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Infektion

Masern: Das Land schlägt Alarm

Landkreis Ludwigsburg steht gut da, aber die sogenannte Herdenimmunität ist noch lange nicht erreicht

Der Landkreis steht bei der Maserschutzimpfung ganz gut da, doch eine Entwarnung kann nicht gegeben werden. Archivfoto: Patrick Seeger/dpa
Der Landkreis steht bei der Maserschutzimpfung ganz gut da, doch eine Entwarnung kann nicht gegeben werden. Foto: Patrick Seeger/dpa

Kreis Ludwigsburg. Das Landesgesundheitsamt (LGA) Baden-Württemberg im Regierungspräsidium Stuttgart schlägt wegen einer hohen Zahl gemeldeter Maserninfektionen Alarm. Für das Jahr 2019 wurden bereits 30 Masern-Erkrankungen aus Baden-Württemberg übermittelt, davon allein 13 Fälle seit Anfang März. Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2018 waren es nur zehn Fälle.

Masern-Erkrankungen wurden in den vergangenen zwei Wochen aus den Landkreisen Zollernalbkreis, Tuttlingen, Schwarzwald-Baar-Kreis, Rastatt, Konstanz und dem Ortenaukreis übermittelt. Betroffen sind Säuglinge, Kleinkinder, Jugendliche und Erwachsene im Alter bis 43 Jahre. In der Hälfte der Fälle handelt es sich um Schüler im Alter zwischen sieben und 18 Jahren.

Die aktuelle Masern-Situation spricht nach Einschätzung des Landesgesundheitsamtes für die Möglichkeit einer weiteren Ausbreitung auch in andere Land- und Stadtkreise.

Wie sieht es nun aktuell im Landkreis Ludwigsburg aus? Hier gab es bislang wie im gesamten vergangenen Jahr keine gemeldeten Fälle. 2017 wurden zwei Masernfälle gemeldet, es gibt laut dem Gesundheitsdezernenten im Landratsamt, Dr. Thomas Schönauer, aber eine gewisse Dunkelziffer.

Masern-Impfung: Freudental und Vaihingen sind die Schlusslichter

Trotzdem gibt Schönauer zu bedenken, dass im Landkreis Ludwigsburg noch lange nicht von einer Herdenimmunität gesprochen werden kann. Diese würde verhindern, dass die Krankheit nochmals ausbricht. Eine solche Immunität sei nur ab einer sogenannten Durchimpfungsrate von 95 Prozent erreichbar. Wie Zahlen von der Einschulungsuntersuchung von 2017/18 zeigen, steht der Kreis Ludwigsburg recht gut da, aber eben noch nicht gut genug. Bei der Zweitimpfung sind es lediglich rund 91,4 Prozent.

Aufmerken lassen die nach Städten und Gemeinden aufgeschlüsselten unterschiedlichen Quoten bei der Masernimpfung. Die 95 Prozent werden lediglich in Benningen, Ditzingen, Erligheim, Großbottwar, Hemmingen, Hessigheim, Kirchheim, Steinheim und Remseck erreicht. Schlusslicht mit 64 Prozent bildet Freudental, gefolgt von Vaihingen mit 74 Prozent. Gesundheitsdezernent Dr. Thomas Schönauer bedauert, dass es bislang nicht gelungen ist, die Masern auszurotten, deshalb finden in diesem und im nächsten Jahr auch kreisweite, vom Gesundheitsdezernat des Landkreises und mit Unterstützung von Krankenkassen organisierte, Impfkampagne zu den Masern statt. Diese soll dazu beitragen, dass sich die Zahlen verbessern, denn die Bundesrepublik Deutschland bildet bei den Masernimpfungen weiterhin europaweit eines der Schlusslichter.

Woran liegt das? Nach Einschätzung Schönauers nicht nur an der Impfmüdigkeit, sondern auch an einer generellen Ablehnung des Impfens. Weitere Erkrankungen können nur vermieden werden, wenn ein ausreichend hoher Impfschutz erreicht wird“, appelliert auch der baden-württembergische Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha an die Bürger. Und fügt hinzu: „Prüfen sie ihren Masern-Impfstatus und holen sie versäumte Impfungen nach.“

Wer bisher nicht, beziehungsweise nur einmal vom Hausarzt gegen Masern geimpft wurde, sollte die fehlende Impfung nachholen, so die Empfehlung der Experten. Wer zweimal geimpft wurde oder einmal Masern hatte, sei in der Regel geschützt, sagt Lucha weiter.

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