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Stühlerücken

Mann+Hummel sucht neuen Chef

Wechsel in der Chefetage des Filtrationsspezialisten: Werner Lieberherr geht – Interimsgeschäftsführer ist Nicolaas Zerbst

Mann+Hummel hat seinen Chef verloren: Werner Lieberherr (links) hat das Ludwigsburger Unternehmen verlassen. Emese Weissenbacher und Nicolaas Zerbst (rechts) führen die Gruppe nun vorläufig. Fotos: Mann+Hummel
Mann+Hummel hat seinen Chef verloren: Werner Lieberherr (links) hat das Ludwigsburger Unternehmen verlassen. Emese Weissenbacher und Nicolaas Zerbst (rechts) führen die Gruppe nun vorläufig. Foto: Mann+Hummel
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Ludwigsburg. In Sachen Markt wollte Werner Lieberherr Mann+Hummel vor einem Jahr kräftig Schub geben, das Unternehmen auf Erfolgskurs halten und eine Gewinnmarge von acht Prozent erreichen. Doch die von US-Präsident Donald Trump angezettelten Wirtschaftskonflikte haben auch bei dem Ludwigsburger Filtrationsspezialisten Spuren hinterlassen. Nun hat der 59-jährige Schweizer, der erst vor einem knappen Jahr als Vorsitzender der Geschäftsführung zu dem Autozulieferer gekommen ist, überraschend das Ludwigsburger Familienunternehmen verlassen. „Einvernehmlich und mit sofortiger Wirkung“, wie Mann+Hummel gestern mitteilte. Als Grund verweist das Unternehmen auf unterschiedliche Auffassungen über die zukünftige Ausrichtung. Die Geschäftsentwicklung des Unternehmens hat dabei wohl keine Rolle gespielt. „Wir sind besser unterwegs als letztes Jahr“, betont Aufsichtsratschef Thomas Fischer – ohne Zahlen zu nennen. Fischer dankt Lieberherr, der zuvor acht Jahre lang den börsennotierten US-Luftfahrtkonzern B/E Aerospace geleitet hatte, für den Ausbau der Geschäftssegmente Transportation sowie Life Science & Environment.

„Unser Unternehmen mit seinen Teams steht dafür, Zukunftstrends zu erkennen, umzusetzen und seine Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken“, beschreibt der Familienunternehmer die Innovationskraft des Filterspezialisten. Fischer erklärt, dass es zwischen Lieberherr, der Führungsmannschaft und den Eigentümern keine strategischen Differenzen gegeben habe, was die Markt- und Produktstrategie sowie die Umsetzungsgeschwindigkeit angehe. „Auf der Fakten-, Sach- und Zielebene lagen wir beieinander. Davon werden wir auch noch zehren“, sagt Fischer. „Die Wertegerüste waren nicht deckungsgleich“, erklärt der Aufsichtsratschef den Hintergrund des Rückzugs. Lieberherr sei als Manager von einem börsennotierten US-Unternehmen gekommen, Mann+ Hummel sei ein schwäbisches Familienunternehmen. Beide Seiten hätten intensiv zusammengearbeitet, um die Unterschiede auszugleichen. „Das war für beide Seiten nicht immer einfach“, sagt Fischer. „Das ist uns letztlich nicht gelungen.“

Nicolaas Zerbst wurde zum Interimsgeschäftsführer berufen und wird vorläufig mit Geschäftsführerin Emese Weissenbacher die Unternehmensgruppe lenken. Der aus Südafrika stammende Zerbst ist Anfang des Jahres als Geschäftsführer für die operative Einheit zu Mann+Hummel gekommen. Zuvor war er als Produktionsgeschäftsführer beim Esslinger Autozulieferer Eberspächer tätig. „Wir werden uns für die Suche nach einer Nachfolge ausreichend Zeit nehmen. So lange setzen wir auf eine Führungsmannschaft, die seit langer Zeit die Geschicke des Unternehmens international hochprofessionell steuert“, betont Fischer.

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