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GKN

Liveschaltung in den Reaktor

Beim sechsten Infotag im Kernkraftwerk in Neckarwestheim haben die Besucher den aktuellen Sachstand der beiden Reaktoren erfahren. Während Meiler 1 derzeit rückgebaut wird, soll der zweite Meiler erst 2022 vom Netz gehen. Für den sicheren Rückbau wird bereits jetzt die Infrastruktur geschaffen.

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Einblick ins Reaktorgebäude: Die Besucher werfen beim Info-Tag einen Blick hinter die Kulissen des GKN. Fotos: Alfred Drossel
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Informationen und Austausch mit Fachleuten.

Neckarwestheim. Mit Transparenz und Offenheit agiert die EnBW, wenn es um den Rückbau der Kernkraftwerke in Philippsburg und Neckarwestheim geht: Am Samstag zeigten die Verantwortlichen um Geschäftsführer Jörg Michels, welche Schritte notwendig sind, um Neckarwestheim stillzulegen. „Wir müssen viele Anträge einreichen und mit den Behörden kooperieren“, so Michels. Einfach abschalten und abreißen gehe bei einer so schwierigen Konstruktion eben nicht. So wurde Reaktorblock 1 bereits 2011 abgeschaltet, der Rückbau begann hier 2017. Der zweite Meiler soll 2022 vom Netz.

Beim sechsten Infotag wurden die Gäste in ein Gebäude geführt, das gerade erst gebaut wird. Das scheint paradox in einer Umgebung, die eigentlich verschwinden soll. Allerdings bedarf es aufgrund der komplizierten Konstruktion und des Risikos der Strahlung großer Genauigkeit. Und die kann eben nur in der richtigen Umgebung gewährleistet werden. Baubeginn für das Reststoffbearbeitungszentrum, das angrenzende Standortabfalllager und den Sozialtrakt war 2016. In einem Jahr soll es fertig sein. Zusammen mit demselben Bau in Philippsburg kostet es „einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“. Das ließ Dr. Oliver Strangfeld, Geschäftsführer Finanzen, wissen.

Im Reststoffbearbeitungszentrum werden die rund drei Prozent des Abfalls, der sicher deponiert werden muss, vom ungefährlichen Müll getrennt. Bauleiter Stefan Stammann, der ebenfalls mit auf Tour war, beschrieb das, was zurzeit noch im Aufbau ist. Das Material wird durch eine Schleuse in die sogenannte Freimessung gebracht. Dort werde es von Experten begutachtet, damit danach richtig damit umgegangen werde. Die Gesamtmasse des Rückbaus bei Reaktor 1 liegt bei 331 000 Tonnen. Zwei Prozent davon gehören zur zweckgerichteten Freigabe und können im Standortabfalllager untergebracht werden. Ein Prozent ist klassischer radioaktiver Müll. Dieser wird in Konrad- oder Mosaikbehältern für die Endlagerung vorbereitet. Der Ort der Endlagerung wird derzeit von der Bundesregierung und Experten noch festgelegt.

Neben der Tour gab es noch eine Live-schaltung in den Reaktor, wo die Abbauarbeiten detailliert gezeigt wurden. Unter anderem kommen konventionelle Sägen zum Einsatz. „Das ist schon beeindruckend für mich als Ingenieur“, sagte Johannes Merz aus Herrenberg. Er ist selbst Fachmann und weiß, was seine Kollegen zu leisten haben. Begeistert ist Merz von der Offenheit, mit der die EnBW zu Werke geht. „Das würde ich mir für Stuttgart 21 auch wünschen.“

Für Friedegard Heckendorn aus Walheim war speziell die Größe des Reststoffbearbeitungszentrums beeindruckend. „Die mussten ja sogar ein eigenes Unternehmen gründen, damit das alles korrekt läuft.“ Für Friedegard Heckendorn ist vor allem wichtig, dass die Sicherheit für die Bevölkerung gewährleistet ist. Diese sieht sie bei dem jetzigen Stand des Projekts voll gegeben.