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Lese 2019

Licht und Schatten im Weinberg

Die Weinlese in Württemberg geht in den Endspurt. Doch schon jetzt rechnen die Weingärtnergenossenschaften mit hoher Qualität – aber auch mit einer kleineren Ernte als im Vorjahr.

Finale der Weinlese 2019: Fast 70 Prozent der Rebflächen in Württemberg werden genossenschaftlich erfasst. Foto: Alfred Drossel
Finale der Weinlese 2019: Fast 70 Prozent der Rebflächen in Württemberg werden genossenschaftlich erfasst. Foto: Alfred Drossel

Möglingen. Das Trollingerland Württemberg erlebt gerade „Großkampftage“, wie es Bernhard Idler nennt, der Chefönologe der Württembergischen Weingärtner-Zentralgenossenschaft (WZG). Am vergangenen Wochenende wanderten fast 2,5 Millionen Liter in die Tanks der Weingenossen in Möglingen. „Wir sind bei der Lese jetzt auf der Zielgeraden angekommen“, sagte Idler am Donnerstag auf einer Pressekonferenz des Baden-Württembergischen Genossenschaftsverbandes (BWGV). Knapp fünf Wochen sind seit Lesestart vorbei. Derzeit holen die Wengerter noch Riesling und Lembergertrauben ein. Nächste Woche folgt zum Schluss der Trollinger.

„Die Rekordtemperaturen und schweren Gewitter im Sommer sind

nicht spurlos an den Trauben vorbeigegangen.“

Roman Glaser
Präsident des Baden-WürttembergischenGenossenschaftsverbandes

Den Weinherbst 2019 verfolgen die württembergischen Wengerter offenbar mit gemischten Gefühlen. Nach jetzigem Stand der Dinge werden die 36 Genossenschaften auf eine Erntemenge von rund 63,5 Millionen Liter kommen – das ist ein Viertel weniger als im Superweinjahr 2018. Beim Riesling und Trollinger, den der WZG-Chef Dieter Weidmann gestern erneut als das „Rückgrat des Weinbaus in Württemberg“ bezeichnete, geht es teilweise um mehr als 30 Prozent nach unten. Als Grund nennt Weidmann die Witterung: Trockenheit, Hitzeschäden und Sonnenbrand bei den Trauben.

„Wir bekommen bei Weißweinen und Rosé ein höheres Säureniveau,

das für Spritzigkeit und Fruchtintensität sorgen wird.“

Bernhard Idler
WZG-Chefönologe

Gerade das letztgenannte Phänomen habe die WZG in dieser Form und Intensität noch nicht erlebt. Die Konsequenz ist ein geringeres Traubengewicht. Dabei waren die Genossen noch zum Start der Lesesaison Anfang September nach Gesprächen mit ihren Mitgliedern zuversichtlich, auf ein ähnliches Ergebnis wie im Vorjahr zu kommen. 2018 brachten sie rund 83,2 Millionen Liter in die Keller.

Große Schwankungen sind die Wengerter längst gewohnt. Vor zwei Jahren fuhren sie keine 60 Millionen Liter ein, 2013 waren es 65,6 Millionen, davor rund 83 Millionen Leiter. Das Problem, das dieser Weinherbst auslöst: „Der Markt lässt es nicht zu, dass wir die geringere Menge über den Preis ausgleichen können“, so Weidmann. Zum zwölften Mal infolge war das Gesamtmarktvolumen 2018 nach Angaben der WZG rückläufig. Als Ursache nannte Weidmann gestern erneut „vor allem den deutlich kritischeren Umgang der jüngeren Generation mit Alkohol“. Mittlerweile überlege die WZG, alkoholfreie Weine ins Sortiment aufzunehmen.

Beim Blick durch die Okulare der Handrefraktometer hellen sich die Mienen der Wengerter aber wieder auf. Die durchschnittlichen Mostgewichte bewegen sich zwischen 77 Grad Öchsle beim Trollinger und 90 Grad beim Schwarzriesling. Der BWGV-Präsident Roman Glaser prophezeite gestern in Möglingen: „Die Weinliebhaber können sich sehr auf den 2019er Jahrgang freuen.“ Der Chefönologe Idler kündigt gerade bei Weißweinen und beim Rosé ein höheres Säureniveau an, das für Spritzigkeit und Fruchtintensität sorgen werde – und in die Strategie passe. „Wir wollen keine alkoholreichen und wuchtigen Weine erzeugen“, so Idler.

Lob zollen die Weingenossen der Landesregierung und Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU), der jetzt ein einzelbetriebliches Risikomanagement auf den Weg gebracht habe. „Diese Forderung erheben wir seit Jahren“, so der BWGV-Präsident Glaser. Ab 2020 soll nun ein Pilotprojekt beginnen und Mehrgefahrenversicherungen gegen Frost, Sturm und Starkregen bezuschusst werden. Der Minister: „Aufgrund des Klimawandels steigen die Ertrags- und Einkommensrisiken in der Landwirtschaft.“ Die daraus resultierenden Produktions- und Einkommensausfälle könnten für die Betriebe existenzbedrohende Ausmaße annehmen und den Strukturwandel beschleunigen.

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