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Butten-Olympiade

Leidensfähige Läufer mit Ehrgeiz

Am Ziel zittern Beine und Rumpf. Mit puterrotem Kopf pumpen die Läufer Luft in die Lunge. Ob die Hemden und Hosen mehr von Wasser oder vom Schweiß getränkt sind, sei dahingestellt. Fest steht: Alle, die den Beilsteiner Buttenlauf durchstehen, sind Sieger.

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Neun Frauen gingen bei der Butten-Olympiade an den Start. Foto: Ramona Theiss

Beilstein. Die Unterländer Butten-Olympiade, die traditionell am Sonntag des Beilsteiner Weinbergfestes ausgetragen wird, ist eine tierische Schinderei. Die 111 Meter lange Strecke scheint auf den ersten Blick lächerlich gering. Und auch die Hindernisse: Bierbankhürden, Wippe, Rebbogen, drei Stufen hoch und wieder runter, ein Glas Wein und eine Leiter wirken nicht gerade furchteinflößend. Hätten die Athleten da nicht eine mit Wasser gefüllt Butte auf dem Rücken. Die Damen und Senioren 30 Liter, die Herren 50. Und es geht ständig bergauf.

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Beilsteiner Weinbergfest

Es kommt auf jeden Tropfen an, die Feuerwehr ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Die Grobfüllung am Start läuft über den Schlauch, die Feinjustierung mit dem Messbecher aus der Küche. Eine Leitung vom 100 Meter entfernten Hydranten zum Start wurde gelegt. Mit einem historischen Buttenheber kurbelt sich jeder Teilnehmer seine Last auf Traghöhe. Viele gönnen sich noch einen Schluck „Zaubertrank“ – bevorzugt Riesling und Grauburgunder. Bevor sie in Dreier-Gruppen ganz vorsichtig losrennen.

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Immer höher werden die Bierbänke, immer enger der Rebbogen, immer schmieriger die Stufen. Gefürchtet wird vor allem der Schluck Wein. Der steht auf einer Kiste. Alle müssen zur Halbzeit in die Hocke, um den Becher zu greifen und dann wieder hoch. Echte Gewichtheber-Qualitäten sind hier gefragt.

Knapp 40 Männer stellen sich den Strapazen. Unter ihnen David. Der Schotte ist gerade in Beilstein zu Besuch. Spontan hat sich der 28-Jährige von Freunden zum Wettkampf überreden lassen. Er hat keine Ahnung, worauf er sich da eingelassen hat. Aber als Fußballer und Basketballer glaubt er, fit für die Herausforderung zu sein. „Ich liebe das Fest, ich liebe den Wein“, ist er von Atmosphäre und Gastfreundschaft begeistert. Jonas Bertsch weiß dagegen, was auf ihn zukommt, schon als Kind war er dabei. „Die Belastung ist kurz aber brutal“. Er ist Handballer und meint: „Der Buttenlauf ist härter als ein komplettes Spiel.“ Mit 1200 Kniebeugen wird der Hindernislauf verglichen. Wer hier antritt, muss körperlich fit und sportlich trainiert sein. Ein gesundes Maß an Leidensfähigkeit und Ehrgeiz schaden ebenfalls nicht.

Neun Frauen gehen an den Start. Unter ihnen Paulina Kübler, die von ihrem Freund zur Teilnahme „gezwungen“ wurde. Als Zuschauerin im vergangenen Jahr schwant der 21-Jährigen, dass es nicht einfach wird. Aber als Polizistin sei sie sportlich aktiv. Svenja Schettler war schon ein paar Mal bei den Jugendläufen dabei. Dieses Jahr ist die 17-Jährige erstmals bei den Erwachsenen am Start. Für sie ist es Pflicht, die Traditionsveranstaltung am Leben zu erhalten.

Ulrike Kümmerlein ist mit 16 die jüngste Starterin, mit 63 Jahren ist Axel Weichert der Älteste. Generationenübergreifend ist der Laufstil: Die Backen gebläht rennen alle in leichter Hocke, als hätten sie rohe Hühnereier in der Hose. Die Arme sind angewinkelt nach vorne gestreckt. Das Wichtigste an der Technik: Die Fracht am Rücken darf möglichst keine Welle schlagen und sich aufschaukeln. Denn dann gibt es kein Halten mehr und der Läufer wird von der Schwerkraft übermannt, hin und hergeschubst. Jeder verlorene Liter gibt vier Strafsekunden. Wasserlassen während des Laufs sollte tunlichst vermieden werden. Denn die Waage am Ziel ist unerbittlich und misst auf zwei Stellen hinter dem Komma genau.