Logo

Wellarium

Millionenschwere Sanierung geplant

1981 wurde das Freibad Wellarium eröffnet, mittlerweile sind die Gebäude in die Jahre gekommen. Voraussichtlich ab 2018 wird im Bereich der Umkleiden und der Gastronomie saniert.

350_0900_17365_COKR18_10_17Buerkle_6.jpg
Nach der Saison 2018 sollen der Eingangs- und Personalbereich sowie die Gastronomie neu gebaut werden.Fotos: Oliver Bürkle
350_0900_17364_COKR18_10_17Buerkle_9.jpg
Pilzbefall und Fäulnis haben die Holztragwerke beschädigt.

Steinheim/Murr. Vor allem die Holzkonstruktion des Daches ist durch Pilze und Fäulnis so stark beschädigt, dass das Dach erneuert werden muss. Da auch der Umkleide- und Sanitärbereich sowie der Gastronomietrakt in die Jahre gekommen sind, steht eine drei Millionen Euro teure Sanierung an.

Bereits 2014 wurde der Pilzbefall festgestellt, das Holz zeigte Fäulnisschäden. 2015 wurden kurzfristige Maßnahmen umgesetzt, wohl wissend, dass dies nur ein Provisorium sein kann. 2016 wurde ein Sanierungsgutachten in Auftrag gegeben mit dem Ergebnis, dass die Schäden weiter fortgeschritten sind und das Dach erneuert werden muss. Auch Umkleide- und Sanitärbereich sowie der Schwimmmeister- und Gastronomiebereich entsprechen nicht mehr den aktuellen Anforderungen.

Drei Vorschläge legte das Büro Richter und Rausenberger den Gemeinderäten in Steinheim und Murr vor – die Gemeinden betreiben das Freibad gemeinsam in einem Zweckverband.

Variante 1 sieht die Erneuerung der Dächer mit leicht modifizierter Größe, den Umbau aller Gebäude im Bestand mit Minimalsanierung der Gastronomie vor. Die Kosten liegen bei 2,6 Millionen Euro. Bei Variante 2 werden ebenfalls die Dächer und alle Gebäude im Bestand erneuert. Hier entstehen Kosten von 2,8 Millionen Euro. Die teuerste Variante schlägt mit drei Millionen Euro zu Buche. Dafür werden die Gastronomie, der Eingangs- und Personalbereich sowie die Dächer in kleinerer Form neu gebaut, der Sanitär- und Umkleidebereich wird umgebaut. In einem ersten Bauabschnitt soll nach der Saison 2018 mit dem Personal-, Gastronomie- und Eingangsbereich begonnen werden. Zum Schutz der Holztragwerkkonstruktion müssen vor der Saison 2018 Reparaturen am Dach vorgenommen werden, mit Kosten von 10 000 bis 15 000 Euro wird gerechnet.

Nachdem die beiden Gremien in Steinheim und Murr sich für die Variante 3 entschieden haben, soll in der Verbandsversammlung am Donnerstag, 26. Oktober, der endgültige Baubeschluss gefasst werden.

Respekt vor den hohen Kosten

Kein Dach über dem Eingang – das gefällt der Steinheimer CDU-Fraktionsvorsitzenden Renate Eggers nicht. Auch die rund 200 000 Euro Mehrkosten für die Variante 3 will sie eigentlich nicht ausgeben. Die Verwaltung indes ist für die Investition. „Wir bleiben sonst im Bestand mit allen Nachteilen der räumlichen Struktur“, betonte Bürgermeister Thomas Winterhalter. Ein Neubau habe außerdem eine längere Haltbarkeit als eine Sanierung. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Regina Traub kann die Variante 3 ebenfalls mittragen, um Neues zu gestalten. „Wir wollen eine kreative Lösung. Der Eingang soll attraktiver werden.“ Auch der Kiosk und das Dach könne man bei einem Neubau optimal gestalten. Allerdings möchte sie den Baustoff Holz wegen der bekannten Probleme mit Schimmel hinterfragen. Timo Renz, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler, relativierte zudem die Mehrkosten: Aufgrund der Besitzverhältnisse zahle Steinheim lediglich zwei Drittel davon, was 160 000 Euro entspreche. Sehe man diese Summe in Verhältnis zum Alter des Bades, relativierten sich die Mehrkosten zusätzlich. Die Variante 3 sei am planungssichersten, berge wenig Überraschungen. Der Grünen-Fraktionsvorsitzende Rainer Breimaier tat sich trotzdem schwer: Das Wellarium sei für die Stadt von Bedeutung, aber die Investition von drei Millionen Euro werde sich auf den Steinheimer Haushalt auswirken. Und die Stadt habe noch Investitionen im zweistelligen Millionenbereich vor sich, zum Beispiel den Neubau der Blankensteinhalle, die Sanierung des Urmensch-Museums. Also solle man im Freibad nur sanieren, was nötig sei. Deutliche Worte fand Horst Trautwein (CDU): „Wir müssen das Geld in die Hand nehmen. Man muss sich nur im Wellarium umschauen, dann sieht man es.“ Mit drei Gegenstimmen sprach sich die Mehrheit für Variante 3 aus. (pat)

Zeitdruck und Gestaltungswünsche

Dass aufgrund der massiven Schäden in der Holzkonstruktion Handlungsbedarf im Wellarium besteht, darüber gab es bei den Murrer Gemeinderäten, die parallel zu den Kollegen aus Steinheim über die Sanierung des Freibads berieten, keine Zweifel. Ebenso eindeutig favorisierten alle Fraktionen die Variante 3 mit einem Neubau des Gastro- und Personaltraktes. „Alles andere wäre Flickschusterei“, so Gunter Hekel (Freie Wähler) stellvertretend für viele seiner Kollegen.

Allerdings ließen die geschätzten Kosten in Höhe von rund drei Millionen Euro die Murrer Räte nicht ganz kalt. Said Benali (SPD) stimmte am Ende gegen das Projekt, weil er eine Kostensteigerung und damit auch ein höheres Honorar für den Planer befürchtete.

Ellen Mohr-Essig (Grüne) trieb die Sorge um, dass sich der Zeitdruck negativ auf eine „schöne Gestaltung“ des Neubaus auswirken könne; Bürgermeister Torsten Bartzsch hatte es als „sehr sportlich“ bezeichnet, schon in einem Jahr mit dem ersten Bauabschnitt zu beginnen. Außerdem warf Mohr-Essig die Frage auf, ob nicht noch ein anderes Planungsbüro um Vorschläge für den neuen Gastro- und Personalbereich gebeten werden könne. Im Gegensatz dazu warnte Rainer Fröbel (SPD) vor einem „Gestaltungswettbewerb“. Es bestehe Handlungsdruck, „wir müssen Mängel beseitigen, die nicht ohne sind.“

Torsten Bartzsch wandte ein, dass der Neubau zwar „optisch ansprechend, in erster Linie aber funktional“ sein müsse; schließlich sei das Bad nur fünf von zwölf Monaten im Jahr geöffnet. Sollten die Gemeinderäte aber mit den Vorschlägen für den Neubau gar nicht zufrieden sein, können wir „immer noch die Reißleine ziehen und alles um ein Jahr verschieben.“ (fri)