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baustellentour

Mehr als eine Schönheitskur für den Ort

Fast elf Millionen Euro investiert Schwieberdingen in die Neugestaltung des Zentrums – Ziel: mehr Aufenthaltsqualität – Ärztehaus in Planung

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Ganz Schwieberdingen, so scheint es, ist eine Baustelle. Das Aufgabenspektrum reicht über den Austausch von Ver- und Entsorgungsleitungen bis zur Neugestaltung von Plätzen und Barrierefreiheit.Fotos: Karin Rebstock
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schwieberdingen. Seit einem dreiviertel Jahr wird die Stuttgarter Straße auf einer Länge von 1,2 Kilometer zwischen dem Kreisverkehr an der östlichen Ortseinfahrt und der Glemsbrücke erneuert. An einigen Stellen nimmt die Gestaltung Form an, eine Gelegenheit also, mit Bürgermeister Nico Lauxmann und Bauamtsleiter Ulrich Wemmer sowie Gudrun Neuser von der Volkshochschule auf Baustellentour zu gehen.

Neben der Grunderneuerung der Straße soll auch die Ver- und Entsorgung neu geordnet und die Ortsmitte aufgewertet werden. Das insgesamt 10,8 Millionen Euro teure Vorhaben betreffe wirklich alle, betont Lauxmann. Sehr dankbar sei er, dass der Gemeinderat die Chance nutzen wollte, mit der Sanierung der 50 Jahre alten Wasserleitungen das Ortsbild attraktiver zu gestalten: die Straßenbeleuchtung zu erneuern, Radwege oder Schutzstreifen anzulegen, Plätze zu gestalten, die Barrierefreiheit zu verbessern.

Start der Tour ist an der Glems, wo die Straße abgetragen ist und der Blick auf Rohre und Leitungen fällt. „Alles, was im Boden ist, müssen wir in die Hand nehmen“, betont Wemmer. Als eine kleine Maßnahme vorab, bevor im kommenden Jahr der Hochwasserschutz ansteht, nennt Lauxmann die Erhöhung der Straße, denn im Bereich Hettrich und Kreissparkasse drücke die Glems hoch.

„Kommt hier noch ein Schutzstreifen für Radfahrer hin?“, fragt eine Frau nach. Wemmer verneint, die Straße sei hier mit 6,50 Metern zu schmal und darum keine Genehmigung zu bekommen. Dem Fahrradfahrer würde eine Sicherheit vorgegaukelt, die nicht vorhanden sei, ergänzt Lauxmann. Interesse wecken auch dunkelgraue, quer zur Straße gerillte Platten am Straßenrand: Als Störstellen sollen sie Sehbehinderten mit Stock den Weg weisen und vor der Straße warnen.

Vor dem Kleeblatt-Haus wundern sich einige über den hohen Bordstein an der Bushaltestelle. „Das ist eine Vorgabe der EU, abgestimmt auf die Fahrzeuge, um hier einigermaßen Barrierefreiheit hinzubekommen“, so Lauxmann.

Der Vaux-le-Pénil-Platz („das Herzstück unserer Ortsdurchfahrt“, so Wemmer) nimmt bereits Gestalt an. Die neue Linde links soll einmal von zwei Strahlern beleuchtet werden. Rechts, wo einst ein gemeindeeigenes Haus stand, wird Aufenthaltsqualität geschaffen: Mauern umrahmen die künftige, mit vier Sprudlern ausgestattete Wasserstelle. Es gebe durchaus skeptische Nachfragen, berichtet Lauxmann. „Warten Sie es ab, bis der Platz fertig ist, bis auch die Bänke stehen. Mir gefällt es sehr.“ Vor der Metzgerei wird noch ein Buswartehäuschen errichtet.

Gut gelöst finden die Tourteilnehmer, dass der Gehweg am Eckhaus, vor der Hinteren Dorfgasse, verbreitert werden konnte. Zufrieden ist man auch mit der Neuordnung des Platzes gegenüber. Kritisch beäugt werden aber der farblich kaum abgesetzte Gehweg und die Stellplätze vor dem Friseurgeschäft. Das habe man sich anders vorgestellt, räumt auch Lauxmann ein. Darum würden die Platten im Bereich der drei Stellplätze auch gegen dunkelgraue ausgetauscht.

Glücklich ist der Bürgermeister darüber, dass sich nach jahrelangem Stillstand etwas beim „Ochsen“ tut: „Es sieht sehr danach aus, dass der Eingriff erfolgt.“ Angedacht ist, an der Stuttgarter Straße 3 Wohnraum und moderne Einzelhandelsflächen zu schaffen. Weiter freut ihn, dass an der Ecke Christofstraße ein Ärzte- und Gesundheitshaus mit Wohnungen gebaut werden soll. Im Nebeneffekt solle damit auch die Ortsmitte belebt werden. Geplanter Baubeginn ist im Herbst. Welche Ärzte einziehen werden, steht aber noch nicht fest.

Öffentliche Toiletten sind an der Stuttgarter Straße übrigens nicht geplant, muss Lauxmann zugeben. Eventuell werde die Toilette im Übergang zum Bürgerhaus zeitweise geöffnet. Mit der Öffnung des WCs in der Tiefgarage jedenfalls hat die Gemeinde schlechte Erfahrungen gemacht. Weiter besteht der Wunsch nach einem Supermarkt, doch gebe es in der Ortsmitte keine geeigneten Flächen. Nun wolle man grundsätzlich überlegen, ob sich Richtung Hemmingen ein Standort finde. „Wir sind dran, aber es dauert noch.“

Bis Sommer 2019 soll die Erneuerung der Stuttgarter Straße abgeschlossen sein. Ziel sei es, das Tempo durchgehend herauszunehmen, etwa durch Kreisel, durch versetzte Parkplätze. Aus Sicht der Verwaltung soll zudem durchgehend Tempo 30 gelten. „Der Gemeinderat hat uns den Auftrag gegeben, das mit dem Landratsamt zu klären. Ich hoffe dann, auf mehrheitliche Zustimmung“, so Lauxmann. Insgesamt gefällt ihm die geplante Gestaltung. „Sie passt zu uns, ist nicht übertrieben. Und wir schaffen mehr Aufenthaltsqualität.“