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Landwirtschaft

Mais wird immer häufiger angebaut

„In der Landwirtschaft wird es immer schwieriger“, sagt Steffen Klotz. Die Schweinemast hat der Steinheimer Landwirt deshalb abgeschafft und nun als weiteren Geschäftszweig Wohnmobilstellplätze in einem Schuppen eingerichtet. Auch in Zukunft werde man sich nach Alternativen umschauen müssen, ist er überzeugt. Klotz sieht auf lange Sicht den Mais als Gewinner.

Die oberen Bodenschichten sind derzeit auf den Äckern im Kreis Ludwigsburg (hier bei Möglingen) sehr trocken. Foto: Holm Wolschendorf
Die oberen Bodenschichten sind derzeit auf den Äckern im Kreis Ludwigsburg (hier bei Möglingen) sehr trocken. Foto: Holm Wolschendorf
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Steinheim. Denn die zunehmende Trockenheit bekommt dem heimischen Getreide auf Dauer wenig. Stichwort Klimawandel. Vor allem der Winterweizen vertrage die Trockenheit nicht, so Klotz. Es gebe zu wenig Körner und die blieben zudem zu klein, so dass der Erlös ebenfalls sinke. Die Wintergerste stecke die Trockenheit noch besser weg, ebenso der Dinkel, aber der sei für die Landwirtschaft keine echte Alternative mehr. Da er züchterisch nicht bearbeitet sei, bringe er nicht so viel Ertrag, zudem seien die Preise für Dinkel gesunken. „Der Dinkel kann den Weizen nicht ersetzen“, glaubt Klotz. Ebenso wenig Urgetreide wie Emmer, da hier die Nachfrage viel zu gering sei. Somit bleibe langfristig nur Mais als Ersatz für Weizen in der Fruchtfolge. „Am besten stellt man sich im konventionellen Anbau breit auf und baut Zuckerrüben, Getreide und Kartoffeln an“, sagt Klotz.

Eberhard Zucker, Vorsitzender des Bauernverbandes Heilbronn-Ludwigsburg, sieht die Zukunft des Winterweizens nicht ganz so düster. Er vertrage die Trockenheit nicht schlechter als anderes Getreide. Aber auch er glaubt an den Vormarsch von Mais, allerdings aus einem anderen Grund. Die Gefahr gehe von den desolaten Zuckermärkten aus. Bei fehlender Wirtschaftlichkeit werde der Anbau von Zuckerrüben zurückgehen und mehr Mais angebaut werden. Dieser werde in der Milchviehhaltung oder in Biogasanlagen eingesetzt. Maisstärke wird als Bindemittel verwendet, außerdem werden daraus kompostierbares Essgeschirr oder Verpackungen hergestellt.

Mais komme mit hohen Temperaturen gut zurecht, wobei auch er Feuchtigkeit brauche. „Wenn es bei der Maisblüte zu trocken ist, hat auch der Mais ein Problem“, so Zucker. Ein Nachteil von Mais sei sicherlich, dass er so hoch wachse und alles überdecke, aber „das ist auch nur für eine kurze Zeitspanne so“. Eine Alternative seien zudem auch Sojabohnen, die die hohen Temperaturen gut vertragen. Denn das Getreide insgesamt leide unter den hohen Temperaturen im Juni und Juli. Die oberen Ähren brechen bei Trockenheit ab, wodurch der Ertrag zurückgeht.

Ältere Sorten wie Emmer vertragen die Hitze zwar besser, der Ertrag ist aber eher schlecht. Zudem hält sich die Nachfrage in Grenzen. Dinkel passe gut auf eher schlechte und karge Böden, die man im Kreis Ludwigsburg eher selten finde. Um auf die Trockenheit zu reagieren, müsse man an Neuzüchtungen arbeiten und weniger dicht bepflanzen. „Aber wenn das Wasser fehlt, dann fehlt es halt.“

Optimistisch, aber mit einer gewissen Unruhe blickt Zucker auf den Sommer. Während es im März noch feucht genug war, sei der April bereits wieder zu trocken. Das Osterwochenende mit hohen Temperaturen und Wind habe zu trockenen Oberböden geführt und auch im unteren Bereich gebe es nicht genügend Wasser, da der Winter ebenfalls nicht besonders feucht war.

Im Moment stünden Zuckerrüben, Sommergerste und Mais noch gut da, aber der Grundwasserspiegel sei nicht ausreichend. Wenn es nicht noch ausreichend regne und es Ende Mai, Anfang Juni richtig heiß werde, könnte es sehr spannend werden. „Die Ausgangslage ist schlechter als im vergangenen Sommer, als der Winter sehr feucht war“, so Zucker. Noch handle es sich aber um Kaffeesatzleserei, schließlich soll es auch am kommenden Wochenende ausgiebig regnen.

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