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Kirchenwahl

Liberale und Konservative gleichauf

Mehr als 400.000 Mitglieder der Evangelischen Landeskirche Württemberg haben am Sonntag eine neue Landessynode und neue Kirchengemeinderäte gewählt. Die Wahl bringt veränderte Mehrheitsverhältnisse mit sich.

„Meine Kirche. Eine gute Wahl“ stand auf den Wahlzetteln der Evangelischen Landeskirche. Auch in Freiberg wurde gewählt. Foto: Werner Kuhnle
„Meine Kirche. Eine gute Wahl“ stand auf den Wahlzetteln der Evangelischen Landeskirche. Auch in Freiberg wurde gewählt. Foto: Werner Kuhnle

Kreis Ludwigsburg. Lange waren die Konservativen die stärkste Gruppe im württembergischen Kirchenparlament. Doch bei der Wahl zur 16. Landessynode musste der Gesprächskreis „Lebendige Gemeinde“ (LG) deutliche Verluste hinnehmen. Von den insgesamt 90 Sitzen erhält er 31. Zum Vergleich: Bei der letzten Wahl im Jahr 2013 waren es noch 39. Die theologisch liberale „Offene Kirche“ (OK) konnte ihr Ergebnis von 2013 von 30 auf 31 Sitze verbessern und somit mit den Konservativen gleichziehen. Gewinner ist die Reforminitiative „Kirche für morgen“ (KfM), die ihre Sitze von fünf auf zwölf mehr als verdoppeln konnte. Die Mitte-Gruppierung „Evangelium und Kirche“ (EuK) ist mit 16 anstatt 15 Sitzen in der neuen Landessynode vertreten.

Mit insgesamt 22,92 Prozent fiel die Wahlbeteiligung um 1,4 Prozentpunkte niedriger aus als 2013. Landesbischof Frank Otfried July hat sich laut einer Mitteilung der Evangelischen Landeskirche gewünscht, „dass nach der engagierten Wahlvorbereitung und viel persönlichem Einsatz noch mehr Menschen aus unserer Kirche zur Wahl gegangen wären“. In Ludwigsburg/Marbach (Wahlkreis 4) lag die Beteiligung bei 20,9 Prozent. In Leonberg/Ditzingen (Wahlkreis 6) bei 25,1 Prozent, in Vaihingen/Mühlacker (Wahlkreis 7) bei 26,3 Prozent und in Besigheim/Brackenheim (Wahlkreis 8) bei 26,4 Prozent.

Ines Göbbel (OK) und Reiner Klotz (KfM) vertreten den Wahlkreis Ludwigsburg/Marbach als Laien in der Landessynode. Auch wurden die Theologen Thomas Hörnig (OK) und Thomas Stuhrmann (LG) gewählt. Der Wahlkreis Leonberg/Ditzingen hat die Laien Angelika Klingel (OK) und Ute Mayer (LG) sowie den Theologen Burkhard Frauer (EuK) gewählt.

Gerhard Keitel (OK) und Dorothee Knappenberger (LG) als Laien und Matthias Hanßmann (LG) als Theologe vertreten den Wahlkreis Vaihingen/Mühlacker. In Person von Matthias Böhler (KfM) und Christiane Mörk (OK) und dem Theologen Oliver Römisch (KfM) ist der Wahlkreis Besigheim/Brackenheim künftig in der Landessynode vertreten.

Wie die Evangelische Landeskirche mitteilte, sind 60 der 90 Synodalen neu im Kirchenparlament. Der Anteil der Frauen liegt bei 40 Prozent, der Altersdurchschnitt aller Synodalen beträgt 51 Jahre. Die Landessynode entscheidet unter anderem über die Verwendung der Kirchensteuer und verabschiedet kirchliche Gesetze.

Bei einer Pressekonferenz in Stuttgart kündigte die OK gestern an, ein Klimaschutzgesetz vorantreiben zu wollen. Auch soll die kirchliche Trauung für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht werden. Die LG werde sich weiterhin für Mission und starke Ortsgemeinden einsetzen. Der Gesprächskreis EuK will Brücken zwischen unterschiedlichen Positionen bauen und die KfM möchte mehr in Innovationen investieren und diese künftig vorantreiben.

Info: Die Mitglieder der 16. Landessynode treffen sich am 15. Februar 2020 im Hospitalhof in Stuttgart zu ihrer konstituierenden Sitzung. Erste reguläre Tagung ist die Sommersitzung vom 2. bis zum 4. Juli. Die Amtszeit der Synode beträgt sechs Jahre.

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