eva Kissel darlegte, ist es jederzeit möglich, eine Gruppe aufzubauen, in der dann beispielsweise über soziale Netzwerke im Internet übrig gebliebene und nicht mehr benötigte Lebensmittel aus Privathaushalten angeboten werden und damit vor dem Wegwerfen bewahrt werden können. Ganz nach dem Motto: Was der eine nicht mehr braucht, ist für den anderen noch von Nutzen.

Es geht aber noch mehr. Der Foodsharing-Verein Ludwigsburg bildet sogenannte Foodsaver aus, die dann zusammen mit anderen Lebensmittel von Betrieben, beispielsweise Supermärkten oder Restaurants, einsammeln und verteilen. Solche Kontakte bauen eigens ausgebildete Betriebsverantwortliche auf und Botschafter sind für die Netzwerkarbeit zuständig. Diese Strukturen werden benötigt, damit das Retten von Lebensmitteln vor dem Müll auch dauerhaft funktioniert und vor allem rechtlich abgesichert ist. Die Foodsaver holen dabei zu festen Zeitpunkten regelmäßig Ausschussware ab. „Tafelläden haben dabei Vorrang“ berichtete Eva Kissel. Foodsharing wolle bewusst keine Konkurrenz darstellen und hole konsequent nur die Produkte ab, die normalerweise im Müll gelandet wären. Die gesammelten kostenlosen Lebensmittel werden an private Nutzer sowie an Obdachlosen- und Flüchtlingsunterkünfte verteilt, es gibt außerdem Facebook-Gruppen sowie sogenannte Fair-Teiler. Das sind öffentlich zugängliche Regale und Kühlschränke, deren Inhalt kostenlos entnommen werden kann. Ein wesentlicher Vorteil des Foodsharing-Vereins sei dessen Flexibilität. Mitglieder würden da auch mal nachts in ein Restaurant fahren, um etwas abzuholen.

„Wir nehmen alles, was noch gut ist und erhalten es umsonst. Dafür nehmen wir den Betrieben Arbeit und Müllkosten ab“, sagte Eva Kissel. In puncto Müll war die Referentin schon beim Kernthema angelangt. Laut dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft werden in Deutschland jährlich rund elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen. Der größte Teil fällt dabei in Privathaushalten an, im Schnitt wirft jeder Bundesbürger pro Jahr 80 Kilogramm Lebensmittel im Wert von 230 Euro weg. Dabei handelt es sich vor allem um Obst und Gemüse, gefolgt von Brot und Backwaren. Ob die schrumpelige Möhre oder der Apfel mit den Druckstellen, entsorgt wird laut Eva Kissel meist das, was Verbraucher für verdorben halten, was aber immer noch genießbar ist. Das treffe auch auf den Joghurt aus dem Kühlschrank zu, der das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten habe. Abgelaufen bedeute aber noch lange nicht schlecht. Das Anspruchsdenken an makellose Produkte sei dabei eine Verschwendung von Ressourcen. Die Tipps von Eva Kissel zum Abfallvermeiden beim Einkauf: Nie hungrig in den Supermarkt gehen, da sonst zu viel gekauft wird, einen Einkaufszettel schreiben und besser einzelnes Obst und Gemüse kaufen. Hilfreich seien auch Ordnung und ein guter Überblick im Kühlschrank.

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