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Hubschraubereinsatz

Masten schweben durch die Luft

Gestern wurden vier 45 Meter hohe und neun Tonnen schwere Gittermasten einer 20-Kilovolt-Leitung zwischen Eberdingen und Weissach mit einem Lastenhubschrauber abgebaut. Sie werden nicht mehr gebraucht, weil seit 2018 ein Erdkabel für die Stromversorgung im Strudelbachtal in Betrieb ist.

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Monteure lösen zunächst die Schrauben.
Monteure lösen zunächst die Schrauben.

Eberdingen. Was eigentlich ein Routine-Job ist, stellte den Netzbetreiber EnBW dieses Mal vor eine besondere Herausforderung: Vier der im Jahr 1970 aufgestellten 38 Strommasten – aus Holz, Beton und Stahlgitter – stehen mitten im Wald in einem unwegsamen Gelände. „Ein Abbau mit einem Kran und der Abtransport der Stahlgittermasten wäre dort nur unter erschwerten Bedingungen möglich gewesen“, sagt EnBW-Sprecherin Dagmar Jordan über diesen letzten Akt der Erneuerungsmaßnahme bei der Stromversorgung im Strudelbachtal.

Darum wählte das Tochterunternehmen Netze BW den Luftweg. Pro Mast entstehen bei der Abwrackaktion Kosten von bis zu 50.000 Euro, wie Ibrahim Ergün von der durchführenden Firma Stark Energies Ludwigsburg feststellt. Das Büro hat die Maßnahme auch geplant. Zwei Wochen dauerten die umfangreichen Vorbereitungen und die Auftragsvergabe an Spezialfirmen.

Ein weiterer Ludwigsburger, nämlich Hubschrauberpilot Steffen Becher von der Fluggesellschaft Helix, war gestern ebenfalls an der spektakulären Aktion beteiligt. Zum Einsatz kam der Hubschrauber des Typs AS 350 B3, der bei optimalen Bedingungen bis zu 1400 Kilogramm transportieren kann und mit dem die meisten aller Hubschrauberkran-Einsätze in Deutschland durchgeführt werden. Steffen Becher fliegt seit 2003 Hubschrauber und gilt als Spezialist für derartige Transportflüge und für Millimeterarbeit in der Luft. Vom Hubschrauber aus hat er ständig Kontakt zu seinem Mitarbeiter am Boden. Bei der geringsten Unregelmäßigkeit kann er das Seil und damit auch die Last ausklinken. Sicherheit stehe an erster Stelle, sagt der Pilot.

Zweimal schon war der Termin bei Eberdingen wegen des starken Windes verschoben worden. Allerdings stürmte es auch gestern ziemlich stark auf dem freien Feld bei Nussdorf. „Glücklicherweise kam der Wind nur aus einer Richtung und es gab keine Böen, sonst hätte der Flug wieder abgesagt werden müssen“, stellt Steffen Becher fest. Für den Abbau wurden rund vier Stunden gebraucht. Zwei Masten wurden gleichzeitig abgebaut und die Teile wechselweise durch die Luft abtransportiert. Zwischendurch wurden Pausen eingelegt, um den Helikopter zu betanken. Nachdem zwei Masten abgebaut waren, machte auch der Pilot 30 Minuten Pause.

Wichtig bei dieser ungewöhnlichen Aktion war das „Bodenpersonal“. Acht Monteure stiegen vor dem Lufttransport bis auf die Mastspitzen und lösten die Schrauben. Jeder Mast wurde in vier etwa 1,4 Tonnen schwere Teile zerlegt und mit einem Gewebeseil an den Hubschrauber angehängt. Dieser flog die Mastenteile mehrere Hundert Meter weiter über den Wald auf eine Wiese. Vor Ort werden die Stahlteile dann maschinell verschnitten und als Schrott in Containern abtransportiert.

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